Monatshygiene-Artikel

Grüne fordern Tampons in Toiletten in Schulen und öffentlichen Gebäuden

Hellen Bockskopf,  Fraktionsvorsitzende  der Grünen, mit einer Hand voll Tampons vor der öffentlichen Toilette an der Sandstraße in Melsungen.
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Die Melsunger Grünen wollen, dass Damen-Hygieneartikel wie Tampons und Binden in Sanitäranlagen der weiterführenden Schulen und öffentlichen Gebäuden in Melsungen ausliegen. Im Bild Fraktionsvorsitzende Hellen Bockskopf vor der öffentlichen Toilette an der Sandstraße.

Die Melsunger Grünen fordern, dass Damentoiletten in weiterführenden Schulen und öffentlichen Gebäuden mit Tampons und Binden ausgestattet werden.

Melsungen - Diesen Antrag auf kostenfreie Binden und Tampons will die Fraktion in der nächsten Stadtverordnetenversammlung Anfang Juli stellen. Unterwegs von der plötzlich einsetzenden Monatsregel überrascht zu werden – „es gibt nichts Peinlicheres für ein Mädchen oder eine Frau“, sagt Fraktionsvorsitzende Helen Bockskopf.

Die Grünen nehmen in ihrem Antrag unter anderem Wiesbaden als Vorbild, wo das Parlament bereits beschlossen habe, Tampons und Binden kostenlos zur Verfügung zu stellen. Denn viele Frauen und Mädchen könnten sich die Produkte nicht leisten und griffen, gerade in Schultoiletten, auf Klopapier zurück oder trauten sich nicht aus dem Haus. „Das stellt eine klare Geschlechterbenachteiligung dar.“

Kostenlose Tampons und Binden an Schulen in Melsungen

Nach HNA-Recherchen gibt es keinen Beschluss des Stadtparlaments in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Dort hat sich im März 2021 lediglich der Ausschuss für Frauen damit beschäftigt. Wann es Thema im Parlament sein wird, steht noch nicht fest, teilt eine Pressesprecherin der Stadt mit.

Fakt ist aber, dass im Februar ein Pilotprojekt an einem Gymnasium in Wiesbaden gestartet wurde: Der Stadtschülerrat, das Jugendparlaments und die Schülervertretung des Gymnasiums statten Tampons und Binden auf der Mädchentoilette im Oberstufengebäude aus.

In Schottland gibt es seit 2018 kostenlose Menstruationsprodukte an Schulen und Universitäten, in Neuseeland gibt es dies an Schulen, und auch in Deutschland gibt es beispielsweise am Gymnasium in Wasserburg/Bayern ein solches Projekt.

Kostenlose Periodenprodukte für Schulen in Melsungen

„Auch Melsungen soll diesem Beispiel folgen und allen Mädchen und Frauen den kostenfreien Zugang zu Hygiene-Artikeln ermöglichen“, heißt es im Antrag der Melsunger Grünen. Fraktionsvorsitzende Bockskopf ergänzt, dass diese Toiletten besonders gekennzeichnet sein könnten.

Ihr Vorschlag: Die Reinigungskräfte in den Schulen und der öffentlichen Toiletten sollten das Bestücken übernehmen. „Sie füllen ja auch immer das Toilettenpapier auf – das muss dann bei Hygieneartikeln ebenfalls ein Automatismus sein.“ Ihrer Meinung nach könnten für Gefäße, Ausstattungen und Hinweisschilder 2000 Euro pro Jahr nötig sein. Laut Grünen-Antrag gibt eine Frau im Schnitt 28 Jahren lang bis zu 500 Euro jährlich für Monatshygiene-Artikel aus.

Mit ihrem Antrag wollen die Grünen das Thema aus der Tabuzone führen und für einen Mehrheit im Parlament werben. Das ist aber mehrheitlich von Männern besetzt: Von den 37 Abgeordneten (ohne Magistrat) sind nur zehn weiblich. Die beste Frauen-Quote haben die Grünen mit 66,7 Prozent. Schlusslichter sind die Mehrheitsfraktion der SPD mit 7,1 Prozent (eine Frau und 13 Männer) und die FWG (null Prozent Frauen).

Auch die Kasselerin Mimi Lindgren kämpft gegen Periodenarmut und möchte das Thema Menstruation enttabuisieren. Deshalb hat sie eine Petition im Bundestag eingereicht. (Claudia Feser)

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