Kritik von Gewerkschaft

Polizei am Limit: Im Schwalm-Eder-Kreis sind sieben Stellen unbesetzt

Schwalm-Eder. Die Belastung für Polizisten im Schwalm-Eder-Kreis sei zuletzt enorm gestiegen, kritisiert Klaus Vestweber, Bezirksvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Im Durchschnitt hat jeder Beamte etwa 170 Überstunden - einzelne Kollegen in den nordhessischen Revieren über 1000 Überstunden. 15 Millionen Euro hatte das Land zur Verfügung gestellt, um Überstunden finanziell abzugelten. Das habe die Situation aber nur marginal verbessert, sagt Vestweber.

In den vergangenen zwei Jahren habe die Belastung unter anderem wegen der Flüchtlingsproblematik, Terrorlagen, Online-Kriminalität und Abstellungen von Beamten für zum Beispiel Ausbildungszwecke stark zugenommen. Vestweber nennt ein Beispiel: Waren bei großen Veranstaltungen früher zwei Kollegen, seien aktuell acht im Einsatz. Die Dienste in den Wachen müssten dennoch besetzt werden. Die Landesregierung gefährde die Gesundheit der Kollegen und das sei Ausdruck einer mangelnden Wertschätzung.

Hessens Innenminister Peter Beuth habe zwar mehr als 1100 Stellen bis zum Jahr 2020 in Aussicht gestellt, die Zweifel, dass in den Polizeistationen in Nordhessen die dringend benötigten Kollegen auch tatsächlich ankämen, seien aber groß, konstatiert der 58-Jährige.

Iris Icke, Vorsitzende der Kreisgruppe Melsungen der GdP: „Insbesondere die Dienstgruppen auf den Revieren, die im Zwei-Schichtdienst arbeiten, sind betroffen.“ Denn zur normalen Arbeit kämen zusätzliche Aufgaben wie Einsätze bei Fußballspielen, Unterstützung beim Staatsschutz, Überwachung von Gefährdern, Schulungen und vieles mehr hinzu.

SPD-Landtagsabgeordneter Günter Rudolph kritisiert zudem, dass die Polizei in erheblichem Maß durch das Begleiten von Schwertransporten gebunden sei.

Sieben Stellen fehlen

Der Polizeidirektion Schwalm-Eder sind aktuell 209 Planstellen (176 Schutzpolizei und 33 Kriminalpolizei) zugeordnet. Mit Stand 1. Januar waren laut Innenministerium davon 202 Planstellen (169 Planstellen Schutzpolizei und 33 Kriminalpolizei) besetzt. Zum 1. Februar 2017 ist die Besetzung offener Stellen mit fünf Beamten der Schutzpolizei und einem Beamten der Kriminalpolizei vorgesehen. 570 der 1100 Stellen bis zum Jahr 2020 werden zusätzlich geschaffen. Insbesondere der polizeiliche Staatsschutz und die organisierte Kriminalität werden mehr Personal erhalten. Vom Personalzuwachs sollen aber alle Behörden profitieren, heißt es aus dem Ministerium.

Rubriklistenbild: © dpa

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