Atemprobleme, Erbrechen, Kollaps

Wegen Qualzucht: Gesunde Hunde mussten operiert werden - „nichts anderes als Tierquälerei“

Zwei Hunde
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Bekommen wieder Luft: Das Tierheim Beuern musste die beiden französischen Bulldoggen Kolja (vorn) und Karlchen operieren lassen.

Zwei gesunde Hunde des Tierheims Beuern mussten jetzt operiert werden - die Tiere hatten große Probleme beim Atmen. Mehr als 1000 Euro kosteten die Eingriffe.

Beuern – Qualzuchten machten so einen Unsinn möglich, kritisiert Ralf Pomplun, Vorsitzender des Trägervereins „Ein Heim für Tiere“. Über das Veterinäramt kamen Anfang 2018 mehrere sichergestellte französische Bulldoggen ins Tierheim – darunter auch Kolja. Er wurde im März desselben Jahres zu einem Halter mit einer anderen Bulldogge vermittelt. Beide kamen im Oktober jedoch wieder zurück.

Bereits als Welpe hatte Kolja große Probleme beim Atmen durch die Nase, was sich bis heute nicht geändert hat. „Für uns Tierpfleger ist es immer schwer anzusehen, wenn ein so junger Hund, Kolja wird drei Jahre alt, bereits solche starken gesundheitlichen Einschränkungen hat“, sagte eine Tierpflegerin des Tierheims. Diese entstünden aus der rassebedingten Zucht, heißt es vom Tierheim.

In meinen Augen ist das nichts anderes als Tierquälerei.

Ralf Pomplun, Vorsitzender „Ein Heim für Tiere“

Qualzuchten von Hunden: Vorsitzender fordert Verbot

Pomplun wird deutlich: „In meinen Augen ist das nichts anderes als Tierquälerei. Und das für ein Schönheitsideal.“ Er fordert ein Verbot dieser Qualzuchten. „Die Züchter müssen wieder Zuchtlinien einführen mit Hunden, die besser Luft bekommen.“

Viele beliebte Hunderassen, wie französische und englische Bulldoggen, Möpse und Boston Terrier litten wegen ihrer verkürzten Kopfform, die bei den Hunden absichtlich gezüchtet wird, unter Atemproblemen. „Der Atemtrakt der Tiere ist oft so stark verändert, dass es bei den meisten Hunden früher oder später zu erheblichen Atemproblemen kommt“, sagt Pomplun. Diese können sich unter anderem durch lautes Schnarchen, Kurzatmigkeit, anhaltende Erkältungssymptome, Würgen und Erbrechen sowie schnelle Überhitzung und Schlafstörungen bemerkbar machen. All dies könne laut Pomplun im schlimmsten Fall zu einem Kollaps und einem plötzlichen Erstickungstod führen.

Im Sommer könne ein längerer Spaziergang für so einen eingeschränkten Hund schon zur Qual werden, sagt Pomplun. Gerade bei solchen Rassen sei es immens wichtig, bei seriösen Züchtern zu kaufen. Diese achteten darauf, nur Tiere zu vermehren, die gut und ohne Einschränkungen leben könnten, sagt Pomplun. Inzwischen wurde auch bei ebay Kleinanzeigen der Verkauf von Hunden aus Qualzuchten verboten.

Qualzucht bei Bulldoggen: Nur Operation konnte helfen

Aber nicht nur die gesundheitlichen Probleme machten diesen Hunderassen zu schaffen. Durch die Verkürzung der Nasenhöhle sei die Riechfunktion der Nase stark eingeschränkt. „Da Hunde ihre Welt vor allem durch die Nase entdecken, sind solche mit einer verkürzten Nase oft in ihrer Kommunikation eingeschränkt.“ Kolja und Karlchen (10) mussten beide operiert werden.

„Wir fühlen uns für die Tiere verantwortlich. Nur mit einer Operation konnten Kolja und Karlchen gesund und glücklich bleiben“, sagt Pomplun. Der Tierarzt erweiterte die Nasenlöcher und verkürzte das Gaumensegel, damit die Hunde besser atmen können. 600 Euro koste so eine Operation. Sollte noch eine Untersuchung im Computertomographen nötig werden, kämen weitere 1200 Euro hinzu. Das sei sehr viel Geld für eine Einrichtung wie das Tierheim Beuern, sagt der Vorsitzende des Vereins.

Anschaffung von Hund muss gut überlegt sein

Das Tierheim Beuern gibt zu bedenken, dass die Anschaffung eines Tieres gut überlegt sein müsse. „Oft lebt ein Tier mehr als zehn Jahre in der Familie. Dieser Verantwortung muss man sich bewusst sein“, sagt Pomplun. Jedoch gebe es immer wieder Umstände, die es nicht möglich machen, ein Tier weiterhin zu verpflegen und ihm ein zu Hause zu bieten. In solchen Fällen steht die Tür des Tierheims Beuern immer offen – natürlich auch für ehemalige Schützlinge.

Die Geschichte von Kolja und Karlchen endete jüngst mit einer Vermittlung – leider nicht zusammen. (Damai D. Dewert)

Kontakt: Ein Heim für Tiere, Steibruchweg 1a, 34587 Felsberg-Beuern, Tel. 0 56 62 / 64 82.

Tierheim ist auf Spenden angewiesen

Das Tierheim Beuern ist das einzige Tierheim im Landkreis. Es finanziert sich zu einem Teil aus einer Umlage der Kommunen, die abhängig von der Einwohnerzahl gezahlt wird und zu einem Teil aus Spenden. Die Umlage wird nur für die Versorgung von Fundtieren verwendet. Dieser Bereich ist laut Tierheim unterfinanziert.

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