1. Startseite
  2. Lokales
  3. Melsungen
  4. Melsungen

Tausende Hektar Wald im Kreisteil Melsungen sind tot

Erstellt:

Von: Damai Dewert

Kommentare

Zarte Pflänzchen: Petra Westphal, Melsungens Forstamtsleiterin, in einem Eichenhain bei Schwarzenberg mit mehrjährigen Bäumen. Die jungen Bäume sind für Rehe so schmackhaft, dass sie eingezäunt werden müssen.
Zarte Pflänzchen: Petra Westphal, Melsungens Forstamtsleiterin, in einem Eichenhain bei Schwarzenberg mit mehrjährigen Bäumen. Die jungen Bäume sind für Rehe so schmackhaft, dass sie eingezäunt werden müssen. © Damai Dewert

Den Wäldern in Nordhessen geht es schlecht - mit der Wiederbewaldung sollen auch die Flächen im Kreisteil Melsungen an das Klima angepasst werden. Doch das wird noch Jahrzehnte brauchen.

Kreisteil Melsungen – 4000 Hektar Wald sind tot – nur auf der Fläche des Forstamts Melsungen. Das entspricht 6000 Fußballfeldern. 20 000 Hektar Waldfläche gibt es insgesamt im Forstamtsbezirk, der die Fläche des Kreisteils und Teile von Fuldabrück und Söhrewald umfasst.

Die vielen toten Bäume in unseren Wäldern sind nicht zu übersehen. Meistens sind es Fichten. Aber auch den Buchen in Nordhessen geht es schlecht. Und deren Geschichte ist lang. Schon die Römer prägten den Begriff Buchonia – Buchenau – für die Region.

Wer weiß, wie lange er noch passt. Denn der heimische Wald muss sich verändern, muss angepasst werden an die künftigen klimatischen Bedingungen: ein Mammutprojekt. „Es wird viele Jahre, sogar Jahrzehnte dauern“, sagt Petra Westphal, Leiterin des Melsunger Forstamts.

Wiederbewaldung ist mit viel Aufwand verbunden

Satellitenbilder zeigten das Ausmaß des Baumsterbens. 4000 der 20 000 Hektar Waldfläche im Gebiet des Forstamts Melsungen seien zerstört oder nicht mehr zu retten, sagt Westphal. Der Wald in der Region setze sich zu etwa jeweils 50 Prozent aus Laub- und Nadelbäumen zusammen. Unter den Nadelbäumen machen die Fichten mit 40 Prozent den größten Anteil aus. Die Buche komme etwa auf dieselbe Prozentzahl bei den Laubbäumen.

Die Wiederbewaldung sei ein komplexer und aufwendiger Prozess. Unterschieden werde zwischen der Naturverjüngung und der Aufforstung, sagt Westphal.

Bei der Naturverjüngung werden auf den Kahlflächen nicht Tausende junge Bäume gepflanzt, sondern beobachtet, welche Bäume natürlich austreiben. Um den gewünschten Baummix zu bekommen, sei ein enormer pflegerischer Aufwand nötig.

Hohe Kosten für Wiederbewaldung

Mehr als 250 Millionen Euro stelle die Landesregierung für den Umbau des hessischen Waldes zu einem klimastabilen Wald zur Verfügung, sagt Michelle Sundermann, Sprecherin von Hessenforst. In Hessen gibt es laut Sundermann im landeseigenen Wald 39 000 Hektar Kahlflächen und weitere 50 000 Hektar im Privat- und Kommunalwald. Etwa fünf Euro koste eine Pflanze. Seit drei Jahren würden jährlich etwa 5,5 Millionen Baume gepflanzt – genug für 1600 Hektar.

Insbesondere die Anfangsjahre sein seien schwierig, der Boden müsse sich erholen und die jungen Bäume gegen Verbiss geschützt werden. Nicht erwünschte Bäume würden auf den Flächen entfernt und vereinzelt auch gezielt Baumarten ausgepflanzt. Die vielen Kahlflächen im Gebiet des Melsunger Forstamtes seien zudem sehr unterschiedlich – es gebe nicht die eine Strategie.

Die Naturverjüngung sei zwar die bevorzugte Möglichkeit zur Wiederbewaldung, aber eben mit einem sehr hohen pflegerischen Aufwand verbunden. Wenn nicht gut gepflegt werden, breite sich beispielsweise sofort wieder die Fichte aus.

Saatgut für Wiederbewaldung ist rar

Gegenüber der Aufforstung sei die Naturverjüngung kostengünstiger. Außerdem sei das Saatgut knapp. Denn Eicheln sind schmackhaft und kostbar: Für die Aufforstung werden Hunderttausende junge Bäume im Forstamt Melsungen benötigt. Hessenforst pflanzt aktuell jährlich etwa 5,5 Millionen Bäume in Hessen.

„Der Markt ist leer. Unsere Baumschule in Hanau arbeitet an der Kapazitätsgrenze“, sagt Michelle Sundermann, Sprecherin vom Landesbetrieb Hessenforst mit Sitz in Kassel. Die Pflanzen benötigten schließlich einige Jahre, bis sie ausgepflanzt werden könnten. „Wir denken daher auch in Zeiträumen von 100 Jahren und mehr.“

Anzahl gesucht: Winfried Jörg, Bereichsleiter für Dienstleistungen und Hoheit bei Hessenforst im Forstamt Melsungen mit einem Sack Eicheln, die im Wald bei Melsungen gesammelt wurden.
Anzahl gesucht: Winfried Jörg, Bereichsleiter für Dienstleistungen und Hoheit bei Hessenforst im Forstamt Melsungen mit einem Sack Eicheln, die im Wald bei Melsungen gesammelt wurden. © Damai D. Dewert

Es könnten auch nicht einfach Eicheln gesammelt oder gekauft werden, sagt Petra Westphal, Leiterin des Melsunger Forstamts. An das Saatgut würden und müssten höchste Ansprüche gesetzt werden. Denn, wenn sich ein junger Baum nicht wie gewünscht entwickele, seien mehre Jahre ins Land gegangen. Die Qualität sei daher wichtig.

Zum Einsatz komme zertifiziertes Saatgut – und es werde gesammelt. Das sei aufwendig und benötige viel Arbeitskraft. Bäume mit energiehaltigen Samen produzieren nur in Mastjahren viele Samen. Dieser Zyklus sei unregelmäßig. Es könnten also nicht immer Samen wie Kastanien und Eicheln gesammelt werden.

Sind genügend junge Eichen verfügbar, werden sie in Reihen gepflanzt. Etwa 50 Zentimeter Platz zwischen den Pflanzen und zwei Meter zwischen den Reihen. 8000 Bäume und mehr wüchsen so auf einem Hektar. Sowohl für das Sammeln der Samen und das Pflanzen werde Fachpersonal benötigt. Auch das sei endlich. Die Aufforstung werde daher noch Jahrzehnte benötigen. (Damai D. Dewert)

Auch interessant

Kommentare