KOMMUNALWAHL

SPD bleibt trotz Verlusten stärkste Partei in Melsungen

Viel Grün in Melsungen: Die Grünen haben bei der Kommunalwahl in Melsungen am deutlichsten zugelegt. Die stärkste Partei bleibt aber die SPD, auch wenn sie starke Verluste hinnehmen muss.
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Viel Grün in Melsungen: Die Grünen haben bei der Kommunalwahl in Melsungen am deutlichsten zugelegt. Die stärkste Partei bleibt aber die SPD, auch wenn sie starke Verluste hinnehmen muss.

Die Wähler haben entschieden, die Stimmzettel sind ausgezählt, das Ergebnis der Kommunalwahl in Melsungen steht fest: Die SPD bleibt trotz Verluste stärkste Partei, und die Grünen legen mächtig zu.

Melsungen – Seit Montag um 9.50 Uhr steht es fest: Die SPD ist die Verliererin der Kommunalwahl in Melsungen – und hat einen Gewinner. Aber der Reihe nach. Die SPD fährt die größten Verluste der letzten Jahre ein und kommt nur auf rund 37,1 Prozent. Das ist ein Minus von rund 6,3 Prozentpunkten im Vergleich zur Kommunalwahl 2016. Damit verliert sie zwei Sitze im Stadtparlament. Aber die SPD hat auch einen Gewinner: Timo Riedemann. Er holt mit 6019 Stimmen das beste Personenwahlergebnis aller Kandidaten.

„Das ist richtig klasse und absolut verdient“, sagt Ulrike Hund, die als Spitzenkandidatin der SPD mit 5648 Stimmen auf Platz zwei gelandet ist. Es folgen Sven Hoppe (SPD, 4556), Peter Hohmann (SPD, 4534) und Ludwig Georg Braun (FDP, 4340 Stimmen) – und dann kommt lange nichts. Übrigens: Volker Wagner, langjähriger Fraktionsvorsitzender der SPD, ist von Listenplatz zwei auf Listenplatz sieben abgerutscht. Er bekam von den Wählern nur 3601 Stimmen.

Etwas weniger schaffte die Spitzenkandidatin der Grünen, Christiane Rößler (3234). Interessant ist, dass die Grünen vergleichsweise viele Stimmen bei der Personenwahl geholt haben. Alle sechs Kandidaten, die ins Parlament einziehen werden, haben jeweils mehr Stimmen als beispielsweise der Zweitplatzierte der CDU, Stefan Sippel (2140 Stimmen). „Von den Personenstimmen hätten wir anders dastehen können“, sagt Christiane Rößler, ist aber dennoch zufrieden über das beste Ergebnis, das die Grünen je in Melsungen geholt haben. Insbesondere in der Kernstadt wurden sie gewählt.

Wahlbeteiligung

Die SPD hadert mit der niedrigen Wahlbeteiligung von 56 Prozent. Spitzenkandidatin Ulrike Hund nennt sie gar „erschreckend“, denn sie geht davon aus, dass auch dadurch viele Stimmen für ihre Partei verloren gegangen sein könnten. Denn viele Ältere, die verlässlich die SPD wählen, seien pandemiebedingt wohl nicht zur Wahl gegangen – obwohl die Hygienevorschriften streng eingehalten worden seien. Die schlechte Wahlbeteiligung ist nach Meinung von Spitzenkandidatin Hund also ein Grund für das schlechte Wahlergebnis der SPD in Melsungen.

Auch die anderen Parteien analysierten gestern die Ergebnisse, suchten nach Gründen für Stimmenverluste und -gewinne. Die schlechte Wahlbeteiligung spielte bei ihnen keine offensichtliche Rolle.

Diversität

Kritisch sieht Ulrike Hund den geringen Frauenanteil auf der SPD-Liste: zwei Frauen – und 22 Männer. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt sie, räumt aber ein, dass es im Vorfeld sehr schwer gewesen sei: „Wir haben wirklich geackert, aber keine Frauen gefunden, die sich aufstellen lassen wollten.“ Möglicherweise seien viele Frauen mit Beruf, Familie und Haushalt ausgelastet, erst recht in Pandemiezeiten.

Aber bei den Grünen hat es doch auch funktioniert: Von 13 Kandidaten auf der Liste waren sieben Frauen – und über die Personenwahlstimmen werden vier von sechs Stadtverordneten Frauen sein. Da wird die SPD in Zukunft umdenken und neue Wege finden müssen. „Vielleicht sollten wir Kinderbetreuung während der Sitzungen anbieten“, überlegt Ulrike Hund.

Koalition

Ob es neue Wege in Sachen Koalition in Melsungen gibt, wird sich in den kommenden Tagen herausstellen. Denn dann werden die Sondierungsgespräche beginnen, zu denen die SPD als stärkste Fraktion einladen wird. Ulrike Hund, die auch Vorsitzende des SPD-Stadtverbands ist, sagt: „Die FDP ist mit Sicherheit Gesprächspartner.“ Die Kooperation mit der FDP in der vergangenen Legislaturperiode sei rückblickend sehr gut gelaufen. „Die FDP war ein sehr verlässlicher Partner.“ Aber wegen des guten Wahlergebnisses der Grünen, sagt die SPD-Spitzenkandidatin: „Ich könnte mir als Gesprächspartner auch die Grünen vorstellen.“ (Claudia Feser)

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