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Spangenberger steht wegen Terrorverdachts vor Gericht

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Von: Barbara Kamisli

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Marvin E. (Mitte) aus Spangenberg steht vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm die versuchte Gründung einer terroristischen Vereinigung vor.
Marvin E. (Mitte) aus Spangenberg steht vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm die versuchte Gründung einer terroristischen Vereinigung vor. © Arne Dedert/dpa

Seit Dienstag muss sich ein 20-Jähriger aus Spangenberg vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt verantworten. Er soll terroristische Anschläge geplant haben.

Spangenberg/Frankfurt – Wohl kaum einer hat in Spangenberg mit dem gerechnet, was im Herbst vergangenen Jahres publik wurde. Marvin E. – ein unscheinbarer junger Mann aus ihrer Mitte war festgenommen worden, weil er offenbar plante, rechtsterroristisch motivierte Anschläge zu verüben.

Dafür muss sich der 20-Jährige seit Dienstag (2. August) vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt verantworten. „Ich bin froh, dass der Prozess jetzt begonnen hat“, sagt Jörg Lange, Stadtverbandschef der Spangenberger CDU.

Terrorverdacht: Marvin E. hatte bei Kommunalwahl für die CDU kandidiert

Sollte er verurteilt werden, werde er Marvin E. so schnell wie möglich von der CDU-Liste streichen lassen. Der 20-Jährige, der kein Parteimitglied ist, hatte bei der Kommunalwahl für die CDU kandidiert. Oft sei nach der Festnahme gefordert worden, den 20-Jährigen von der Liste zu entfernen. „Doch so lange er nicht verurteilt ist, gilt im Zweifel für den Angeklagten“, sagt Lange.

„Mit welcher Begründung hätte ich ihn denn von der Liste nehmen können?“ Aber niemals hätte jemand damit gerechnet, sagt Lange. Er habe den Angeklagten als einen engagierten jungen Mann wahrgenommen, der sich ehrenamtlich unter anderem für den Erhalt der Mikwe – eines jüdischen Ritualbades – eingesetzt habe. Nichts habe auf seinen offenbar rechtsradikalen Hintergrund und seine Vorhaben hingedeutet.

Am ersten Prozesstag wurden mit Verlesen der Anklageschrift weitere schockierende Details bekannt. Der Vorwurf: Gründung einer terroristischen Vereinigung, die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. Der 20-Jährige soll geplant haben, Sprengstoffanschläge zu begehen, um einen „Rassenkrieg“ auszulösen.

Sprengsatz-Bauteile im Internet bestellt

E. soll von Frühjahr 2021 an Bauteile für selbst gebastelte Sprengsätze beim Internetversandhaus Amazon bestellt haben, führte der Oberstaatsanwalt Michael Neuhaus aus, darunter Zündschnüre, Schwefel- und Magnesiumpulver, einen Koffer und Stahlkugeln. 13 Sprengsätze sollen bei einer Hausdurchsuchung gefunden worden sein. Im Juli vergangenen Jahres habe er einen der Sprengsätze mit einem Mitschüler getestet.

Um sie gefährlicher zu machen, habe Marvin E. die Sprengsätze mit Stahlkugeln ummantelt, allein bei der größten selbst gebauten Bombe habe er mehr als zwei Kilo Splitterladung eingebaut. Das vom Angeklagten hergestellte Sprengstoffgemisch sei beinahe so explosiv wie militärischer Sprengstoff gewesen und hätte „immense Schäden“ anrichten können, sagte Neuhaus.

Anklage wegen Terrorverdacht: Marvin E. suchte nach dem Grundriss des Bundestags

Kurz vor seiner Festnahme im September habe der 20-Jährige nach Schulen in Kassel und Essen und nach einem Grundriss des Bundestags im Internet recherchiert. Seine Ziele habe Marvin E. in einer Art Manifest niedergeschrieben, das die Überschrift “Operation Ranzkacke“ trägt. Von Anschlägen auf Juden, Muslime, „Kanaken“ und staatliche Vertreter der Bundesrepublik sei die Rede.

Etwa zur gleichen Zeit hat E. laut Anklageschrift einem Mitschüler aus der Berufsschule Bilddateien der terroristischen Gruppierung Atomwaffen-Divison (AWD) in einem WhatsApp-Chat geschickt, später auch Propaganda-Videos. Dazu habe er den Mitschüler gefragt, ob dieser der „AWD Hessen“ beitreten und ihr „treu“ sein wolle, sagte Neuhaus. Marvin E. haben einen Ableger der ursprünglich aus den USA stammenden Gruppierung in Hessen gründen wollen und versucht, Mitglieder dafür anzuwerben. 

Marvin E. versuchte neue Mitglieder zu finden 

Im August soll er sich dann in einem Chat der AWD im Messenger-Dienst Telegram beschwert haben, wie schwer es sei, Anhänger zu gewinnen.

Zudem habe er geplant, mit einer nächtlichen Aktion in Kassel Mitglieder für die „AWD Hessen“ zu werben, dazu habe er Plakate ausgedruckt, Industriekleber bestellt und seinen Mitschüler gebeten, ihm bei der Aktion zu helfen. (han/kam)

Das ist die Atomwaffen-Division

Die Atomwaffen-Division (AWD) ist eine internationale Neonazi-Gruppe. Sie will mit Terror und Gewalt zu einem globalen, rassistischen Bürgerkrieg beitragen und diesen gewinnen, beschreibt Rechtsextremismus-Experte Roland Sieber die AWD.

In den Vereinigten Staaten von Amerika wurden mindestens fünf Menschen durch Mitglieder dieser Gruppierung getötet. Großbritannien und Kanada haben die AWD als Terrororganisation eingestuft und verboten.

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