Prozessurteil

Versuchter Mord: Sieben Jahre Haft für Angeklagten aus Schwalm-Eder-Kreis

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Ím Landgericht Kassel wurde ein 25-Jähriger wegen des versuchten Mordes, versuchter räuberischer Erpressung zu sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Hohe Strafe für versuchten Mord: Das Landgericht Kassel hat einen Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Wegen des versuchten Mordes, versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung sowie gefährlicher Körperverletzung hat die 10. Strafkammer des Landgerichts Kassel einen 25 Jahre alten Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt. 

Er muss die Kosten des Verfahrens tragen und zwei Jahre in eine Entziehungsanstalt. 

Der Haftbefehl bleibt, weil Fluchtgefahr besteht

Der am 10. September 2018 am Tag nach dem Raubüberfall auf eine Tankstelle in Melsungen erlassene Haftbefehl bleibt bestehen, weil Fluchtgefahr nicht ausgeschlossen sei. 

Das erklärte der Vorsitzende Richter Winter während der einstündigen Urteilsverkündung.

Der arbeitslose 25-Jährige war angeklagt, weil er dem 36 Jahre alten Tankstelleneigentümer mit einem Messer mit 21 Zentimeter langer Klinge vier Stich- und Schnittverletzungen zugefügt und „ohne Rücksicht auf Verluste“ gehandelt habe, wie der Richter betonte. 

Nach seinen Worten hatte der Beschuldigte 15 000 Euro Schulden. Hinzu seien weitere 1500 Euro Schulden aus Drogengeschäften gekommen. Er sei unter Druck gesetzt worden mit der Drohung, man werde ihn verletzen, wenn er nicht zahle. Für den Überfall habe er sich die Tankstelle ausgesucht, weil diese nah gelegen und gut erreichbar gewesen sei. 

Der Überfallene habe den Beschuldigten zu Boden drücken können, ihm das Messer entwendet und ihn gefesselt. So übergab er ihn der Polizei.

Angeklagter zeigte Reue

Der Richter hob hervor, dass der Angeklagte von Anfang an gesagt habe, die Tat tue ihm leid. „Er war in vollem Umfang schuldfähig“, sagte Winter. Der Täter habe alles gestanden, sich entschuldigt und Reue gezeigt. 

Der Angeklagte, der das Opfer „nicht konkret lebensgefährlich verletzt“ habe, habe erhebliche psychiatrische Probleme. Es sei versuchter Mord, weil er „mit bedingtem Tötungsvorsatz“ und aus Habgier gehandelt habe. Der Richter sprach von erkennbar gefährlichem Handeln. „Für das Opfer war sehr viel Glück im Spiel“, sagte der Richter. 

Der Angeklagte habe sich wegen der Drogenschulden in einer Zwangssituation gefühlt, sagte der Richter und rief dem Beschuldigten zu: „Die Alternative wäre gewesen, wegen der Drogenschulden zur Polizei zu gehen.“ 

Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei erforderlich, weil der Hang bestehe, Betäubungsmittel im Übermaß zu konsumieren. Ohne Therapie bestehe die Gefahr, dass wieder Straftaten begangen würden. 

Viele Verletzungen aber nur oberflächlich

Der 25-Jährige habe gute Chancen auf eine mögliche Umkehr zum Positiven, sagte der Richter mit geradezu verbindlichen Worten: „Sie haben alle Möglichkeiten, den Turnaround zu schaffen.“ 

Das Urteil ermögliche sogar eine schnellere Entlassung.

Oberstaatsanwalt Matthias Grund hatte eine Freiheitsstrafe von neun Jahren beantragt. Pflichtverteidiger Nils Weigand beantragte maximal vier Jahre, weil kein Tötungsvorsatz und kein versuchter Mord vorliegen. 

Der Anwalt zitierte den Rechtsmediziner Professor Dr. Dettmeyr von der Universität Gießen: 

„Bei der Vielzahl der Verletzungen kann ich mit Vorsicht sagen, dass im Handeln nicht der Wille da war, den anderen schwer zu verletzten. Die Verletzungen waren alle nur oberflächlich.“

In seinem letzten Wort sagte der Angeklagte, die Tat sei ein großer Fehler gewesen. Er entschuldige sich. Er wolle Karosseriebauer werden, sagte er.

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