Projekt in Günsterode: Ärger um Grundstückskauf-Interessen

Starker Gegenwind für Aktiv-Reitstall in Günsterode

Familie Obach aus Günsterode  steht vor dem Bauholz, das für die Reithallenbande verwendet werden soll. Von links Leopold, Markus und Marie Obach sowie Carmen Obach-Schröck.
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Familie Obach aus Günsterode hatte geplant, in Günsterode einen Aktivstall für Pferde zu bauen. Das Bauholz für die Reithallenbande liegt schon in Stapeln bereit. Im Bild von links Leopold, Markus und Marie Obach sowie Carmen Obach-Schröck.

Sie wollten einen Aktiv-Reitstall in ihrem Heimatdorf bauen – daraus wird nun wohl nichts. Das Ehepaar Markus und Carmen Obach-Schröck aus Günsterode spricht von „unüberwindbaren Hindernissen“.

Günsterode – Groß ist der Widerstand im eigenen Dorf, dem Heimatdorf von Markus Obach: Es gab eine Unterschriftenaktion, und eine Bürgerinitiative hat sich gegründet. Auch vonseiten der Stadtverwaltung fühlt sich das Ehepaar ungerecht behandelt.

Seit drei Jahren laufen die Planungen für den Aktiv-Reitstall, den Carmen Obach-Schröck, als Tierärztin auf Pferde spezialisiert, als „Fitnessstudio für Pferde“ beschreibt. Das Ehepaar Obach, Inhaber der Riedforst GbR, hat nach eigenen Angaben bereits rund 25 000 Euro in die Planungen investiert. Ein Bauleitplanverfahren wurde eingeleitet, denn das Ehepaar wollte zusätzlich zum Aktivstall für 30 Pferde außerhalb der eigentlichen Ortslage ein Wohnhaus bauen, in dem die Option für eine Tierarztpraxis bestanden hätte. Außerdem sollte eine Ferienwohnung im Wohnhaus integriert werden.

Im Dezember 2019 hatten die Obachs zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Sie wollten nach eigenen Angaben die Pläne auch dem Ortsbeirat und dem Magistrat präsentieren, „aber man hat uns nicht das Recht gegeben, gehört zu werden“, sagt Markus Obach.

Wenige Wochen später wurde der traditionelle Weihnachts-Rundbrief des Ortsbeirats verteilt, in dem stand, dass das Ehepaar Obach-Schröck das Dorf spalte. „Darin hieß es auch, dass wir alle Wege drumherum kaufen wollten, aber das stimmt nicht“, sagt Markus Obach.

Gegen den Verkauf von Grundstücken, insbesondere eines 50 Meter langen Weges, gibt es massiven Widerstand in Günsterode. 64 Menschen hatten eine Unterschriftenliste unterzeichnet, diese wurde während der Offenlegung des Bauleitverfahrens bei der Stadt eingereicht. „Es gibt auch viele Unterstützer für unser Projekt im Dorf“, sagt Carmen Obach-Schröck, „aber es zählen nur die negativen Stellungnahmen.“

Der Ortsbeirat wies die Stadt im November 2020 darauf hin, dass das Projekt „lediglich Eigeninteressen“ verfolge. Außerdem spalte das Projekt „die bisher tadellos funktionierende Dorfgemeinschaft in Günsterode“. Befürchtet werde unter anderem extensive Beweidung durch die Pferde, die Reptilien und Insekten stark in Mitleidenschaft ziehen würde. Bei ungünstigem Wind sei von einer Geruchsbelästigung im Dorf durch die 30 Pferde auszugehen. Außerdem müssten die Exkremente bei Ausritten in der Feldgemarkung von den Reitern entsorgt werden.

Weitere Kritikpunkte sind ein befürchtetes höheres Verkehrsaufkommen, worauf etwa die Straße Batzweg nicht ausgelegt sei. Carmen Obach-Schröck hat ausgerechnet, dass dort maximal zwei Autos pro Stunde fahren würden, zwischen 7 und 22 Uhr.

Mitte Januar gab es einen erneuten Gesprächstermin zwischen Stadt und Ehepaar Obach, unter Vermittlung von Bernd Wenck, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes. Daraufhin ließ das Ehepaar eine Planungsänderung erarbeiten. Die sieht vor, das Haus auf das Stallgrundstück zu bauen und das 50 Meter lange Wegstück von der Stadt zu kaufen.

Der Wegeverkauf wurde nun aber Ende Februar vom Ortsbeirat per Umlaufbeschluss erneut abgelehnt. Und die Stadt Melsungen teilte dem Ehepaar nun mit, dass der Magistrat der Entscheidung des Ortsbeirats folgen werde. Das sei aber nicht das Aus für das Projekt, erklärt Bürgermeister Markus Boucsein auf HNA-Anfrage die Position der Stadt. Die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange würden noch mal ins parlamentarische Verfahren gehen: „Alles in allem wird also noch mal grundsätzlich über das Projekt beraten.“

Das Ehepaar Obach-Schröck, will seinen Traum eines artgerechten Pferdestalls leben - wenn nicht in Günsterode, dann woanders.

Der Ortsbeirat:

Das Projekt Aktiv-Stall für Pferde habe die Dorfgemeinschaft Günsterode gespalten. Das teilt Ortsvorsteher Frank Heinemann in einer Pressemitteilung mit. Dies lasse sich an der Gründung der Interessengemeinschaft erkennen, die ebenfalls starke Bedenken gegen den Bau des Aktiv-Stalls äußere. „Gerade die egoistische Vorgehensweise beim Flächenkauf durch die Familie Obach als auch die exponierte Lage des Stalls werden als sehr kritisch gesehen“, teilt Heinemann weiter mit.

Der Ortsvorsteher betont, dass sich der Ortsbeirat zwar im Dezember 2019 und im Februar 2021 bei Vorlage des geänderten Planungsentwurfs gegen einen Verkauf des Wegestücks ausgesprochen habe. Denn bereits im Juni 2019 habe der Ortsbeirat einen Beschluss gefasst, wonach keine städtischen Flächen und Wege verkauft werden sollen. „Hierdurch sollte ein Präzedenzfall vermieden werden.“ Hingegen sei vonseiten der Familie Obach das Angebot des Ortsbeirats zur Pacht des Weges abgelehnt worden, betont Frank Heinemann. (Claudia Feser)

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