Stadt Melsungen will Trinkwasserbrunnen bohren

Melsungen braucht mehr Trinkwasser

Nadine Finn, Technische Leiterin der Melsunger Stadtwerke, zeigt am PC auf die Stelle im Wald zwischen Günsterode und Kehrenbach, wo die Probebohrung für den neuen Trinkwasserbrunnen stattfinden soll.
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Auf der Suche nach Wasser im Wald: Nadine Finn, die Technische Leiterin der Melsunger Stadtwerke, zeigt die Stelle im Wald zwischen Günsterode und Kehrenbach, wo die Probebohrung stattfinden soll.

Die Melsunger suchen wieder Trinkwasser, also einen neuen Brunnen, der den Bedarf der 14.000 Einwohner sichern soll. Eine solche Suche kann aber auch mal schief gehen – wie im vergangenen Jahr.

Melsungen - Ein beauftragter Geologe hatte im Jahr 2008 in einem Gutachten mehrere Bohrpunkte rund um Melsungen beschrieben. Einer sollte unterhalb von Adelshausen liegen, am Sommerberg. Also wurde nach einem aufwendigen Prüfverfahren eine Probebohrung veranlasst. Dabei stieß man in 197 Meter Tiefe auf Wasser. „Aber das Wasser hatte eine Qualität, die aufgearbeitet hätte werden müssen“, sagt Nadine Finn, Technische Leiterin der Melsunger Stadtwerke. Das Wasser hatte einen Härtegrad von mehr als 20. Das härteste Melsunger Wasser hat einen Wert von 12. Außerdem wurde viel Mangan, Eisen und Kohlensäure gefunden. Die Stadt ließ das Loch wieder verfüllen. Die Kosten für die Probebohrung beliefen sich damals auf 250 000 Euro.

Nun soll der zweite vom Geologen empfohlene Bohrpunkt in Angriff genommen werden. Er liegt im Wald zwischen Kehrenbach und Günsterode. Weil das ein FFH-Gebiet ist, muss zunächst eine Artenschutzprüfung erfolgen, und zwar über alle Jahreszeiten hinweg. Für die Bohrung muss schweres Gerät in den Wald fahren, und es muss im Vorfeld geprüft werden, welche Vögel, Fische und Pflanzen dort schützenswert sind und wo Bäume gefällt werden dürfen.

Außerdem wird eine Umweltverträglichkeitsprüfung benötigt. Damit kann die Obere Wasserbehörde beim Regierungspräsidium (RP) in Kassel feststellen, ob eine Probebohrung nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt hätte oder nicht. Dies ist Teil der wasserrechtlichen Genehmigung des RP.

Nadine Finn rechnet mit einer Entscheidung bis Mitte 2021. Bis Ende 2021 können die Bohrarbeiten ausgeschrieben werden. Im Winter 2021/22 könnte dann mit dem Wegebau für die Probebohrung begonnen werden. Der müsste aus Naturschutzgründen im März 2022 wieder enden. „Im Winter 2022/23 weiß man dann, ob es mit einem neuen Trinkwasserbrunnen was wird“, sagt Nadine Finn, „wenn alles gut läuft.“ Die Gefahr eines Misserfolgs bestehe immer. „Das heißt aber nicht, dass wir es nicht machen.“ Denn eine Kommune müsse langfristig denken und darauf vorbereitet sein, falls die Einwohnerzahlen steigen oder die örtliche Industrie mehr Wasser benötige. (Claudia Feser)

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