Laden steckt voller Geschichten

In Melsunger Münzladen geht’s zu wie bei Fernsehsendung Bares für Rares

Silber ist beliebt: Die Schwestern Anne Werner-Zilch (links) und Julia Kinnback handeln in ihrem Geschäft an der Melsunger Brückenstraße mit Wertsachen wie Taschenuhren und Schmuckdosen.
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Silber ist beliebt: Die Schwestern Anne Werner-Zilch (links) und Julia Kinnback handeln in ihrem Geschäft an der Melsunger Brückenstraße mit Wertsachen wie Taschenuhren und Schmuckdosen.

Eine Münzhandlung steckt voller Geschichten. Auch der Laden der Schwestern Anne Werner-Zilch und Julia Kinnback, der seit neun Jahren in Melsungen etabliert ist.

Melsungen – Bei ihnen geht es ein bisschen zu wie in der Fernsehsendung „Bares für Rares“. Auch bei „Münzen am Markt“, die in die Brückenstraße umgezogen sind, verstecken sich manche Geschichten hinter Schmodder und Patina.

So wie die eines unscheinbaren Pokals, mit dem ein Kunde vor einiger Zeit in die Münzhandlung kam. „Er sah aus wie ein alter Blumentopf“, berichtet Julia Kinnback. Sie putzte den Blumentopf und siehe da: Er entpuppte sich als Fliegerwaffen-Pokal aus dem Zweiten Weltkrieg. Dafür gebe es vielleicht 150 Euro, schätzen sie.

Aber als beim Polieren ein 800er-Silber-Stempel auftauchte, machten sich die Schwestern im Internet auf die Suche und fanden einen Händler aus Bremen, der dem Eigentümer 5000 Euro für den Pokal bot.

So wie der Kunde mit dem Silberpokal kommen die Meisten in den Laden der Münzen-Schwestern. In Schuhkartons, Kisten und Eimern bringen sie Dinge, die mal der verstorbenen Oma gehört haben oder beim Aufräumen im Keller oder auf dem Dachboden gefunden wurden oder jahrzehntelang in Opas altem Koffer lagen. Welchen Wert diese Dinge haben, können Anne Werner-Zilch und Julia Kinnback feststellen. Zwar ist die eine Diplom-Ökonomin und die andere Großhandelskauffrau, aber sie haben das Geschäft von ihrem Vater übernommen und mittlerweile viel Erfahrung im Bewerten, Schätzen und Begutachten.

In Sachen Taschenuhren holen sie sich gerne Rat und Tat von Melsunger Uhrmachern. Selbst kaputte Taschenuhr kaufen sie an, um Ersatzteile für die Reparatur zu haben. So konnte einmal einem älteren Herrn geholfen werden, der mit einer Taschenuhr in die Münzhandlung kam.

Auf der Rückseite waren neben der Jahreszahl 1848 die Namen seines Opa, seines Vaters und sein eigener eingraviert. „Er war ganz froh, dass die Uhr repariert werden konnte“, erinnert sich Julia Kinnbach.

Und weil jedes Stück eine Geschichte hat, „weinen und lachen wir mit den Kunden“, gesteht Anne Werner-Zilch. Wie mit der Frau, die von ihrem Mann verlassen wurde und den ganzen Schmuck verkaufte. Von dem Geld leistete sie sich einen tollen Restaurantbesuch und freute sich, dass der Ex-Mann das praktisch bezahlt hat. Dennoch: Diskretion wird in ihrem Metier großgeschrieben, deshalb auch das blickdichte Schaufenster an der Brückenstraße.

Viele Kunden bringen auch Teller und Becher aus Zinn. „Das hat zwar keinen großen Materialwert, kann aber eingeschmolzen werden“, sagt Anne Werner-Zilch, „dann kann man dem Material noch eine neue Chance geben.“ Zwei Drittel der angekauften Waren wird eingeschmolzen, sagt Anne Werner-Zilch. Ihr fällt es oft schwer, schöne, angekaufte Stücke weiterzuverkaufen. „Ich finde es aber schön, wenn sie in gute Hände kommen“, sagt ihre Schwester Julia.

Ihr Kerngeschäft sind natürlich Münzen. Und immer mehr Kunden fragen nach, ob man bei den Schwestern Goldmünzen als Wertanlage ankaufen können. Aber auch das Fritzlarer Finanzamt war schon Kunde und bot den Schwestern einen gepfändeten Cartier-Ring an. Der Erlös kam dem Steuersäckel zugute.

Und natürlich gehört auch der Klassiker Zahngold zum Geschäft. „Es kamen auch schon Kunden direkt von Zahnarzt“, erinnert sich Julia Kinnback. Da hing noch das Blut am vergoldeten Zahn samt Wurzel. (Von Claudia Feser)

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