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Nach Feuer in Melsungen: Ursache wohl fahrlässige Brandstiftung

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Von: Damai Dewert

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Vorerst unbewohnbar: Ob das Mehrfamilienhaus am Spangerweg in Melsungen abgerissen werden muss oder saniert werden kann, wird sich noch entscheiden.
Vorerst unbewohnbar: Ob das Mehrfamilienhaus am Spangerweg in Melsungen abgerissen werden muss oder saniert werden kann, wird sich noch entscheiden. © Helmut Wenderoth

Nach einem verheerenden Feuer in Melsungen ist ein Mehrfamilienhaus derzeit unbewohnbar. Die Ermittlungen zur Brandursache laufen - laut Kripo handelt es sich wohl um fahrlässige Brandstiftung.

Melsungen – Vier Menschen hatten sich bei dem großen Wohnhausbrand in Melsungen verletzt. Sie wurden jetzt allesamt aus dem Krankenhaus entlassen, berichtet Markus Brettschneider, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Sie wären – wenigstens körperlich – nicht ernsthaft zu Schaden gekommen. Leider könnten sie nun aber nicht nach Hause. Das Haus sei komplett unbewohnbar.

Den Schaden schätzten die Ermittler der Kriminalpolizei auf mindestens 350 000 Euro. Das werde nach aktuelleren Erkenntnissen aber wohl nicht reichen, sagt Brettschneider. Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung gebe es nicht. Die Ermittler gehen derzeit von einer fahrlässigen Brandstiftung aus. Eine fahrlässige Brandstiftung liege beispielsweise vor, wenn ein Topf auf dem Herd vergessen werde oder echte Kerzen einen Weihnachtsbaum in Brand setzten. Aber auch eine überlastete Steckdosenleiste, die einen Brand verursacht, gehöre in diese Kategorie, klärt Brettschneider auf. Der Brand begann vermutlich im ersten Stock des Hauses.

Das Wohnhaus am Spangerweg sei derzeit noch gesperrt – es handele sich um einen Tatort. Ein Sachverständiger werde jetzt genau überprüfen, inwieweit das Haus noch betreten werden darf. Auch Vertreter von Versicherungen benötigten Zugang zum Gebäude. Die Ermittlungen liefen weiter. So stünden zum Beispiel noch Zeugenvernehmungen an. Über allem stehe jetzt, den Menschen eine sichere Unterkunft zu bieten und für ihr wohl zu sorgen, sagte gestern Erste Stadträtin Ulrike Hund. Es sei Aufgabe der Stadt, für alle von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen. So halte die Stadt am Tannenwäldchen entsprechende Unterkünfte vor.

„Wir benötigen dringend eine etwa 50 Quadratmeter große Wohnung“, sagt Andreas Forst vom Melsunger Feuerwehrverein. Eine ältere alleinstehende Dame habe noch keine Bleibe. „Die Frau steht komplett mittellos da, sie hat alles verloren.“ Die Seniorin sei nicht motorisiert, eine gute Verkehrsanbindung wäre auch gut. Forst hat bei der Feuerwehr die Koordination der Hilfe übernommen. Gemeinsam mit dem Ordnungsamt werde jetzt das weitere Vorgehen besprochen. „Die Bewohner bitten, von Sachspenden abzusehen.“ Mit dem Nötigsten seien alle versorgt. Was zu einem späteren Zeitpunkt eventuell noch benötigt werde, erhebe er in Absprache mit den Betroffenen, sagt Ernst.

Ein junger Mann hatte am Samstag über soziale Netzwerke vom Brand mitbekommen: Daniel Schlack aus Lehrte bei Hannover kommunizierte mit einer der Bewohnerinnen des Mehrfamilienhauses. Er packte sogleich Hilfsgüter, Kleidung und Hygieneartikel in sein Auto und machte sich auf den Weg nach Melsungen. Auf dem Videoportal Tiktok ist Schlack bekannt als „Teamdennymitherz“. Gemeinsam mit der Stadt hat Schlack ein Spendenkonto auf den Weg gebracht – dies wird von der Stadt Melsungen verwaltet. Das Geld kommt den Opfern des Wohnhausbrandes zugute.

Das bestätigt Andreas Forst. Geldspenden seien natürlich willkommen, um insbesondere in der Akutphase den betroffenen Menschen zu helfen. Am Montagabend fand noch eine größere Einsatzbesprechung der Feuerwehr statt. Einsatzleiter und stellvertretender Stadtbrandinspektor Ansgar Knott zog ein positives Fazit. Die Wehrleute aus Adelshausen und Schwarzenberg hätten den Einsatz am Samstag um 18.30 Uhr beendet. Bis dahin flackerte immer mal wieder eine Zimmerdecke auf.

Entscheidend sei, alle Bewohner gerettet zu haben – mit Dreh- und Steckleiter. Für ein Sprungtuch sei am Haus zu wenig Platz gewesen, sagt Knott. Kontakt: Ordnungsamt unter Tel. 0 56 61/70 81 70 (Damai D. Dewert)

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