Holzstämme lagern in Tüten

Pilotprojekt: Konservierung soll Holz vor Borkenkäfern schützen

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Vor dem Planen-Ungetüm: Im Forstamt Melsungen wird Sturmholz unter Riesen-Planen konserviert. Im Bild Steffen Wildmann (rechts) und Dr. Johannes Weidig.

Sie sehen aus wie riesige Lastwagen ohne Räder und stehen mitten im Wald. Die weißen Planen-Ungetüme verbergen bestes Fichtenholz. Die Plane soll das Sturmholz konservieren, das Orkan Friederike im Januar 2018 umgeworfen hatte.

Diese sogenannte Woodpacker-Methode testet der Landesbetrieb Hessen Forst erstmalig im Forstamt Melsungen. Bewährt sich das System, könnte es auch in anderen Forstämtern angewendet werden, teilt der kommissarische Forstamtsleiter Steffen Wildmann mit.

Ein Team aus drei Forstwirten und Förster Peter Katzmann (Revier Kirchhof) hat 14 dieser riesigen weißen Holz-Pakete in den Revieren Kirchhof und Wellerode gepackt. Zwei Tage benötigten sie, um die 300 Festmeter Holz für einen Polter aufeinanderzustapeln. Es dürfen keine Stämme rausragen, weil es luftdicht verpackt werden muss. „Das ist wie bei einem Stück Fleisch, das vakuumiert wird“, sagt Steffen Wildmann.

Ist der Stapel fertig, werden zwei Siloplanen herumgespannt, die mit einem Netz bedeckt werden. Das Netz sorgt für Windruhe, damit bei Wind die Folie nicht flattert, scheuert und reißt. Durch Löcher in der Plane könnte Feuchtigkeit eindringen, und das Holz würde verrotten. „Das ist das Schlimmste, was passieren kann“, sagt Steffen Wildmann, kommissarischer Forstamtsleiter. Dann wäre das Holz Humus und könnte nicht mehr als wertvolles Sägebauholz verkauft werden. Aus den Baumstämmen sollen später mal Dachstühle und Leimbinder hergestellt werden.

Nur einmal gab es Probleme: Mäuse hatten eine Plane zerfressen. „Neben dem Polter stand eine Buche, und Eckern waren in das Netz gefallen, die die Mäuse dann wohl fresen wollten“, berichtet Wildmann. Bemerkt wurde das Leck, weil der Sauerstoffgehalt im Polter zu hoch war. Dieser wird regelmäßig gemessen und darf eigentlich nicht vorhanden sein. Denn Pilze und Bakterien benötigen Sauerstoff, um das Holz zersetzen zu können. Ohne Sauerstoff bleibe das Holz in einwandfreiem Zustand, sagt Wildmann. Zwischen drei bis fünf Jahre kann es auf diese Art gelagert werden.

Wildmann: „Wir hoffen, dass das Holz so rauskommt, wie wir es eingepackt haben.“ Das Ziel: Das Holz erst zu verkaufen, wenn die Preise wieder besser sind. Durch den Orkan Friederike am 18. Januar 2018 war so viel Holz angefallen, dass die Preise um 30 Prozent sanken, so Wildmann.

Die Holzpolter-Methode ist eine von verschiedenen Lagermöglichkeiten: Es gibt auch noch Nasslagerplätze und Trockenlagerplätze. Der Vorteil des Holzpolterns: Das Holz kann vor Ort verpackt werden und muss nicht erst kilometerweit zu den weit verstreuten Lagerplätzen gefahren werden.

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