Erschließung von 60 Grundstücken

Schwalmstädter Immobilienunternehmer äußert Kritik an Melsunger Baugebiet

Baugebiet der Stadt am Huberg.

Bauland ist in Melsungen Mangelware. Im neuen Baugebiet der Stadt am Huberg kostet der Quadratmeter der elf Parzellen 185 Euro.

Größer und günstiger wollte der Schwalmstädter Immobilienunternehmer Eberhard Unger ein Baugebiet am Huberg erschließen – aber die Melsunger Politik war mehrheitlich dagegen. Das war 2015. Unger wollte sieben Millionen Euro in die Erschließung von 60 Grundstücken investieren – für 135 Euro pro Quadratmeter.

Die 50 Euro Differenz wundern den Geschäftsmann: „Die Stadt hat deshalb höhere Erträge“, sagt er. Melsungens Bauamtsleiter Martin Dohmann hatte den hohen Quadratmeterpreis mit den deutlich gestiegenen Baukosten begründet. Laut Unger seien die Kosten für Asphalt zwar 28 Prozent teurer als im Vorjahr: „Ich hätte die gestiegenen Preise nicht an die Kunden weitergegeben, sondern sie selbst getragen.“

Es gab starken Protest einer Bürgerinitiative, und die Mitglieder von SPD, FDP, Grünen und FWG hatten damals im Stadtentwicklungsausschuss erklärt, die Ausweisung eines großen Neubaugebiets nicht für erforderlich zu halten – bevor Investor Unger sein Konzept überhaupt vorstellen konnte. Da hatte er nach eigenen Angaben bereits 60 000 Euro in die Planung investiert. „Melsungen ist nicht in der Lage, ein homogenes Wohnbaugebiet für junge Leute zu schaffen, und die Stadt ist im Bereich Baugebiete nicht sehr familienfreundlich.“ Dabei sei das Gelände am Huberg ein Filetstück. Unger: „Es ist unverständlich, warum dieser Keil zwischen den Wohngebieten nicht bebaut wird.“ Schließlich sei eine so große Erweiterungsfläche für den benachbarten Friedhof wegen des Trends zur Urnenbestattungen nicht mehr nötig. Unger hatte für ein Areal von 58 000 Quadratmeter Kaufverträge mit den fünf Grundstückseigentümern geschlossen – die mussten nach der politischen Ablehnung rückabgewickelt werden. Sein Fazit: „Andere Kommunen würden sich freuen, wenn ein Investor kommt.“ Fronten waren verhärtet

Für Volker Wagner von der SPD-Mehrheitsfraktion im Melsunger Parlament steht es „außer Frage“, dass der Huberg auch damals schon weiter bebaut werden sollte. Auf Nachfrage der HNA, dass es vor vier Jahren doch einen potenziellen Investor gegeben hatte, sagte er: „Das ist Spekulation.“

Gleichwohl räumt er ein: Ein Landwirt habe damals mit einem Investor gesprochen, aber nicht mit der Politik. Die SPD habe keinen Kontakt zu diesem Investor aufgenommen, teilte er auf Nachfrage mit. Auch habe die Vorstellung eines Konzepts durch einen Investor nicht auf der Tagesordnung im Stadtentwicklungsausschuss gestanden. Fakt ist: Unger hatte bereits Kaufverträge mit fünf Grundstückseigentümern geschlossen. Bei der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 12. Oktober 2015 stand unter Tagesordnungspunkt 153: Entwicklung Baugebiet Huberg – Vorstellung der Planung durch Büro GEG, Schwalmstadt.“ Die Grundstücks-Entwicklungs-Gesellschaft Schwalm-Eder mbH (GEG) kauft Baulandflächen in Nordhessen auf und entwickelt diese Flächen zu Wohngebieten und gehört zur Unger Immobiliengruppe.

Trotz mehrheitlicher Ablehnung im Stadtentwicklungsausschuss setzte sich die CDU weiter für die Vorstellung des Unger-Konzepts ein und stellte einen entsprechenden Antrag für die Stadtverordnetenversammlung am 4. November 2015.

Bernhard Lanzenberger, bis 2016 CDU-Fraktionsvorsitzender, ärgerte sich schon damals, dass der Investor sein Vorhaben nicht präsentieren konnte. „Mit einem Investor gemeinsame Sache zu machen, kam damals nicht gut an“, erinnert sich Lanzenberger heute. Die anderen Fraktionen äußerten bezüglich des Ausbaus Bedenken. „Das hätten wir mit einem Bebauungsplan aber regeln können“, sagt Lanzenberger. Die Fraktion der Grünen war damals indes wegen der Flächenversiegelung gegen den Ausbau. Der Antrag wurde abgelehnt. Die Argumente der SPD, geäußert in der Stadtverordnetenversammlung im November 2015, zielten in Richtung kein Bedarf und der Vermeidung von Leerstand in bestehenden Baugebieten.

„Viele Argumente hielten wir für vorgeschoben“, sagt Lanzenberger. Wegen des knappen Baulandes seien die Preise in Melsungen künstlich hochgehalten worden. Die Lösung, die 2015 bei all den Diskussionen um Baugebiete herauskam, das Schwarzenberger Modell, halte er nicht für ausgereift. Die Bauwilligen müssen für Grundstück und Erschließung in Vorleistung gehen. Seines Wissens sei der Endausbau in Schwarzenberg aber teilweise immer noch nicht fertig.

Mit dem Investor hätte das damals wahrscheinlich deutlich günstiger und reibungsloser für alle Beteiligten abgewickelt werden können.

„Wenn ich jetzt sehe, dass es 150 Bewerber für die Grundstücke am Huberg gegeben hat, wünsche ich mir, wir hätten das damals so gemacht.“ Die Verteufelung des Investors, so habe er es empfunden, halte er für unverständlich.

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