Barrierefreiheit in der Innenstadt

Test zur Barrierefreiheit in der Melsunger Innenstadt: So lautet das Ergebnis 

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Veranstaltungen im Schlosspark kann Robert Weck wieder besuchen, seitdem die Eingangsstufen zum Park entfernt und die Steine auf dem Boden erneuert wurden. Jetzt haben sie eine glatte Oberfläche.

Im Test: Die Innenstadt von Melsungen. Wie barrierefrei ist die Innenstadt wirklich? Der Behindertenbeauftragte der Stadt berichtet.

  • Die Barrierefreiheit der Innenstadt Melsungen im Test
  • Der Melsunger Behindertenbeauftragte Robert Weck berichtet
  • Besonders schwerer Zugang zu Geschäften, Gaststätten und Ärzten

Melsungen - Gemütlich durch Melsungen bummeln, in Geschäften stöbern und im Restaurant essen: Das ist für die meisten Melsunger kein Problem. Anders sieht die Welt für Robert Weck aus Melsungen aus. Er sitzt seit einem Unfall im September 2002 im Rollstuhl. Er erklärt, welche Alltagssituationen Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen in Melsungen vor Herausforderungen stellen.

Test in Melsungen: Barrierefreiheit in der Innenstadt - Kopfsteinpflaster stört

Bei unserem Rundgang durch die Stadt Melsungen fällt eines sofort auf: Kopfsteinpflaster so weit das Auge reicht. „Das wackelt und vibriert am ganzen Körper. Und um den Rollstuhl zu schieben, muss ich viel Kraft aufwenden“, sagt Robert Weck, der auch Behindertenbeauftragter der Stadt Melsungen ist. Ein Grund, weshalb er sich Speedy kaufte, ein elektrisches Zuggerät zur Ankupplung an manuelle Rollstühle.

Stufen vor Eingängen: Durch Geschäfte in der Stadt bummeln, ist für Robert Weck mit Aufwand verbunden.

Doch auch mit Speedy kann Weck Treppenstufen vor Geschäften, Gaststätten und dem Rathaus nicht steigen. „Wenn ich ins Rathaus möchte, dann kann ich außen an einer tiefgelegenen Klingel schellen“, erklärt Weck. Doch der Bereich vor der Klingel sei oft zugestellt, und er könne nicht nah genug an die Klingel fahren, um zu Drücken. Auch der Besuch von Gaststätten fällt für ihn häufig flach, da die Toiletten oft im Keller sind.

Unebenheiten und Lücken: Sie kosten Fahrer von Rollatoren, Rollstühlen und Kinderwagen viel Kraft.

Test in Melsungen für mehr Barrierefreiheit in der Innenstadt

Barrierefreiheit bedeutet für mich, dass Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft teilhaben können.“ Deshalb habe er sich in den vergangenen 13 Jahren als Behindertenbeauftragter eingesetzt für barrierefreie Bauweisen in Melsungen. 

So sind die Bordsteine in der gesamten Innenstadt abgesenkt worden, und alle Apotheken sind mit einem Rollstuhl zugänglich. Auch tauschte die Stadt auf manchen Wegen, beispielsweise am Sparkassenplatz, das Kopfsteinpflaster gegen einen Plattenweg mit glatter Oberfläche aus.

Test-Ergebnis: Barrierefreiheit bei Ärzten in Melsungen oft nicht vorhanden

„Ich kann auch endlich wieder zu Veranstaltungen in den Schlosspark fahren, seit die Eingangsstufen entfernt und der Boden ausgetauscht wurde“, sagt Weck und freut sich. Auch sei die Behindertentoilette auf dem Rathausplatz eine große Bereicherung. 

https://www.hna.de/lokales/melsungen/felsberg-hessen-ort305307/mann-unfall-felsberg-schwer-verletzt-polizei-feuerwehr-13548159.html

Doch der Rollstuhl stellt ihn immer wieder vor ein besonders großes Problem, wenn ein Arztbesuch ansteht: „Menschen im Rollstuhl haben keine freie Arztwahl.“ Weder ein Gynäkologe, Urologe noch ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt seien in Melsungen barrierefrei. 

„Beim jüngsten Arztbesuch musste ich extra nach Bad Wildungen fahren“ fügt er hinzu. Die Auswahl an Hausärzten und Fachärzten sei ebenfalls sehr gering. Doch Robert Weck nimmt seine Einschränkung im Rollstuhl stets mit Humor: „Einmal habe ich in der Bank eine fremde Person gefragt, ob sie für mich Geld abheben könnte, da der Bildschirm aus meiner tiefen Perspektive zu dunkel war. Das hat auch gut funktioniert.“

Von Carolin Eberth

Auch andere Städte im Kreis Kassel wurden auf ihre Barrierefreiheit hin getestet. 

Nicht nur für Menschen soll die Barrierefreiheit in Stadt und Landkreis verbessert werden. Auch für Tiere ist eine Verbesserung geplant.

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