Ernährungstipps von Melsunger Mediziner

Der Steinzeitmensch hilft bei Diäten

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Eine Art der Diät: Auf Kohlenhydrate verzichten.

Melsungen. Mit dem Beginn der Fastenzeit starten viele eine Frühjahrsdiät. Darüber sprachen wir mit dem Mediziner Dr. Gunther Claus.

Herr Claus, der Verzicht auf Kohlenhydrate ist in aller Munde. Was bringt das?

Claus: Eine kohlenhydratarme Diät sollte man immer langsam beginnen. Abrupter Verzicht auf Zucker kann zu Heißhunger führen, vor allem wenn man zu Diabetes neigt. Daher rate ich, den Körper langsam daran anzupassen. Eine Woche lang einen Tag komplett ohne Kohlenhydrate, die nächste Woche zwei Tage und so weiter.

Ist der Verzicht gefährlich?

Claus: Eigentlich nicht. Der Körper meldet sich schon. Dennoch. Wer zu lange Zeit auf Kohlenhydrate verzichtet, kann sogar in eine Depression rutschen. Wir sind unseren Vorfahren, den Neandertalern, noch sehr nahe. Im Winter bekamen die auch keine Kohlenhydrate, aber dann gab es im Frühjahr wieder Früchte, also auch Zucker.

Sind Kohlenhydrate nicht auch wichtig bei einer Diät?

Dr. Gunther Claus

Claus: Ja, gerade, wenn man Sport zum Abnehmen benutzt. Nach dem Laufen etwa sollte man eher Nudeln essen. Sie enthalten schnell verfügbare Kohlenhydrate, wichtig für den Erhalt der Muskulatur. Menschen verhalten sich, ebenfalls aus der Steinzeit heraus, wie Fluchttiere. Die Durchblutung im Darm sinkt, damit man schneller läuft, der Insulinspiegel ist gering und man hat daher kaum Hunger nach dem Laufen. Anders ist das beim Schwimmen.

Was muss man beachten, wenn man mit Schwimmen abnehmen will?

Claus: Beim Schwimmen verliert der Körper über das Wasser viel Wärme. Daher kommt es im Gegensatz zum Laufen zu einem hohen Anstieg des Insulinspiegels, wenn man den ersten Bissen nach dem Training zu sich nimmt. Die Folge ist Heißhunger. Daher sollte man nach dem Schwimmen zwei Stunden nichts essen.

Der Insulinausstoß und der darauf folgende Heißhunger spielen bei Diäten ja oft eine Rolle. Wo ist das noch wichtig?

Claus: Beliebt sind Limonaden mit Süßungsmitteln bei Diäten. Dabei wird vermehrt Insulin ausgeschüttet, was zu Heißhunger führen kann. Wenn man das weiß und diszipliniert ist, dann ist auch das okay. Und: Bei einer Diät sollte es nicht an Fetten fehlen. Denn die fettlöslichen Vitamine wie A, D, E und K werden nun benötigt.

Was ist mit der Faustregel weniger Kalorien zu sich zu nehmen als man verbraucht?

Claus: Das gilt immer. Aber im Alter sinkt der Grundumsatz stärker, als man glaubt. Ein Sechzigjähriger hat einen Grundumsatz von 600 Kalorien, wohin gegen ein 16-Jähriger noch 1600 Kalorien verbraucht, wenn er den Tag im Bett verbringt. 1000 Kalorien am Tag zu sparen ist sicher ein guter Weg. Der Bedarf beträgt durchschnittlich etwa 2000 bis 2500 Kalorien.

Ist die Fastenzeit auch der richtige Zeitpunkt zum Abnehmen?

Claus: Auch da weise ich wieder auf den Steinzeitmenschen hin. Im Winter setzt der Körper leichter Fett an, um den Körper zu wärmen. Im Frühjahr dagegen ist es leichter abzunehmen. Das Gehirn ist quasi programmiert. Also sind der Frühling und die kommende Fastenzeit eine gute Zeit.

Wie ist es mit dem Verhalten nach der Diät? Wie hält man das Gewicht? Was ist mit dem Jojo-Effekt?

Claus: Nach der Diät sollte man sein Essverhalten beibehalten, sonst nimmt man schnell wieder zu. Dabei besteht auch die Gefahr der Bildung von Gallensteinen. Bei einem hohen Zellumsatz, wie das beim schnellen Ab- und Zunehmen der Fall ist, kann es dazu vermehrt kommen.

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