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Post hat das Telegramm eingestellt – Ehemaliger Postbeamter Ludwig Below erinnert sich

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Von: Barbara Kamisli

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Museumsstück: Der ehemalige Postbeamte Ludwig Below zeigt einen alten Fernschreiber aus dem Postamt Melsungen. Das Ausstellungsstück befindet sich heute im Heimatmuseum.
Museumsstück: Der ehemalige Postbeamte Ludwig Below zeigt einen alten Fernschreiber aus dem Postamt Melsungen. Das Ausstellungsstück befindet sich heute im Heimatmuseum. © Barbara Kamisli

Wichtige Nachrichten möglichst schnell und mit wenigen Worten auszutauschen, das war auch schon vor E-Mail, Whatsapp, SMS und Co möglich. Nämlich per Telegramm.

Kreisteil Melsungen – Das ein oder andere hat Ludwig Below aus Malsfeld in den vergangenen Jahren auch selbst bekommen, aber in erster Linie hat er dafür gesorgt, dass die Eilnachrichten ihre Empfänger so schnell wie möglich erreichen. Der 73-Jährige hat 50 Jahre bei der Post gearbeitet, darunter auch in Malsfeld, Melsungen, Spangenberg und Morschen.

Telegramm nach 170 Jahren eingestellt

Zum Jahresende hat die Deutsche Post nun nach 170 Jahren das Telegramm eingestellt (siehe Hintergrund), aus diesem Anlass erinnert sich Below an die Zeiten als das Telegramm noch ein gefragtes Kommunikationsmittel war. Im Altkreis Melsungen war das Telegramm bis zur Grenzöffnung ein wichtiges Instrument, erinnert sich Ludwig Below. „Wenn zum Beispiel jemand aus der ehemaligen DDR zu einer Beerdigung in den Westen wollte, mussten Stadt oder Gemeinde den Todesfall bestätigen“, sagt Below.

Drei Fernschreiber gab es zu Belows Zeiten in den 1960er-Jahren im Postamt Melsungen. „Und die ratterten, wenn zum Beispiel Jubiläen von Firmen oder besuche wichtiger Politiker anstanden.“ Die Nachrichten wurden auf eine Art Klebestreifen getippt und dann auf das entsprechende Formular geklebt und von einem Eilzusteller zugestellt, sagt Below.

Die schnellste Nachricht war das Telegramm

Später wurden Lochstreifen benutzt. Musste eine Nachricht von Melsungen oder Kassel aus, wo die Fernschreiber standen, schnell weitertransportiert werden, dann habe man das per Telefon an den jeweiligen Zusteller vor Ort übermittelt und der habe die Nachricht dann handgeschrieben zugestellt. „Dazu mussten wir das Buchstabieralphabet beherrschen“, sagt Below. Lange Zeit sei das Telegramm weltweit die schnellste Art zu kommunizieren gewesen, teilte die Post mit. In knappen Zeilen seien besonders wichtige politische oder militärische Nachrichten übermittelt worden, aber auch solche privater Natur wie Hochzeiten oder Geburten.

Sammlung aus vielen Jahrzehnten: Ludwig Below hat unter anderem Telegramme von 1918 und Schmuckblätter aus den 1960er-Jahren.
Sammlung aus vielen Jahrzehnten: Ludwig Below hat unter anderem Telegramme von 1918 und Schmuckblätter aus den 1960er-Jahren. © Barbara Kamisli

Eine gekürzte Sprache sowie das Weglassen von Personalpronomen und Adjektiven zeichneten Telegramme aus, heißt es von der Post weiter. Ab den 1930er-Jahren, weiß Below, habe es dann auch sogenannte Schmuckblätter gegeben – das waren grafisch gestaltete Telegramme, die zu Geburtstagen, Jubiläen oder Weihnachten verschickt wurden.

In den 1960er-Jahren habe das kleine Schmuckblatt 2 Mark und das große 5 Mark gekostet. Die Mindestgebühr für ein Telegramm betrug laut eines Gebührenheftchens von 1966 2,10 Mark, das Wort kostete 30 Pfennig. „Bis 15 Buchstaben war es ein Wort. War das Wort länger, wurden zwei Wörter berechnet.“
(Barbara Kamisli)

Das Telegramm ist Geschichte

170 Jahre nachdem der Amerikaner E. P. Smith die Bezeichnung Telegramm im Jahre 1852 für telegrafisch übermittelte Nachrichten erfand, hat die Deutsche Post das Produkt zum Jahresende eingestellt. An den letzten beiden Werktagen des Jahres 2022 nutzten noch einmal jeweils mehr als 3000 Kunden das Telegramm, teilt die Post mit. Zum Vergleich: In den Vorjahren wurden gerade einmal zwischen 200 und 300 Telegramme versendet – pro Monat.

2018 hatte die Deutsche Post bereits den Versand von Telegrammen ins Ausland eingestellt. Die Deutsche Post war zuletzt eines der wenigen Postunternehmen weltweit, das überhaupt noch ein Telegramm-Produkt anbot, heißt es in der Mitteilung weiter.

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