Schwarzstörche im Riedforst: Heimlicher Gast am Bach

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Im Riedforst zwischen Melsungen und Hessisch Lichtenau gibt es nicht nur Wildschweine und Rehe, sondern auch Schwarzstörche. Im Sommer 2019 haben drei Paare gebrütet. Die Standorte der Horste sind geheim, denn der Schutz der scheuen, seltenen Vögel hat oberste Priorität, sagt Forstamtsleiterin Petra Westphal.

Der Schwarzstorch ist das seltenste Tier im Revier von Förster Rolf Strieder. Und doch ist im Riedforst, also im Wald zwischen Melsungen und Hessisch Lichtenau, die Population so hoch wie nirgends sonst im Forstamt Melsungen: Drei Brutpaare gab es in diesem Sommer. Wo genau sich die Nester der Tiere, die Horste genannt werden, befinden, verrät Strieder nicht. Denn der Schutz des schwarz gefiederten Storchs hat oberste Priorität.

Um die Horste gibt es eine Schutzzone: Im Umkreis von 300 Metern passiert nichts, kein Baumeinschlag, keine Aufforstung. Alles bleibt so, wie der Schwarzstorch es kennt. Denn nur dann besteht die Möglichkeit, dass der scheue Waldbewohner im Frühjahr, nach seiner Reise aus dem Winterquartier in Ostafrika, wieder in den Riedforst zurückkehrt und brütet.

Eigentlich sind die Störche brutplatztreu, das heißt, sie brüten in dem Horst, wo sie im Vorjahr Junge aufgezogen haben. „Bei unseren Schwarzstörchen ist das aber nicht so“, weiß Förster Strieder. Die Männchen kommen ein, zwei Wochen früher zurück und suchen geeignete Plätze für die Horste.

Knorrig müssen die Buchen und Eichen sein, alt und hoch. Auf mehreren dicken Seitenästen unterm Kronendach wird dann das schwere Nest gebaut, das bis zu anderthalb Meter Durchmesser haben kann.

Vor 15 Jahren hatte Förster Strieder zusammen mit der Staatlichen Vogelschutzwarte Frankfurt versucht, Schwarzstörche mit einem künstlichen Nest anzulocken. Ein Gestell aus dicken Rundhölzern wurde mit Reisig präpariert – aber es blieb leer. Zu speziell sind die Kriterien für den Schwarzstorch: Die Anflugschneise muss stimmen, ebenso ein Nahrungsbiotop aus Tümpeln, Bachläufen und Stillgewässern muss in bis zu sieben Kilometer Nähe sein, denn so weit ist der Aktionsradius für die Nahrungssuche.

Vor wenigen Wochen hat Rolf Strieder einen Altvogel an der Esse beim Fischen gesehen. Kurze Zeit später dann einen Jungvogel, der bei Schnellrode auf Mäusejagd war. Das waren die einzigen beiden Male, dass der Förster einen Schwarzstorch in diesem Jahr gesehen hat.

Seine Verwandten, die Weißstörche, sind in der Region öfter zu sehen – auch weil sie „Kulturbewohner“ sind und nahe von Menschen brüten, auf Schornsteinen und Hausdächern. Der Schwarzstorch lebt scheu im Wald und gilt als „Kulturflüchter“.

Dort hilft ihm sein schwarzes Federkleid bei der Nahrungssuche, speziell im Wasser: „Seine schwarzen Federn spiegeln sich nicht im Wasser“, berichtet Strieder, „so kann ihn die Beute nicht sehen.“

Nicht nur deshalb nennt ihn Strieder „den heimlichen Vogel“. Er ist da und doch so gut wie nie zu sehen – „und wenn, dann braucht man ein geschultes Auge, um ihn zu erkennen“. Aber wenn Strieder dann doch mal einen entdeckt, dann ist der erfahrene Förster hin und weg („Dann hüpft mein Herz.“): „Es ist was ganz Tolles, einen Schwarzstorch im Flug zu sehen“, sagt Strieder, „ganz majestätisch und elegant“.

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