Ein Wald voller Gold

Revier Fahrenbach: Anteil an Naturschutzflächen ist überdurchschnittlich hoch

An der Kernfläche Naturschutz: Förster Peter Rothämmel, Leiter des Reviers Fahrenbach, hat am Rand einer Kernfläche Naturschutz ein Hinweisschild angebracht. Foto: Feser

Melsungen. Wir stellen das Forstamt Melsungen mit seinen zwölf Revieren vor. Im Februar geht’s um das nördlichste Revier im Forstamt: die Revierförsterei Fahrenbach.

Eigentlich ist Peter Rothämmel ein reicher Mann: Im Revier des Försters liegt und steht nämlich Gold, biologisches Gold. So wird Totholz in Forstkreisen genannt, und weil das Revier Fahrenbach den höchsten Anteil von Naturschutzkernflächen im Forstamt Melsungen hat, gibt es dort viel Totholz - und damit biologisches Gold.

Die größte Kernfläche steht am Belgerkopf im Söhrewald: Auf einer Fläche von etwa 40 Fußballfeldern wird der Wald sich selbst überlassen. Die Forstwirte dürfen keine Bäume einschlagen. „Dort soll ein kleiner Urwald entstehen“, sagt Förster Rothämmel. Bis man das Gebiet als Urwald erkennt, vergehen bis zu 40 Jahre. Wer genau hinsieht, kann den Urwald jetzt schon erkennen. Dort stehen hauptsächlich Buchen, manche sind bis zu 180 Jahre alt - kein Baum darf geschlagen und verkauft werden. Einige Bäume sind abgestorben. Pilzkonsolen, die aussehen wie an den Baum getackerte Teller, zeigen, dass ein Baum geschwächt ist. Stehende tote Bäume bieten Lebensraum für Spechte, Hohltauben, Hirschkäfer, Fledermäuse. Andere Bäume sind bereits umgefallen. Dort tummeln sich Käfer, kleine Insekten und Pilze, die das Holz zersetzen. Einzige Ausnahme für ein Eingreifen der Forstleute: Die Verkehrssicherheit an den Randbereichen muss sichergestellt werden. Auch dort dürfen Bäume nur an die Seite gezogen werden. „Solche Kernflächen sind etwas ganz Tolles“, sagt Förster Rothämmel, „weil es so ursprünglich ist.“ Da hat der 55-Jährige eine Art Mini-Nationalpark im Revier.

Eine andere Seltenheit ist knallgelb und blüht ab Mai in den Heubruchwiesen bei Eschenstruth, einem von zwei Naturschutzgebieten im Revier Fahrenbach. Die Arnica-Pflanze, die unter Artenschutz steht, ist Rothämmels Lieblingsblume und muss gepflegt werden, damit sie gut gedeihen kann. Die Heubruchwiese wird regelmäßig gemäht, am besten spät im Jahr. Damit sie genügend Licht bekommt, wurden 2011 im Randbereich der Wiese viele Aspen gefällt, weil sie eine so genannte Wurzelbrut betreiben. Sie schieben ihre Wurzeln bis zu 20 Meter in die Wiese und vermehren sich auf diese Weise - und verdrängen die Arnica.

Regelmäßige Berichte 

Weil das Vorkommen der Arnica mittlerweile so selten ist, gibt es sogar einen ehrenamtlichen Naturschutzgebietbetreuer im Revier, der das Arnica-Wachstum und -Vorkommen beobachtet und regelmäßig Bericht erstattet. „Durch unsere Arbeit wird die Arnica zwar nicht häufiger“, sagt Förster Rothämmel, „aber wir sind froh, wenn sie sich hält.“ Mit Arnica und viel Totholz als biologischem Gold ist Peter Rothämmel also ein reicher Förster.

Von Claudia Feser

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