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Selbstversuch: Nachtwanderung vom Wolfsgebiet nach Melsungen

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Von: William-Samir Abu El-Qumssan

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In der Nacht zum Samstag zeigte sich gegen Mitternacht der Vollmond, um die Wanderwege auszuleuchten.
In der Nacht zum Samstag zeigte sich gegen Mitternacht der Vollmond, um die Wanderwege auszuleuchten. © Fabian Lenz

Die Melsunger Tourist-Info bietet geführte Nachtwanderungen von der Metzebacher Höhe bis nach Melsungen an. HNA-Redakteur William Abu El-Qumssan hat die Route ausprobiert.

Spangenberg/Melsungen – Samstag. 0.01 Uhr: Fünf Stirnlampen leuchten irgendwo im Wald in der Nähe von Elbersdorf. Leises Gemurmel, schwere Schritte, es tropft von den Bäumen. Die Leuchtkegel zeigen plötzlich in Richtung Himmel – und erlöschen. Vollmond.

Wandern ist im Kreisteil Melsungen vielerorts möglich. Doch wie ist es eigentlich, diese Wege bei Nacht zu wandern?

„Wolfsgebiet!“: HNA-Redakteur William Abu El-Qumssan steht am Startpunkt der Wanderung, der Metzebacher Höhe, wo jüngst Wölfe nachgewiesen wurden.
„Wolfsgebiet!“: HNA-Redakteur William Abu El-Qumssan steht am Startpunkt der Wanderung, der Metzebacher Höhe, wo jüngst Wölfe nachgewiesen wurden. © Bodo Wiethardt

Wanderung beginnt im Wolfsgebiet

Beginn der etwa 22 Kilometer langen Tour ist auf der Metzebacher Höhe. Gegen 20 Uhr war es noch hell. Das Cinema Natura würde zum Bestaunen eines schönen Sonnenuntergangs einladen, doch an dem verregneten Freitag vergangene Woche gab es für die Sonne leider kein Durchkommen.

Schilder mit der Aufschrift „Wolfsgebiet!“ brachten eine gewisse Anspannung mit sich. In den Wäldern um Spangenberg und besonders an der Grenze zum Landkreis Hersfeld-Rotenburg werden regelmäßig Wölfe nachgewiesen.

Immer den Schildern des Wanderweges X3 nach: So begann die Tour mit unbewusst strammem Schritt, als wäre ein Wolf ganz in der Nähe.

Statt Wölfen sah die Gruppe Rehe und Hasen in der Dämmerung

Die Tierwelt zu erleben war einer der Gründe, diese Tour zu unternehmen. Wenn auch eine Begegnung mit Wölfen nicht ganz oben auf der Liste der Tiersichtungen stand. Früh kam die Gruppe auf ihre Kosten: Mehrere Rehe tummelten sich auf einer Lichtung, auf der früher mal viele Fichten standen. Auch ein Feldhase hoppelte über den Weg.

Andere Menschen? Fehlanzeige. Das gab der Tour das gewisse Extra. Ein Gefühl, des Allein-auf-sich-gestellt-Seins. Immer wieder kleinere Regenschauer nährten das Gefühl. Die Sinne waren geschärfter, jedes Knacken und Rascheln im Unterholz wurde mit starrem Blick taxiert.

Und nach etwa zwei Stunden Laufzeit wurde auch jede Richtung, aus der ein Geräusch kam, mit dem Licht der Stirnlampen angestrahlt.

Regen machte jede Pause zunichte

Die Wanderwege des Ars Natura führen die fünf Wanderer nach Spangenberg. Rast am Liebenbachdenkmal, bei der um 23 Uhr die Straßenlaternen ausgingen. Nun war es wirklich Nacht.

An eine entspannte Pause war in dieser Nacht aber nicht zu denken. Starke Regenfälle prasselten über Spangenberg herab. In Richtung Elbersdorf ging es aus der dunklen Stadt zurück in den noch düstereren Wald.

Mit den Stirnlampen ließen sich während der Wanderung stimmungsvolle Motive erzeugen.
Mit den Stirnlampen ließen sich während der Wanderung stimmungsvolle Motive erzeugen. © Fabian Lenz

Pünktlich um Mitternacht zeigte sich der Vollmond

Gerade als der Verdruss über den Regen überhandnehmen wollte, flauten die Regenströme langsam ab. Und plötzlich wurde es hell. Die Gruppe blieb stehen, mit Blick zum Himmel.

Der Vollmond, von düsteren Wolken umspielt. Eine Szenerie, wie man es sonst nur aus Dokumentationen kennt. Einer nach dem anderen knipste die Stirnlampe aus. Schweigen. Nur die Tropf-Geräusche von den Blättern erfüllten die Nachtluft.

Keiner musste es sagen, ein kollektives „Dafür-hat-es- sich-gelohnt“ lag in der Luft. Für etwas mehr als 30 Minuten war der Mond genug, um die Wege auszuleuchten. So kam auch keine der Erdkröten zu Schaden, die über die Wanderwege hüpften.

Skulpturen am Wegesrand sorgen für Schreckmomente

Auch ein paar Schreckmomente hatte das Wandern bei Nacht parat. Einige der Skulpturen der Ars-Natura-Stiftung mutierten im Stirnlampenschein zu grotesken Fratzen.

Die Stimmung wurde untermalt von Eulenrufen, vermutlich Waldkäuze. Bei einer letzten Rast im Schlangenhäuschen kurz vor Melsungen lauschten die fünf Wanderer den Rufen der Nachtvögel in völliger Dunkelheit.

Trotz des Wetters war die Wanderung ein Highlight

Mehr Natur geht nicht. Bei Nacht erleben Wanderer Momente, für die es sich lohnt, auch mal nass zu werden. So intensiv nah kommt man der heimischen Tierwelt und Natur nur selten bei Tag. (William Abu El-Qumssan)

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