Im Notfall wird’s brenzlig

Rettungsfahrzeuge in Melsungen haben Probleme wegen falsch geparkter Autos

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Kaum Platz für die Rettungsfahrzeug: Ortsvorsteher Michael Wagner zeigt, an welchen Stellen es in Röhrenfurth schwierig wird.  

Rettungskräfte haben vielerorts im Kreisteil Melsungen Probleme, zu ihren Einsatzorten zu kommen. Enge Straßen mit enger Bebauung gibt es in den meisten Orten in der Region.

Wenn dann noch Autos falsch abgestellt werden, kommen Krankenwagen, Tanklöschfahrzeug und Co. zuweilen nicht durch. Wie vor vier Wochen in Melsungen, als das Auto der Feuerwehr nicht in den Sollingweg einbiegen konnte, weil ein Auto die Einfahrt versperrte (HNA berichtete). Zum Glück reichte der lange Schlauch von der Einmündung bis zum Feuer.

Frank Werner, Ordnungsamtsleiter in Melsungen

Frank Werner, Leiter des Ordnungsamtsbezirks Melsungen, kennt das Problem. „Aber jeder kann mal in die Situation kommen, auf Hilfe angewiesen zu sein.“ Und wer im Notfall schon mal auf einen Krankenwagen gewartet hat, weiß, dass sich Sekunden wie Minuten anfühlen können. Werner appelliert an die Verkehrsteilnehmer, ihre Autos umsichtig zu parken. Er macht es so: Er steigt aus dem geparkten Auto und macht dreieinhalb große Schritte bis zum Straßenrand, was in etwa dreieinhalb Meter entspricht. Und wenn dreieinhalb Schritte möglich sind, dann ist genug Platz für ein Rettungsfahrzeug, das drei Meter benötigt. „Wer unsicher ist, sollte sein Auto woanders parken.“

Enge Straße in Röhrenfurth: Weil die Rettungsfahrzeuge im Laufe der Jahre immer breiter wurden, kommen die Rettungsfahrzeuge beispielsweise in Röhrenfurth kaum durch. 

Beispiel Röhrenfurth: Dort gibt es Straßen, die haben gerade mal Mindestbreite. Wenn dort noch ein Auto parkt, kommt kein Feuerwehrauto mehr durch, erst recht, wenn Zaun oder Mauer ans Grundstück grenzt. „Unsere Feuerwehrautos wurden immer breiter, aber die Straßen nicht“, sagt Gruppenführer Klaus Döberitz von der Röhrenfurther Feuerwehr über dieses Wohngebiet, das in den 1930er/40er-Jahren entstanden ist. Und sein Kollege Rudi Gerblich ergänzt: „Im Ernstfall müssen wir einen Schlauch mehr auslegen, oder die Rabatte ist eben hin.“

Auch in Neumorschen ist die Problematik akut: Weil in der Marktstraße schräg geparkt wird, könnte es zu brenzligen Situationen kommen, sagt Bürgermeister Ingo Böhm. Er kündigt an, dass dort ab Mitte/Ende Januar nur noch längs geparkt werden darf. Es fallen dann zwar fünf Parkplätze weg, dann passt aber auch das neue Hilfsleistungsfahrzeug durch, das voraussichtlich ab Sommer 2019 im Einsatz sein wird.

Drei Tipps helfen Rettern im Notfall

Es gibt drei einfache Tipps, die die Arbeit der Rettungskräfte im Notfall erleichtert werden können.

Richtig parken 

Fahrzeuge dürfen nicht gegenüber von Einmündungen abgestellt werden. Auch Wendehammer und Zufahrten sind tabu. „Teilweise sind diese Behinderungen von den Fahrern unbeabsichtigt, da ihnen der Parkverstoß nach Paragraf 12 der Straßenverkehrsordnung nicht bewusst ist“, sagt Frank Werner, Leiter des Ordnungsamtsbezirks Melsungen mit.

Weg von Hydranten 

Hydranten dienen der Löschwasserversorgung. Das Parken auf Schachtdeckeln ist verboten. Diese werden durch Schilder mit rotem Rand kenntlich gemacht, die an Laternenpfählen hängen. Darauf steht ein großes H mit den Angaben von Wasserrohrdurchmesser und Entfernung des Hydranten von der Straße.

Parken verboten: Wer sein Auto auf einem Hydranten abstellt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.

Beleuchtete Hausnummern 

Im Dunkeln beleuchtete Hausnummern können den Rettungskräften helfen, schneller zu sein. Denn dadurch können sie das entsprechende Haus schneller finden. 

Feuer: Zu eng für das Tanklöschfahrzeug

Jede Woche gibt es Vorfälle, bei denen Rettungskräfte an der Arbeit behindert werden. Ein konkreter Fall hat sich beispielsweise am 19. November in Melsungen ereignet. Im Sollingweg brannten vor einem Haus zum Abtransport bereitstehende Säcke mit Sägemehl, Holz-Schleifstaub und Laub. Die Flammen drohten auf das direkt neben der Brandstelle geparkte Auto und das nur einen Meter entfernte Wohnhaus, in dem sehr viel Holz verbaut ist, überzugreifen. 

Die Feuerwehrleute konnten ein Übergreifen verhindern. Aber: Sie bemängelten die Parksituation in der Quillerstraße. Eine Einfahrt mit dem Tanklöschfahrzeug in den Sollingweg war wegen der am Fahrbahnrand geparkten Fahrzeuge nicht möglich. 

Glücklicherweise war die Brandstelle direkt an der Straßeneinmündung. So reichte die Länge des Schnellangriffsschlauches aus, um die Brandstelle zu erreichen.

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