Melsungen: Luca-App angekommen

Unternehmen im Kreisteil Melsungen nutzen die Luca-App zur Kontaktverfolgung

So funktioniert die Luca-App: Geschäftsleiterin Bettina Schmoll-Reinbold zeigt an der Rezeption bei Fliesen-Schmoll, wie die App verwendet wird.
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So funktioniert die Luca-App: Geschäftsleiterin Bettina Schmoll-Reinbold zeigt an der Rezeption bei Fliesen-Schmoll, wie die App verwendet wird.

Die Luca-App ist im Kreisteil Melsungen angekommen. Damit lassen sich Kontakte bei Coronainfektionen nachvollziehen. Wir haben beispielhaft zwei Unternehmen in der Region gefragt, die die App nutzen.

Melsungen/Körle – „Jüngere Kunden sind begeistert, die ab etwa 55 Jahren tragen sich lieber in Listen ein“, sagt eine Mitarbeiterin von Vockeroth in Melsungen, die nicht namentlich genannt werden will.

Genauso wie bei Vockeroth hängt der QR-Code zur Registrierung mit der App am Eingang beim Fliesenlegerbetrieb Fliesen-Schmoll in Körle, zudem an der Rezeption. Rapper Smudo von der Band „Die fantastischen Vier“ hat Geschäftsleiterin Bettina Schmoll-Reinbold mit einem Fernsehauftritt überzeugt. „Ohne Listen und Papiere heraussuchen und ans Gesundheitsamt zu schicken, geht die Verfolgung von Infektionen viel schneller“, sagt sie.

„Die Datensicherheit ist höher, weil nur das Gesundheitsamt auf die Daten zugreifen kann“, sagt Schmoll-Reinbold. Der Nutzer könne jedoch sehen, wann er wo registriert war und bei einer Infektion freiwillig Beteiligte über die App informieren. „So bleiben auch Kontakte in Erinnerung, die ein Infizierter sonst vergessen hätte“, sagt die Geschäftsleiterin.

In einem solchen Fall wird Schmoll-Reinbold darüber informiert, dass zu einer bestimmten Zeit ein Infizierter in ihrem Geschäft war. Sie sieht jedoch nur, wie viele Besucher wann registriert waren. Deren Identität sei mit einer Zeichenkombination verschlüsselt.

Dieselben Besucher bekämen bei verschiedenen Registrierungen unterschiedliche Kombinationen. So könne die Geschäftsleiterin auch nicht nachvollziehen, ob jemand häufiger in ihrem Geschäft war. „Das habe ich mit meinem eigenen Smartphone getestet“, sagt Bettina Schmoll-Reinbold. „Uns schützt das jedoch vor Falschangaben wie Mickey Mouse.“ (Fabian Becker)

Das bemängeln Kritiker

Ein Kritiker der Luca-App ist der „Chaos Computer Club“. Ihn stört, dass Daten zentral gespeichert werden. Dies wecke Begehrlichkeiten bei Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten. Der Club stellt in Frage, ob die Gesundheitsämter die Daten sinnvoll verwerten können, und bemängelt, dass die App nicht mit veröffentlichtem Quellcode entwickelt wurde. Kritik gibt es auch daran, dass die App von Menschen mit bestimmten Einschränkungen nicht genutzt werden kann: „Hier wurde nicht bedacht, die Anwendung barrierefrei zu gestalten“, sagte Bernd Peters, Leiter der Geschäftsstelle des Blinden- und Sehbehindertenverbands Sachsen-Anhalt. „Blinde werden von der Nutzung ausgeschlossen.“  (Fabian Becker/dpa)

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