Auf der Jagd nach Fischen 

Seltener Eisvogel sucht in Melsungen nach Beute

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Erwischt: Mike Lauer aus Bad Zwesten-Wenzigerode hat diese Fotos vom Eisvogel am Melsunger Fulda-Ufer aufgenommen. „Ein Kollege, der hier immer mittags spazieren geht, hat mir den Tipp gegeben, dass hier ein Eisvogel unterwegs ist.“ Das Foto eines Eisvogels sei ein großer Wunsch des Hobbyfotografen gewesen.

Wer den seltenen Eisvogel am Melsunger Fulda-Ufer erwischen will, muss sich beeilen. Durch das Begradigen der Flüsse sind ihm viele Brutplätze genommen worden.

Wer häufig am Fulda-Ufer in Melsungen spazieren geht, dem ist er in den vergangenen Wochen vielleicht begegnet: Ein blau schillernder, kleiner, scheuer Vogel, der schrill pfeift. Ein Eisvogel. 

Der hat nämlich den Bereich zwischen Schlossbrücke und Freundschaftsinsel zu seinem Winterquartier auserkoren und jagt dort fleißig nach Beute. Wer den seltenen Vogel beobachten will, sollte sich allerdings sputen, weiß Vogelexperte Joachim Reinhardt aus Elbersdorf.

Der Brutplatz

Denn mit den ersten warmen Tagen wird sich der Eisvogel, der auch als fliegender Edelstein bezeichnet wird, wohl bald einen Brutplatz suchen. „Es kann sein, dass er schon in ein oder zwei Wochen von hier wegzieht“, sagt Reinhardt. Denn dort, wo er gerade die Fische aus der Fulda holt, gebe es keinen geeigneten Ort, an dem er brüten könne. „Die brauchen ein Steilufer direkt am Wasser. Dort bauen sich die Vögel eine Brutröhre.“ Und die sei etwa einen Meter tief und etwas schräg, damit es nicht hineinregnen kann.

An der Pfieffe und der Esse beispielsweise gebe es geeignete Plätze. Die Flüsse seien wesentlich kurvenreicher als die Fulda. In den Kurvenbereichen bilden sich durch das Wasser, das gegen die Uferzone schlägt, solche Steilhänge, die der Eisvogel zum Nisten brauche. Durch das Begradigen der Flüsse seien dem Eisvogel viele Brutplätze genommen worden. Mittlerweile beginne glücklicherweise vielerorts die Renaturierung, sagt Reinhardt.

Das Jagdrevier

Dass sich der Eisvogel, bei dem es sich um ein Männchen handelt, zwischen Schlossbrücke und Freundschaftsinsel aufhält, ist kein Zufall. Denn im ruhigen Altarm der Fulda findet er Nahrung. „Der Bereich bietet dem Vogel optimale Bedingungen zur Nahrungssuche.“ Der Eisvogel jagt nämlich an stehendem oder sanft fließendem Gewässer und sitzt zur Beobachtung der Fische auf Ästen, die sich direkt über dem Wasser befinden. „Und davon gibt es dort reichlich.“ Hat der Vogel einen Fisch entdeckt, der ins Beuteschema passt, stürzt er sich senkrecht ins Wasser. Er gehört zu den Stoßtauchern.

Die Nahrung

Vier bis sieben Zentimeter groß sind die Fische, die er aus der Fulda holt. „Größere holt er sich manchmal auch, aber das ist eher die Ausnahme“, sagt Reinhardt. Große Fische haue der Eisvogel mit dem Schnabel gegen Äste, bis sie tot sind. „Das sieht teilweise richtig kriminell aus.“ Damit sich die Schuppen der Fische beim Schlucken nicht nach oben stülpen und der Eisvogel daran erstickt, lässt er den Fisch immer mit dem Kopf zuerst im Schlund verschwinden. Nach diesem Prinzip wird auch der Nachwuchs gefüttert.

Der Bestand

Bei seinen Vogelbeobachtungen stoße Reinhardt öfter auf den Eisvogel. „Aber er ist nicht häufig.“ Von den 5000 bis 6000 Brutpaaren, die es etwa in Deutschland gebe, lebten etwa 400 bis 450 in Hessen. In besonders kalten Wintern, in denen die Gewässer zufrieren, ziehe der Eisvogel weg, um an offenem Wasser nach Nahrung zu suchen. „Dann gibt es regelrechte Bestandseinbrüche.“

Joachim Reinhardt (50) ist Ranger und Falkner im Nationalpark Kellerwald-Edersee.

Als Standvogel bleibt er bei geeignetem Nahrungsangebot aber das ganze Jahr über in einem Gebiet. Dass es sich gar um mehrere Eisvögel handelt, die an der Schlossbrücke unterwegs sind, glaubt der Experte nicht. Die Vögel seien Einzelgänger. Seit 30 Jahren beobachte der Elbersdorfer nun schon Vögel, und nur ein einziges Mal habe er zwei Eisvögel an einem Ort gesehen.

Die Anpassungsfähigkeit

Man könne sich aber durchaus glücklich schätzen, wenn man überhaupt mal einen Eisvogel zu Gesicht bekomme. „Er lebt sehr zurückgezogen.“ Ob ihn die Spaziergänger und Radfahrer an der Fulda gar nicht stören? „Der arrangiert sich. Das Nahrungsangebot ist wohl so gut, dass er mit der menschlichen Nähe leben kann“, sagt Reinhardt. Sollte ihm der Trubel doch mal zu viel werden, dann hat der Eisvogel dort viele Rückzugsmöglichkeiten: Büsche, Totholz und das Schwemmgut unter der Schlossbrücke nutzt er als Versteck vor neugierigen Blicken auf sein buntes Federkleid. „Ein super Biotop. Nicht nur für den Eisvogel.

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