Fünf Festnahmen im Schwalm-Eder-Kreis 

Razzia gegen die Mafia: Clan in verschiedenen Orten in Nordhessen aktiv

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Nicht nur in Deutschland gingen die Ermittler gegen die Mafia vor: Der Screenshot aus einem Video der italienischen Gendarmerie zeigt Carabinieri am frühen Dienstagmorgen bei einer Razzia gegen den Ndrangheta-Clan Farao-Marincola in Italien.

Großer Schlag gegen das organisierte Verbrechen: Bei einer bundesweiten Razzia gegen die italienische Mafia-Organisation ‘Ndrangheta wurde die Polizei auch im Schwalm-Eder-Kreis fündig.

Aktualisiert um 17.55 Uhr. Bei einer bundesweiten Razzia gegen die italienische Mafia-Organisation ‘Ndrangheta sind auch Verdächtige im Schwalm-Eder-Kreis festgenommen worden. Es handele sich um fünf Personen im Alter zwischen 38 und 61 Jahren, sagte ein Sprecher der Kasseler Polizei. Ihnen wird Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. An der Polizei-Aktion am frühen Morgen seien auch nordhessische Einsatzkräfte beteiligt gewesen. Nähere Angaben dazu machte die Polizei nicht.

In mehreren deutschen Bundesländern hatte die Polizei laut Bundeskriminalamt insgesamt elf mutmaßliche Mafia-Mitglieder festgenommen. Die Verdächtigen seien in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen sowie Nordrhein-Westfalen gefasst worden. 

Die Festnahmen in Deutschland sind Teil einer Ermittlung der italienischen Strafverfolgungsbehörden, die in Italien zu über 160 Festnahmen in Kalabrien und sieben weiteren Regionen geführt hat. Ziel der Anti-Mafia-Ermittler ist es, die kriminellen Aktivitäten, die Funktionsweise und die Strukturen des Clans Farao-Marincola der ‘Ndrangheta festzustellen. 

Hier war die Mafia in der Region aktiv

Clanchef Giuseppe Farao soll nach Informationen des Recherchezentrums Correctiv von Ende der 60er- bis Anfang der 90er-Jahre zwischen dem Raum Kassel und Italien gependelt sein und das kriminelle Netz seines Clans in Deutschland gespannt haben. In der Vergangenheit habe der Clan über Strohmänner Restaurants in Fuldatal, Borken, Melsungen, Kassel sowie ein Lebensmittelgeschäft in Melsungen und ein Café in Homberg betrieben, heißt es weiter. Der Clan Farao-Marincola stamme aus der kalabrischen Gemeinde Cirò. Er ist laut Correctiv in Deutschland besonders mächtig. Mitglieder herrschen danach über kriminelle Aktivitäten insbesondere im Raum Kassel und Stuttgart. 

Der Gruppierung ist es gelungen, so das Bundeskriminalamt in einer Pressemitteilung, Einfluss auf bedeutende italienische Wirtschaftszweige, etwa Herstellung und Verkauf von Fisch, Wein und Backwaren, zu nehmen und den Gewinn auch in Norditalien und Deutschland zu investieren.

Die Verhaftungen seien "ein wichtiger Erfolg gegen die Unterwanderung unserer Wirtschaft", teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mit. "Wir lassen es nicht zu, dass kriminelle Organisationen wie die 'Ndrangheta Deutschland als Rückzugs- und Investitionsraum nutzen und hier ihr kriminelles Geschäft erledigen."

Die Carabinieri gaben an, die Ermittlungen hätten ein weit verzweigtes Netz von Gewerbetreibenden aufgedeckt, die in die Mafia-Aktivitäten verwickelt seien oder die Kriminellen zumindest gewähren ließen. In Deutschland habe der Clan "operative Zellen" in Frankfurt, Wiesbaden, München und Stuttgart gehabt, von wo aus unter anderem das Geschäft mit Wein, Molkerei-Produkten und Öl organisiert worden sei. Der Clan habe etwa kalabrische Restaurants dazu gebracht, Weinprodukte lediglich von Unternehmen anzukaufen, die von der kriminellen Vereinigung kontrolliert wurden.

Wie dieses italienischsprachige Dokument von Festgenommenen zeigt, gibt es viele Verbindungen in die Region, wie etwa Bad Wildungen und Rotenburg (mit dpa)

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