Änne und Georg Kühlborn feiern Diamantene Hochzeit

Ihre Liebe hält seit 60 Jahren

Änne und Georg Kühlborn aus Günsterode
+
Änne und Georg Kühlborn

Melsungen – Eigentlich konnte sie ihn erst gar nicht leiden, weil er sie mal überrumpelt und einfach so auf offener Straße geküsst hat. Einige Jahre später hat es dann aber auch bei ihr gefunkt – und heute feiern Änne und Georg Kühlborn Diamantene Hochzeit. Dass sich die beiden immer noch gut verstehen, ist nicht zu übersehen. Sie scherzen miteinander und haben sich viel zu erzählen.

Lachen müssen sie immer darüber, wie sie sich als Jugendliche mal zufällig bei einer Konfirmation getroffen haben. Georg war mit seinen Eltern bei der Konfirmation von Ännes Freundin eingeladen. Da stand Georg plötzlich auf und verkündete an der Kaffeetafel: „Hört mal alle her, die wird mal meine Frau.“ Das war Änne ganz schön peinlich. „Ich war schon damals ein Frecher“, sagt Georg, und beide müssen lachen. Georg mag das ansteckende Lachen seiner Frau.

„Wir kennen uns eigentlich schon immer“, sagen die Kühlborns. Beide stammen aus Günsterode, sie aus Koppersch, er aus Kaufmanns – so hießen ihre Elternhäuser mit Günsteröder Spitznamen – und beide sind in Kriegszeiten groß geworden.

Georg, Jahrgang 1939, hat seinen Vater erst kennengelernt, als er 1948 aus russischer Kriegsgefangenschaft kam. „Die erste Zeit war schwierig.“ Damals war er neun Jahre alt, sein Bruder war zehn, und die Mutter hatte die kleine Familie alleine durch den Krieg gebracht. Im Krieg mussten die Brüder mit der Mutter im Wald Heidelbeeren, Brombeeren und Pfifferlinge sammeln, um sie in Hessisch Lichtenau zu verkaufen, damit die Familie was zum Leben hatte.

Änne, Jahrgang 1941, kann sich auch noch gut an die Kindheit erinnern. An die Zeit, als die Kuh der Eltern mit der Kuh des Nachbarn eingespannt wurde und so das Feld bestellt wurde. Ihr Vater arbeitete als Weber, aber wie alle damals hatten auch sie eine kleine Landwirtschaft: ein, zwei Kühe, zwei, drei Schweine und ein paar Hühner.

Nach der Schule fing Änne bei Salzmanns als Näherin an. Eine Ausbildung war das nicht, was sie wissen musste, lernte sie bei der Arbeit, am Anfang musste sie Sonnenschirme nähen. Aber sie lernte viel und bei verschiedenen Firmen, sodass sie sich später ihre Kleidung meistens selbst nähte, am liebsten Kleider. „Und wenn ich mir doch mal ein fertiges Teil gekauft habe, dann habe ich meistens noch was dran geändert bis es mir so richtig gut gefallen hat.“

Georg Kühlborn lernte Weber bei Fröhlich & Wolff in Hessisch Lichtenau, arbeitete später als Stricker bei der Firma Ritter. Im Oktober 1960 sollte er zur Bundeswehr einberufen werden. Damals verdiente er nur 45 Mark im Monat und sagte zu seiner Freundin Änne: „Da kann ich ja noch nicht mal mit dem Moped heimfahren.“ Deshalb beschlossen die beiden zu heiraten: Sie war 19, er 21.

Fünf Jahre dauerte es, bis die Kinder kamen, „und das war eine tolle Zeit“, sagt Georg. 1965 kam Tochter Bettina und 1966 Sohn Peter zur Welt.

Georg Kühlborn war damals noch bei der Firma Ritter, wo er es bis zum gewählten Betriebsratsvorsitzenden gebracht hatte. Die Firma hatte 300 Mitarbeiter. Als dann immer mehr Stricksachen aus dem Ausland kamen und Stellen abgebaut wurden, wechselte er zu B. Braun. Dort war er schließlich 29 Jahre lang Werkschutzleiter.

Änne Kühlborn blieb der Näherei treu. Bis 1991 arbeitete sie als Änderungsschneiderin bei Vockeroths in Melsungen. Und dank eines grünen Daumens sorgt sie für einen herrlich blühenden Garten hinter ihrem Elternhaus, das sich die Kühlborns im Laufe der Jahre ausgebaut haben. Sie turnt seit Jahrzehnten in der Gymnastikgruppe, er singt in den örtlichen Chören.

Außerdem war Georg Kühlborn 35 Jahre Ortsvorsteher in Günsterode.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.