Größte Gemeinschaftsunterkunft des Schwalm-Eder-Kreises in Spangenberg

Der gute Kerl vom Flüchtlings-Camp

Er ist der Chef: Stefan von Jasienicki (2. von links) leitet eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge des Schwalm-Eder-Kreis in Spangenberg. Im Bild erklärt er den Neuankömmlingen die Regeln im Camp. Dabei helfen ihm zwei Dolmetscher.

Spangenberg. In Spangenberg gibt es die derzeit größte Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge im Landkreis.

Früher war er Manager für Harley Davidson, heute ist er Manager in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Spangenberg. Stefan von Jasienicki aus Edermünde leitet seit der Eröffnung Mitte Oktober die derzeit größte Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises.

Dort leben aktuell 128 Flüchtlinge, die meisten kommen aus dem Irak, aus Syrien, Afghanistan und Pakistan.

Ihre Herkunftsländer sind dem 48-jährigen Kaufmann vertraut, denn viele Jahre lang war er auf mittlerer Management-Ebene für den Mittleren Osten zuständig. Kontaktfreudig ist er, resolut, offen, ein Kumpeltyp. Das kommt bei den vielen jungen männlichen Flüchtlingen gut an. „Steven“ nennen sie ihn. Viele bezeichnen ihn als „good guy“, als guten Kerl. Er verständigt sich auf Englisch mit den Flüchtlingen, für Details hat von Jasienicki Übersetzer für Arabisch und Farsi, die in der Unterkunft leben.

Eine Unterkunft zu leiten, bedeutet mehr als für Essen, Sauberkeit und Sicherheit zu sorgen. Der Manager hat eine 80-Stunden-Woche, und oft sitzt er mit den Menschen bis spät in die Nacht in der Kulturhalle zusammen. Dort leben interessante Menschen Bett an Bett: Schuhputzer, Theaterregisseur, Schweißer, Zahnarzt, Fußballer, Urologe.

Nicht alle Flüchtlinge seien traumatisiert, sagt von Jasienicki, gleichwohl kennt er viele Fluchtgeschichten. Tod auf der Flucht, Misshandlungen, Narben, das geht nicht spurlos an den Menschen vorüber, auch nicht an Stefan von Jasienicki, selbst Vater von zwei Söhnen.

Zum Beispiel die Geschichte einer Familie aus Afghanistan, Vater, Mutter, zwei Kinder. An der Grenze zu Österreich wurden sie getrennt, die 13-jährige Tochter saß plötzlich in einem anderen Bus. Wohin dieser fuhr, wusste die Familie nicht. Die drei Afghanen kamen nach Spangenberg und baten Stefan von Jasienicki um Hilfe. Dieser forschte mit seinen Mitarbeitern nach, telefonierte, schrieb E-Mails. Mittlerweile ist klar, dass das Mädchen in Hamburg gelandet ist, und von Jasienicki will sie nach Spangenberg holen, zurück zu ihrer Familie.

Wie er zum Leiter einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge wurde? „Ich wollte schon immer ehrenamtlich helfen“, sagt er. Nun ist aus dem Ehrenamt Beruf geworden.

Seit drei Jahren mietet oder kauft er mit Bekannten in Hessen Wohnungen und renoviert sie für die Flüchtlinge. So wurde der Schwalm-Eder-Kreis auf ihn aufmerksam. Er sagt: „In kleinen Wohngruppen geht die Integration rasend schnell voran.“

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