Überwältigende Hilfsbereitschaft nach HNA-Artikel

Überwältigende Hilfbereitschaft für Flüchtlingsfamilie

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Ein Herz von Kindern für Kinder: Lucia Hofmann brachte am Samstag mit ihrem Mann Jürgen eine Kiste voller Spiele, Spielsachen und Plüschtiere in die Wohnung der Khumievs. Lucia Hofmann, die in der Betreuung der Christian-Bitter-Schule in Melsungen arbeitet, hatte mit einem Teil der über hundert Kinder, die in der Betreuung angemeldet sind, die Bestände der Einrichtung durchgeschaut und Sachen ausgewählt, die sie abgeben möchten.

Melsungen. Sprachlos vor Freude war die Familie Khumiev, als Melsunger am Samstag mit Sachspenden an ihrer Wohnungstür klingelten.

Die Familie hatte am 8. Dezember ihre einzige und jüngste Tochter im Alter von sieben Monaten durch den plötzlichen Kindstod verloren. Die HNA hatte einen Spendenaufruf gestartet. Über 50 Anrufer meldeten sich daraufhin in der HNA-Redaktion Melsungen und boten Hilfe an. Dolmetscherin Tatjana Turjanica zeigte sich überwältigt von der Hilfsbereitschaft. Sie war über das Beerdigungsinstitut mit der Familie in Kontakt gekommen und verständigt sich mit den Khumievs auf Russisch. Sie steht der tschetschenischen Flüchtlingsfamilie seit dem tragischen Tod der Tochter zur Seite. „Der Schmerz bleibt für immer“, sagt sie mit Blick auf die trauernde Familie.

Der vierjährige Jasin kann seine Begeisterung nicht verbergen, als es am Samstagvormittag an der Tür klingelt und die Geschwister Paula (9) und Rasmus (6) aus Melsungen ein kleines Konvolut an Baufahrzeugen, Traktor und Spielen als Geschenk mitbringen. Als sie von der tragischen Geschichte in der Zeitung lasen, „meinte Rasmus, dass er etwas abgeben und selber vorbeibringen möchte“, erzählt seine Mutter.

Ein paar Minuten später sitzen die Kinder beisammen und spielen miteinander, Paula zeigt dem vierjährigen Jasin, wie das Spiel „Lotti Karotti“ funktioniert. Henning Laabs Mutter bringt am Vormittag im Namen ihres Sohnes Esszimmerstühle, die Jutzis aus Schwarzenberg Kinderkleidung, aus denen ihre Söhne herausgewachsen sind. Sie gebe die Sachen gerne ab, erzählt die B.Braun-Mitarbeiterin Anja Jutzi.

Kurz nach 11 Uhr kommt die Melsungerin Sandra Hruby. Sie bringt Kinderkleidung und Spielzeug und fragt nach der Schuhgröße der Kinder. Günter und Elli Pfeiffer stellen Tüten mit Handtüchern in den Flur und bieten zwei große Teppiche an. „Eine Frau sagte, sie haben den Artikel in der HNA gelesen und geweint. Da habe sie beschlossen, dass es die Familie Khumiev zuhause auch gemütlich haben soll und Sachspenden gebracht“, sagt die Dolmetscherin.

Mobiliar

„Wir bringen Spielsachen von der Christian-Bitter-Schule“, berichtete Lucia Hofmann, Mitarbeiterin der Betreuung der Melsunger Grundschule, die mit einem Teil der über 100 angemeldeten Kinder die Spielzeug-Bestände durchgeforstet hatte nach Sachen, die die Kinder abgeben wollen. Auch privat boten die Hofmanns den Khumievs Mobiliar an.

Rückblende: Nach dem Mittagsschläfchen hatte die 30-jährige Zaira Khumiev ihre so lange gewünschte Tochter leblos im Bettchen gefunden. Obwohl die kleine Jasmina mit dem Rettungshubschrauber sofort ins Klinikum Kassel geflogen wurde, konnte sie nicht gerettet werden. Nach zwei Tagen schalteten die Ärzte die Maschinen für die künstliche Beatmung ab.

Den Eltern trauern sehr. Auch die Dolmetscherin Tatjana Turjanica ist berührt von dem tragischen Ereignis. Sie half ihnen bei den Formalitäten, brachte selbst Kindersachen ihrer 14 und sieben Jahre alten Kinder, holte nach dem Unglück Farbe aus dem Baumarkt und half beim Renovieren des Wohnzimmers.

Von Alexandra Lache-Elsen

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