Einnahmen für Peru

Sie nähen für arme Kinder: 14-Jährige aus Melsungen produzieren Babymode

Paula Strotmann und Klara Pfeiffer aus Melsungen nähen Babymode für einen guten Zweck.
+
Paula Strotmann und Klara Pfeiffer aus Melsungen nähen Babymode für einen guten Zweck.

Wenn sich Klara Pfeiffer und Paula Strotmann treffen, dann laufen die Nadeln heiß. Denn die beiden besten Freundinnen aus Melsungen nähen für ihr Leben gern. Was am Ende dabei herauskommt – darunter Strampler, Babyhosen und Stoffbeutel – verkaufen die 14-Jährigen für einen guten Zweck. Nach Abzug der Materialkosten geht das Geld nach Lima in Peru, in ein Kinderkrankenhaus.

Melsungen - Angefangen hat alles in der dritten oder vierten Klasse, erinnern sich die beiden Mädchen. „Wir haben damals sehr viel gebastelt. Und irgendwann haben wir dann unser Gebasteltes vor der Haustür verkauft“, sagt Paula Strotmann. Als sich die Sachen gut verkauften, war der Ehrgeiz der beiden geweckt. Mit Tipps von Klaras Mama, die auch nähen kann, und der Hilfe von Video-Anleitungen auf der Internetplattform Youtube lernten die Zwei, wie man näht. Zuerst Wachstuchstofftäschchen, mittlerweile Strampler, die deutlich aufwendiger sind. „Wegen der Druckknöpfe dauert das etwas länger“, erklärt Klara Pfeiffer. Für einen Strampler benötigen die Mädchen etwa 30 Minuten. „Aber es gibt für alles Videos bei Youtube, wo erklärt wird, wie man es machen muss.“

Als in der Familie und im Bekanntenkreis alle mit selbst genähter Babykleidung ausgestattet waren, sicherten sich die Zwei im Jahr 2018 zum ersten Mal für einen Tag einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt in Melsungen. Etwa 800 Euro nahmen sie ein. Auch beim Markt vergangenes Jahr kam etwa diese Summe zusammen. „Das Geld selbst zu behalten, nein, daran haben wir nie gedacht“, sagt Paula Strotmann, „ich glaube, wir waren einmal Eis essen davon.“

Lediglich die Materialkosten, die zwischen einem Viertel und einem Drittel des Preises ausmachen, ziehen die beiden von den Einnahmen ab, der Rest geht nach Lima.

„Mein Großonkel ist Bischoff in Peru“, erklärt Paula den Kontakt in das Land. Er kümmere sich in Lima auch um die Kinder im Krankenhaus. „So wissen wir ganz genau, dass das Geld zu 100 Prozent ankommt“, sagen die Schülerinnen. Ein Strampler liegt bei 25 Euro, eine Babyhose gibt’s ab 18 Euro. „Manche finden das etwas teuer“, sagt Klara Pfeiffer, „aber wenn die Leute dann hören, was mit dem Geld geschieht, dann zeigen die meisten Verständnis und bezahlen gerne den Preis.“

In den Sommerferien beginnt bei den beiden immer die Näh-Saison für den Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt. „Wir treffen uns immer bei einem von beiden und nähen stundenlang“, sagt Klara Pfeiffer. „Nein, das ist nicht langweilig“, wirft Paula Strotmann ein und lacht. Denn erstens eigne sich das Nähen hervorragend, um den neuesten Klatsch auszutauschen, und zweitens laufe währenddessen immer coole Musik. „Wir haben wirklich viel Spaß dabei.“ Und wenn die beiden besten Freundinnen beieinander übernachten, dann nähen sie nicht nur bis tief in die Nacht hinein, nein „auch morgens vor dem Frühstück geht’s dann direkt erst mal weiter an den Maschinen“, sagt Klara Pfeiffer.

Auch wenn es manchmal vor dem Weihnachtsmarkt etwas stressig ist – „wir haben immer Angst, dass wir zu wenig zu verkaufen haben und nähen deshalb mehr“ – den beiden Schülerinnen macht das Nähen großen Spaß. Und für Volleyball und Tennis, was die beiden im Verein spielen, bleibe auch noch genügend Zeit. „Das kriegen wir alles gut unter einen Hut“, sagt Paula Strotmann. Und nach dem Weihnachtsmarkt legen die beiden ohnehin eine Näh-Pause von etwa drei Monaten ein.

Etwas Sorge bereitet den Mädchen der diesjährige Weihnachtsmarkt in Melsungen. Denn, in welcher Form er infolge der Coronakrise stattfindet, ist noch offen, „und damit auch, ob wir verkaufen können“, sagt Paula Strotmann.

Deshalb verkaufen die Freundinnen während der Sommerferien an zwei Tagen an einem kleinen Stand bei Klaras Papa im Baumarkt Blecher in Gensungen. Außerdem haben sie seit Anfang des Jahres einen Account bei Instagram „the_sewingsisters_“ und planen einen Online-Verkauf über die Plattform „Mamikreisel.de“.

Die Mädchen nehmen auch Bestellungen entgegen, per E-Mail an the_sewingsisters@gmx.de oder per Instagram the_sewingsisters_

Von Carolin Hartung

Großes Angebot: Die beiden Melsungerinnen nähen unter anderem Mund-Nasen-Masken, Babystrampler, Babyhosen und Stofftäschchen. Kunden können auch Bestellungen aufgeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.