Bienen machen sich im Frühling auf Nektarsuche

Melsunger züchtet am liebsten Königinnen

Michael Schermeier , Vorsitzender des Imkervereins Melsungen
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Michael Schermeier, Vorsitzender des Imkervereins Melsungen, hat neun Bienenvölker

Für Michael Schermeier ist der Frühling die schönste Jahreszeit. Oft steht der Imker in seinem Garten in Elfershausen vor den Bienenstöcken und hört einfach nur dem Brausen zu.

Melsungen –Denn jetzt geht es dort wieder ständig rein und raus, und der Imker kann den leichten Honigduft riechen, der aus dem Einflugloch strömt.

Bei Temperaturen ab 14 Grad fliegen die Honigbienen aus den Stöcken und kommen mit prall gefüllten Pollenhöschen zurück, manche landen fast schwerfällig am Einflugloch. Die Pollenhöschen leuchten gelb und orange, je nach Blütenart.

Zurzeit sammeln die Bienen noch Pollen, mit dem sie die Brut, also den Bienennachwuchs, füttern. Erst zur Kirschblüte beginnen sie mit dem Sammeln von Nektar. Ende April/Anfang Mai ist die Hochzeit der Königin: Sie legt bis zu 2000 Eier am Tag – in jede Wabenzelle kommt ein Ei. Mit der Eiablage hat die Königin im Februar begonnen.

Die Wabenzellen haben die Bienen selbst gebaut: Über Drüsen am Hinterleib produzieren sie Wachs, aus dem sie die sechskantigen Wabenformen herstellen.

Hierbei hat ihnen der Imker ein bisschen geholfen: Er hat Rahmen in den Bienenstock gehängt, deren wächserne Mittelwand bereits das Waben-Grundmuster vorgibt. „Das ist sozusagen eine Starthilfe für die Bienen.“

So kann der Weiterbau geregelt ablaufen. Auf jeder Seite dieser Mittelwand ist Platz für 1000 Wabenzellen, macht also insgesamt 2000 Wabenzellen pro Wand, 20 Mittelwände stecken in einem Bienenstock. Wie viele Mittelwände er schon in die Bienenstöcke gehängt hat, weiß Michael Schermeier gar nicht mehr.

Vor 30 Jahren hat der Industriemeister mit dem Imkern begonnen, damals war er 24 und im Melsunger Verein mit Abstand der Jüngste: „Damals fuhr der Jungimker einen Mercedes mit Stern und war Rentner.“

Heute sieht das ganz anders aus. Der Imkerverein Melsungen ist wohl einer der wenigen Vereine, die nicht unter Nachwuchsmangel leiden, sagt Vorsitzender Schermeier. Heute imkern selbst Leute, die keinen eigenen Garten haben. Und immer mehr Unternehmen haben Interesse an Bienenstöcken, für die sie ihr Firmengelände zur Verfügung stellen wollen. Es gibt regelmäßig Anfragen beim Melsunger Imkerverein.

Bei Michael Schermeier ist auch nach 30 Jahren die Freude an der Arbeit mit den Bienen zu spüren und zu hören. Wenn er erzählt, dass Bienen seit 30 Millionen Jahren auf der Erde leben: „Sie haben alles mitgemacht, auch die größten Temperaturunterschiede – sie passen sich einfach der Natur an.“

Seine Lieblingsbeschäftigung ist übrigens das Züchten von Königinnen. Die Königinnen bekommt er als vier Tage alte Larven vom Bieneninstitut in Kirchhain.

Im Alter von 16 Tagen schlüpfen dann die Königinnen, mit denen Schermeier dann auf die Nordsee-Insel Juist fährt, um sie dort von selektierten Drohnen begatten zu lassen. Inselbegattung nennt das der Fachmann.

Imker Schermeier vergleicht das sogar mit der Geburt eines Kindes: „Es ist toll, zu sehen, wie daraus ein riesiges Volk entstehen wird.“ Und dann steht er an einem sonnigen Frühlingstag vor den sechs Völkern in seinem Garten, drei hat er noch auf dem Dach der Stadtbücherei in Melsungen. 35 000 Bienen sind dort zurzeit drin – pro Volk.

Er hört ihr Brausen und genießt es, denn Imkern sie ein beruhigendes Hobby, sagt er, vor allem in der Coronazeit. „Denn die Bienen juckt Corona nicht, sie fliegen trotzdem, und als Imker lernt man, zu entspannen.“ (Claudia Feser)

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