Malerei wurde bei Sanierungsarbeiten in Kehrenbach entdeckt

Zufallsfund: Wandbordüre in Kehrenbacher Kirche war jahrzehntelang versteckt

Restauratorin Agnieszka Lanocha malt mit dem Pinsel Punkt für Punkt an der an der historischen Wandbordüre in der Kirche in Kehrenbach.
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Restauratorin Agnieszka Lanocha arbeitet noch bis Ende der Woche an der Wandmalerei in der Kirche in Kehrenbach. Punkt für Punkt restauriert sie die Bordüre.

Als Restauratorin braucht Agnieszka Lanocha eine ruhige Hand. Erst recht bei ihrer Arbeit in der Kehrenbacher Kirche. Noch bis Ende der Woche restauriert die Polin die Schablonenmalerei an allen vier Kirchenwänden.

Kehrenbach – Viele, viele Pünktchen muss sie setzen, um ein Ornament wiederherzustellen, das Kirchenmaler im 19. Jahrhundert an die Wände der kleinen Dorfkirche gemalt haben. Je nach Zustand des freigelegten Motivs benötigt die Restauratorin bis zu einer Stunde, um eine Palmette zu vervollständigen.

Die Palmette ist ein Motiv griechischen Ursprungs, sagt Piotr Slupczynski, der in Kassel ein Restaurationsbüro betreibt und auf Wandmalerei spezialisiert ist. Neben der Kehrenbacher Kirche arbeitet sein Büro aktuell bei der Restaurierung des Bergfrieds in der Kasseler Löwenburg.

1827 wurde die Kirche gebaut. So steht es auf einer Inschrift hinter der Orgel, die im Zuge der Sanierung wieder freigelegt und restauriert wurde. Laut Slupczynski gehen Kunsthistoriker davon aus, dass die Bordüre „möglicherweise zwei, drei Jahre später“ an die Wände kam.

Die erste Herausforderung bei der Restaurierung war, die exakten Farbtöne zu treffen. Die zweifarbigen Palmetten sind in Rosa-Orange und Anthrazit gemalt. Und weil sich die Kirchenwände im Laufe der letzten knapp 200 Jahre gesetzt haben, muss die Restauratorin bei ihrer Arbeit einen Unterschied von drei Zentimenter ausgleichen, in dem Bordüren links und rechts von der Altarwand stehen. „Außerdem müssen wir eine gute Balance finden zwischen dem alten Bestand und der neu restaurierten Malerei“, sagt Agnieszka Lanocha. Es werde genau dokumentiert, wo Ergänzungen gemacht werden müssen.

Die junge Frau lebt während ihrer vierwöchigen Arbeit in Kehrenbach. Der Kirchenvorstand hat eine Ferienwohnung im Dorf gefunden, sodass sie täglich mit dem Rad zum Arbeitsplatz in der Kirche fahren kann. Wenn dann in der Kirche Licht brennt, bekommt die Restauratorin auch mal Besuch. Agnieszka Lanocha freut sich darüber, insbesondere die Frauen seien sehr interessiert an dem, was sie mache.

Die Restauratorin braucht viel Geduld für die Abermilionen Pünktchen, mit denen sie die Bordüre wieder ans Licht bringt. So wird aus dem „nordhessisch-zurückhaltenden Hallenbau“, wie Pfarrer Sigurd Sadowski sagt, ein absoluter Hingucker in der Kirche – dank der Arbeit von Restauratorin Agnieszka Lanocha und ihrer ruhigen Hand.

Kirchensanierung

Das Palmettenfries in der Kehrenbacher Kirche war ein Zufallsfund. Eigentlich stand die Sanierung der Glockensteuerung und der Orgel an. Weil unter der Empore und an der Wand Stockflecken auftauchten, musste der komplette Kirchenraum saniert werden. Grund: Bei einer Sanierung in den 1990erJahren wurde die alte Farbe überstrichen anstatt sie von den Wänden zu nehmen. Bei den Arbeiten tauchten dann plötzlich die Schablonenmalerei in einer Fensternische auf. Das Landesamt für Denkmalschutz wurde eingeschaltet. Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand wurde entschieden, die Malerei zu erhalten. (Claudia Feser)

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