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Betrugsversuch in Melsungen – Mehr als 60 Fälle im Landkreis

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Von: Damai Dewert

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Raffiniertes Vorgehen: Die Telefonbetrüger arbeiten aus hochprofessionellen Callcentern heraus, meist aus dem Ausland. Die älteren Menschen werden am Telefon regelmäßig unter Druck gesetzt.
Raffiniertes Vorgehen: Die Telefonbetrüger arbeiten aus hochprofessionellen Callcentern heraus, meist aus dem Ausland. Die älteren Menschen werden am Telefon regelmäßig unter Druck gesetzt. © Sebastian Gollnow/DPA-Bildfunk

Eine 83-Jährige aus Melsungen wurde über Stunden von falschen Polizisten am Telefon ausgefragt und fiel nicht auf den Betrugsversuch herein und verständigte die Polizei.

Melsungen – Eine aufmerksame 83-Jährige fiel nicht auf einen Betrugsversuch falscher Polizisten herein. Die Melsungerin wurde über Stunden von einer vermeintlichen Oberkommissarin ausgefragt, wich dieser jedoch immer wieder aus und stellte ihrerseits Gegenfragen. Schließlich brach sie das Telefon ab und verständigte die Polizei in Melsungen.

Alles richtig gemacht, konstatiert Lars Ebert von der Kriminalpolizei in Homberg. Leider hatten die Täter allerdings erst Erfolg gehabt, berichtet der Kriminalbeamte. Die Betrüger erbeuteten bei einem Spangenberger 8500 Euro.

Immerhin 65 angezeigte Versuche gebe es allein bei der Masche der falschen Polizisten im Landkreis – viermal sei es sogar zu einer Übergabe des Geldes gekommen, die Täter anschließend entkommen.

Der Anruf

Im Fall der 83-jährigen Melsungerin meldeten sich eine junge Frau. Im Display des Telefons war die Nummer 0 56 22/9 91 10 zu sehen. Die Nummer ist der Fritzlarer Polizei sogar ähnlich: 0 56 22/9 96 60. Spoofing nennt die Polizei das Vortäuschen einer Rufnummer.

Die Masche

Der Melsungerin wurde erzählt, zwei Täter seien in ihrer Gegend auf der Flucht und sie sei in Gefahr. Dann wurde die Seniorin weiterverbunden an eine vermeintliche Oberkommissarin. „Diese Dame hat dann behauptet, ich hätte ja viel Geld im Haus“, aber das ist ja totaler Quatsch“, sagt die Seniorin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Die falsche Polizistin habe dann weitere Fragen gestellt. Das sei ziemlich raffiniert gewesen. „Die wollten mich so richtig aushorchen.

Wie und wo ich zum Beispiel Geld abhebe, ob ich ein Sparbuch hätte, mit wie viel Geld drauf und ob das auch gut versteckt wäre.“ Sie habe das Spiel mitgespielt, aber ohne konkret zu werden und habe ihrerseits viele Fragen gestellt, sagt sie. Als Nächstes seien dann Fragen zum Schmuck gekommen. Die Dame hat behauptet, ich hätte doch Goldschmuck zu Hause. „Da habe ich gelacht und gesagt, der liegt sicher im Tresor bei der Bank.“ Es sei immer so weiter gegangen.

Dann wollten die Täter Komplizen vorbeischicken, die mein Haus überprüfen. „Ich wurde gefragt, ob meine Fenster und Türen sicher seien und wie diese denn geschützt wären. „Dann äußerten die falschen Polizisten den Verdacht, die Bankmitarbeiter würden auch mit drinstecken.“

Die Polizei bittet darum, keine Wertgegenstände herauszugeben und Telefonnummern zu überprüfen

Irgendwann sei es ihr dann zu blöd geworden und sie habe gesagt, jetzt die Polizei in Melsungen anzurufen und habe aufgelegt.

Die Geschichten ähnelten sich grundsätzlich, sagt Lars Eber von der Kripo. Unter dem Vorwand flüchtender oder verhafteter Täter bitten vermeintliche Polizisten um Herausgabe von Wertgegenständen. Die Fülle der Fälle bei denen es beim Versuch geblieben sei, zeige aber auch, dass die Präventionsarbeit funktioniere. Oft würden die Opfer in stundenlange Gespräche verwickelt und so mürbe gemacht, berichtet Ebert. Ein älterer Herr aus Fritzlar habe jüngst bei einem Rückruf der Betrüger nicht auflegen dürfen. So schlössen die Täter unter anderem aus, dass die echte Polizei verständigt wird.

Die Täter observierten ihre Opfer auch – zum Beispiel kämen die Täter nicht, wenn der Nachbar noch Rasen mäht. Die Täter suchten sich gezielt eine Region aus, in der würden dann vermehrt die Telefonate stattfinden. Die Kuriere warteten dann dort vor Ort auf ihre Einsatzbefehle. „Wir stellen immer wieder fest, wie vorsichtig diese Banden agieren“, sagt Ebert.

Generell gelte, dass die Polizei nicht um die Herausgabe von Wertgegenständen bittet. Telefonnummern sollten außerdem immer über einen direkten Rückruf überprüft werden.

Von Damai D. Dewert

Informationen: Im Internet unter polizei-beratung.de

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