Tangomesse begeisterte das Publikum in der Melsunger Stadtkirche

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Viele Mitwirkende: Die Tangomesse in der Stadtkirche – aufgeführt von der Melsunger Musikantengilde, dem Kammerorchester Louis Spohr, den Mitgliedern des Trios L‘art de Passage und Gastsolisten – begeisterte das Publikum.

Melsungen. Frenetischen Applaus ernteten die Mitwirkenden am Samstagaben in der Melsunger Stadtkirche für ihre Darbietung der Misa a Buenos Aires von Martin Palmerei.

Es war eines jener Konzerte, bei dem sich die Anzahl des Bühnenpersonals nur unwesentlich von der Menge der Gäste unterschied. Um für das von Martin Palmerei komponierte Orchesterwerk „Misa a Buenos Aires“ eine schlagkräftige Mannschaft in die Arena schicken zu können, bedarf es einer umfassenden Aquise.

Der heikle Marathon durch das argentinische Gefühlslabyrinth benötigt einen opulenten Klangkörper, sensible Vasallen und virtuose Solisten, die sich darauf verstehen, sakrale Wucht mit der Intimität mikrokosmischer Leidenschaft vereinen zu können. Zwei Liebende, die beim erotischen Spiel zwischen routinierter Berührung und jazzharmonischer Wildheit ihre Körper aneinander reiben wie die Tänzer des Tango nuevo.

Dies gelang den Sängerinnen und Sängern der Melsunger Musikantengilde, dem Kammerorchester Louis Spohr, den Mitgliedern des Trios L‘art de Passage und den vielen Gastsolisten am Samstagabend in der ausverkauften Stadtkirche in Melsungen aufs vortrefflichste.

Unter dem temperamentvollen und souveränen Dirigat von Eva Gerlach begeisterten die Protagonisten mit sauberer Intonation und einer lebendigen Darbietung der höchst anspruchsvollen Arrangements, die bei der Formung zahlreicher Koalitionen ihre energetischen Reize offenbarten.

Akkordeonist Thomas Morgenstern und Stefan Kling am Piano injizierten dem klerikalen Echo über Kompositionen von Astor Piazolla archetypische Improvisationskunst, während Mezzosopranistin Mareike Morr kraftvoll und mit viel Vibrato klassisches Terrain bediente.

Meisterlich Katalin Hercegh an der Violine. Im Ton die feurige Zigeunerin, in der Struktur die selbstbewusste Milonga-Interpretin. Friederike von Krosigk entlockte ihren Kastagnetten einige explosive Momente und gemeinsam mit der Schlagzeugerin Karoline Körbel und dem Gitarristen Felix Gerlach sorgten sie für rhythmische Raffinesse. Bei Schwermut und Kummer musste das Cello ran und Wolfram Geis brillierte dabei mit sauberem Strich.

Piazollas „Libertango" als Zugabe beschloss einen Abend, den man dem profunden Team des Kultursommers Nordhessen zu verdanken hatte.

Von Andreas Köthe

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