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Melsunger Kabarettist Bernd Köhler hat ein neues Alter Ego

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Im Schwarzenberg-Theater: Udo Krüger (von links), Bernd Köhler und Marie Theres Modes treten auf.
Im Schwarzenberg-Theater: Udo Krüger (von links), Bernd Köhler und Marie Theres Modes treten auf. © Hannelore Braun

Wenn jemand etwas von Zeit versteht, dann ist es Bernd Köhler. Der Melsunger Kabarettist tritt seit mehr als 40 Jahren als Hausmeister Justus Riemenschneider und nordhessischer Grantler auf.

Schwarzenberg – Er kommentiert mit scharfem Blick und loser Zunge das Weltgeschehen. Jetzt kehrt er in seinen eigentlichen Beruf zurück: Als Uhrmacher, der er auch im richtigen Leben ist, präsentiert er sein neues Programm „Übber de Zeit“, das am Montag im Schwarzenberg-Theater seine Generalprobe hatte.

Köhler beschreibt die nordhessische Zeit so: „Als Uhrmacher mach ich mir so meine Gedanken. Schomma ist die Vergangenheit. Jetze ist die Gegenwart. Bis es wedder mal so basst, ist in Zukunft.“

Nach zwei Jahren Corona-Pause stellt Köhler zudem augenzwinkernde Betrachtungen zu Problemen mit der Zeit an. Ihm zur Seite stehen Marie Theres Modes als quengelnde Zeitmanagerin und Udo Krüger, der für die Musik zuständig ist und mit Liedern von Pop bis Rock zum Thema Zeit wie „Kein Schwein ruft mich an“ und „Yesterday“ von den Beatles das Publikum zum Mitsingen brachte.

Historische und schräge Erläuterungen zur Zeitmessung von der Sanduhr über die Kirchturmuhr bis zur Greenwich-Zeit wechselten sich ab mit Szenen aus einer durchgetakteten Arbeits- und Lebenswelt, gab Riemschneider aus grantelnder nordhessischer Sicht wieder.

Weil die Dinge der Welt auch bedrückend und ernst sind, gibt es dazu Szenen, die nachdenklich stimmen. So trat Köhler als Postbote auf und beleuchtete die braune Vergangenheit und die Gegenwart. Von Stolpersteinen für Juden und ihre Deportation in Konzentrationslager, „rückblickend waren ab 1945 die Deutschen im Widerstand“, bis zum Jetzt, wo Montagsspaziergänge der Reichsbürger stattfinden. Dazu gab es Musik von Udo Krüger: „Irgendwo auf der Welt gibt‘s ein bisschen Seligkeit.“

Regie führte Rolf Römer. Er berichtete, dass rund zweieinhalb Jahre wegen Corona am Programm gefeilt wurde. „Wir machen außer örtlichem Bezug, der lustig ist, auch ein politisch anspruchsvolles Programm“, sagt er.

Besuchten die Generalprobe: (von links) Dörte und Michael Carjell, Dieter Horn, Doris Köster und Bärbel Hase.
Besuchten die Generalprobe: (von links) Dörte und Michael Carjell, Dieter Horn, Doris Köster und Bärbel Hase. © Hannelore Braun

Beklatscht wurden auch Sketche und Betrachtungen zu Nordhessen, das sich mutig, sprachlich angemessen, selbstbewusst, aber originell durch die Zeitläufe kämpft und hoffnungslos in die moderne Computer- und Handywelt verstrickt. „So ist mein mechanischer Wecker nicht alt, sondern nachhaltig, und Schwarzenberg ist das schönste Dorf in Nordhessen“, sagt der Kabarettist.

„Wir haben uns unheimlich gefreut, dass es wieder losgeht“, sagt Michael Carjell aus Remsfeld. „Ich hatte keine Vorstellung davon, was mich erwartet“, sagt Besucher Martin Hardieck aus Kassel. „Es ist nachdenklich, nicht ganz so leichte Kost.“ Esther Gehrke sagt: „Das Stück lebt von wenigen Charakteren, man erkennt die Strömungen, die Moderne und die Vergangenheit. Die Musik ist ausbalanciert.“

„Je leichter es aussieht, umso schwieriger ist die Arbeit“ erklärt Köhler. „Wir spielen für einen guten Zweck“, sagt seine Ehefrau Christiane Köhler. Sie unterstützen die Synagoge in Felsberg.

Termine: Aufführungen sind ab dem 7. September mittwochs und freitags ab 19.30 Uhr. Weitere Termine: 19. und 21. Oktober, 2., 4., 9., 11., 16., 18., 23. und 25. November. Einlass nur mit aktuellem Impfnachweis.

Karten für 22 Euro gibt es telefonisch unter 0 56 61 / 5 36 66 (Montag, Dienstag und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr). Keine Abendkasse. Kartenabholstelle ist das Kurhessenlädchen in Melsungen. (Hannelore Braun)

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