Preisverleihung des Kabarett-Wettbewerbs am 17. November

Big Data trifft Buddha: Start des Wettbewerbs "Scharfe Barte" in Melsungen

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Geht es lieber langsam an: Stefanie Kerker bot Musikkabarett mit dem Titel „Lizenz zum Trödeln“. 

Mit gleich zwei starken Auftritten startete der Melsunger Kabarett-Wettbewerb Scharfe Barte in der Kulturfabrik in die erste Runde.

Stefanie Kerker und Tom Tumbrinck kämpften mit viel gekonntem Wortwitz um die Ränge der 24. Ausscheidung.Beide Male ging es um die Erfolgsgesellschaft. Tom Tumbrinck aus  Münster pfiff darauf: „Der Erfolg gibt mir nix“, so der Titel des Programms. Kerker hingegen versuchte, dem „Höher, weiter, schneller“ irgendwie zu entfliehen. Ihr Programm: „Lizenz zum Trödeln“.

Tom Tumbrick über Big Data, Politik und Rassismus

Tumbrinck lebt in Münster und entdeckte seine Liebe zum Kabarett während einer Projektwoche in der Schule. Der 47-Jährige blieb bis heute dabei.

Kein Wunder also, dass ihm Erfolg nichts gebe, meinte er. Kleinkunst mache einfach keinen Sinn mehr – es sei ein Kampf gegen Windmühlen. Also warum nicht gleich dazu stehen und sich als erfolgloser Kleinkünstler etablieren, spielte er sich selbst. Gekonnt, mit viel Erfahrung in Gestik und Mimik, parlierte er mühelos über aktuelle Themen.

Zum Beispiel über das Internet. „Big Data weiß lückenlos, welche Ängste, Wünsche und Hoffnungen wir haben, selbst wenn wir es längst vergessen haben.“ Und er sei sogar ein prima Wahlhelfer. Willkür bei der Wahl adé. Von wegen einfach mal konservativ wählen, weil gerade schlechtes Wetter ist. „Big data korrigiert das schon.

Pfeift auf den Erfolg: Tom Tumbrinck war mit seinem Programm „Erfolg gibt mir nichts“ in Melsungen zu Gast.

Sie wollen SPD wählen, leben aber wie ein FDP-ler. Nein das geht nicht. Wir kündigen die SPD-Mitgliedschaft und melden Sie bei der FDP an. Stornierung innerhalb von zwei Wochen möglich.“

Solche Klopper kamen an. Auch sein Ausflug zum Rassismus war herzerfrischend. Wie er sich wand und krümmte, um auf einer Party Kontakt mit einem People of Colour (POC) zu machen. Herrlich. Schließlich scheiterte er als Obdachloser und macht dem Namen seines Programms alle Ehre.

Musikkabarett mit Stefanie Kerker 

Mit Selbstzweifeln beschäftige sich auch Stefanie Kerker. 1972 in Karlsruhe geboren und in Westfalen aufgewachsen, studierte sie in Stuttgart Musik und Darstellendes Spiel.

Auf der Bühne bot sie ein Musikkabarett. Sie spielte Akkordeon und klopfte gleichzeitig auf Gongs herum und rief so den Buddha herbei. „Die Deutschen haben mittlerweile mehr Buddhas in den Gärten als Gartenzwerge.“

Sie trug ein etwas anderes Deutschlandlied vor, das sie über das Keyboard mit den Füßen steuerte und gleichzeitig die Blockflöte dazu spielte. Sie streifte gekonnt Politik und Wirtschaft und stellte fest: „Zufriedenheit ist nicht meine Kernkompetenz. 

Mein Leben ist grad da, wo ich gerade nicht bin.“ Während sie über politisch korrektes Verhalten sinniert, Plastikmüll vermeidet, Kinder zu mega-erfolgreichen Menschen erzieht und beim ständigen Movement ganz außer Atem kommt, fragte sie sich: Wo bleibt da der Mensch?

Daher erteilt sie sich den Befehl zum Trödeln. Mit Wasserpistole bewaffnet, zerschießt sie die Selbstzweifel in ihrem Kopf und kommt in Lederjacke und James Bond Manier in knalliger Pose zum Schluss. „Ich habe die Lizenz zum Chillen.“

Am 7. November geht’s in die zweite Runde

Die zweite Runde des Kabarett-Wettbewerbes „Scharfe Barte“ findet am Mittwoch, 7. November, 19.30 Uhr in der Kulturfabrik statt. Dann treten die Westhäkchen und Heino Tiskens auf.

In der letzten Runde am Montag, 12. November, ebenfalls 19.30 Uhr, werden das Duo Blömer und Tillack sowie Helmuth Steierwald auf der Bühne zu sehen sein. Die Preisverleihung findet am Samstag, 17. November, 19 Uhr statt.

Es gibt noch für alle drei Abende Karten. Ab 10 Euro in der Kultur- und Tourist-Info Melsungen, Tel. 0 56 61/708 200.

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