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Regional ist das neue Bio: Fleischwerk der Edeka-Hessenring verarbeitet Strohschweine

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Von: Claudia Feser

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Im Fleischwerk: (von links) Fleischermeister Klaus-Dieter Reuß zerteilt mit seinen Kollegen Thomas Helferich und Tim Bachmann die Strohschweine, um sie zu Fleisch und Wurstwaren zu verarbeiten.
Im Fleischwerk: (von links) Fleischermeister Klaus-Dieter Reuß zerteilt mit seinen Kollegen Thomas Helferich und Tim Bachmann die Strohschweine, um sie zu Fleisch und Wurstwaren zu verarbeiten. © Claudia Feser

Im Fleischwerk der Edeka-Hessenring werden besondere Strohschweine aus der Region zu Wurst und Fleisch verarbeitet.

Melsungen – Wer ein Ahle- Wurscht-Esser ist, schmeckt den Unterschied. Davon ist Norbert Rohde überzeugt. Er ist Prokurist im Fleischwerk bei der Edeka Hessenring, und seine Kollegen verarbeiten Strohschweine zu Wurst und Fleisch – und zu Ahler Wurscht. Und die sei etwas ganz Besonderes.

„Hierfür lassen wir uns schwere Schweine füttern.“ Wird ein Schwein normalerweise bei einem Gewicht von 100 Kilogramm geschlachtet, ist ein Ahle-Wurscht-Strohschwein 130 Kilo schwer, das Lebendgewicht liegt bei bis zu 180 Kilo. „Das Schwein wird länger gefüttert und ist daher ausgereifter.“

Die Landwirte

Die Edeka Hessenring arbeitet mit 16 Landwirten aus der Region zusammen, darunter fünf aus Nordhessen: Dagobertshausen, Kirchberg, Berndshausen, Frankenberg und Hofgeismar. Zwei Mal im Jahr besucht Rohde die Bauernhöfe und kontrolliert die Bedingungen, unter denen die Strohschweine leben.

Denn die Kriterien für ein Strohschwein hat die Edeka festgelegt: Die Schweine müssen als Ferkel aus der Region stammen. Sie müssen artgerecht auf Stroh und nicht auf Spalten gehalten werden, das Stroh wird täglich neu eingestreut.

Außerdem haben die Schweine 40 Prozent mehr Platz als in gewöhnlichen Ställen, werden zu 70 Prozent mit Eigenfutteranteil gefüttert und kommen mit Außenklima in Berührung durch offene Fenster oder Auslauf ins Freie. „Damit unterstützen wir die konventionellen Landwirte“, sagt Rohde. Mindestens ein Landwirt rufe ihn pro Woche an, um Vertriebspartner des Strohschwein-Projekts zu werden.

Das Projekt

Wie das Fleischwerk auf die Idee der Strohschwein-Wurst kam? „Wir haben überlegt, was der Zeitgeist ist“, sagt Rohde. Ergebnis: mehr Platz für Tiere, Haltung auf Stroh statt Spalten, wenig Transport-Stress für Tiere und Fleisch. „Und das Regionale hat bei unseren Kunden mehr Bedeutung als Bio.“

Entscheidend ist der Schlachthof. „Weil es in Hessen lange keinen passenden Schlachthof gab, konnten wir das regionale Projekt nicht starten.“ Deshalb begann vor zwei Jahren das Projekt Strohschwein-Wurst erst mal im Kleinen. Kooperationspartner war schon damals der Schlachthof Helwig in Ziegenhain, was kurze Transportwege garantierte.

Seit Helwig in Ziegenhain im November 2021 den neuen Schlachthof in Betrieb genommen hat, wird das Projekt weiter ausgebaut. Aktuell werden pro Woche 400 Strohschweine verarbeitet.

Der Schlachthof holt die Tiere auf den Höfen ab, schlachtet sie in Ziegenhain und liefert das Fleisch an das Edeka-Fleischwerk nach Melsungen. Ein enges Zeitfenster gibt es bei der Herstellung der Ahlen Wurscht, denn hierfür wird das Fleisch warm verarbeitet. Das bedeutet, dass die Tötung der Tiere maximal zwei Stunden her sein darf, bis das Fleisch in Melsungen ankommt.

162 Märkte machen mit

Mittlerweile machen 162 Märkte mit, die die Strohschwein-Produkte verkaufen, zum Beispiel Dünne Stracke, Bratwurst, Streichmettwurst, Römerbraten und Leberkäse.

Es werden neue Produkte entwickelt – manche werden wieder aus dem Sortiment gestrichen. „Unser Fleischkäse vom Strohschwein war bei den Kunden nicht so gefragt“, sagt Rohde. Grundsätzlich seien die Strohschweine „etwas teurer“, aber es sei konventionelle Ware in Top-Qualität.

Die Geschmäcker seien von Region zu Region unterschiedlich. In Kassel gehe die luftgetrocknete Wurst besser, im Schwalm-Eder-Kreis eher die Geräucherte. Und die Mittelhessen bevorzugen Fleischwurst. Und doch ist Fleischwerk-Prokurist Rohde überzeugt: Wer ein Ahle-Wurscht-Esser ist, der schmeckt einfach den Unterschied vom Strohschwein zum normalen Schwein.

Ahle Wurscht aus schweren Schweinen

3 Jahre ist es her, dass sich die Edeka Hessenring die Marke „Melsunger Wurstmanufaktur“ hat patentieren lassen.

5 Landwirte aus Nordhessen liefern die Schweine, die zu Strohschwein-Wurst verarbeitet werden. Standorte der Ställe sind Malsfeld-Dagobertshausen, Niedenstein-Kirchberg, Knüllwald-Berndshausen, Frankenberg-Rodenbach und Hofgeismar-Carlsdorf.

20 fertige Produkte gibt es vom Strohschwein, darunter Heuschinken, Hausmacher-Bratwurst, Steichmettwurst und Römerbraten vom Thüringer Strohschwein.

30 sogenannte schwere Strohschweine werden im Monat für die Herstellung der Ahlen Wurscht geschlachtet. Sie kommen vom Hof Hofmeyer aus Carlsdorf bei Hofgeismar. Das Fleisch wird warm verarbeitet, wird also nach dem Schlachten noch warm aus dem Schlachthof in Schwalmstadt nach Melsungen geliefert.

180 Kilo Lebendgewicht bringen die schweren Strohschweine auf die Waage, die zu Ahler Wurscht verarbeitet werden.

400 Schweine werden pro Woche im Fleischwerk in Melsungen als Strohschweine verarbeitet. Mit 80 Tieren pro Woche hatte es angefangen.

Mini-Würstchen heißen wie der Sohn des Produktionsentwicklers

Immer wieder werden neuen Produkte aus den Strohschweinen entwickelt. Und die brauchen einen Namen, um eine Marke werden zu können wie die Kinderwürstchen, die als „Joe’s Würstchen Zwerge mit Strohschwein-Fleisch“ in den Theken liegen. Warum der Name Joe’s Würstchen? Das geht auf Produktionsentwickler Thomas Ide aus Knüllwald zurück.
Dessen Sohn gehört zur Zielgruppe der Würstchen – und schon war der Name für die neuen Brühwürstchen im Miniformat gefunden, berichtet Norbert Rohde vom Fleischwerk.

(Claudia Feser)

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