Bislang vier Einsätze - weitere werden folgen

THW Melsungen hilft Flutopfern im Ahrtal

Sie waren im Einsatz: hintere Reihe von links Markus Zilch (Zugführer Melsungen), Alexander Priebe, Michel Horchler (alle Ortsverband Melsungen), Sarah May, Jan-Hendrik Laabs, Justin Doroschenko, Daniel Liebermann und Thorsten Mattern (alle Ortsverband Homberg), vordere Reihe von links Thomas Perleth, Sylvio Hertwig, Jürgen Hachmeyer (alle Melsungen), Axel Storck und Ulrich Franke (beide Homberg).
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Sie waren im Einsatz: hintere Reihe von links Markus Zilch (Zugführer Melsungen), Alexander Priebe, Michel Horchler (alle Ortsverband Melsungen), Sarah May, Jan-Hendrik Laabs, Justin Doroschenko, Daniel Liebermann und Thorsten Mattern (alle Ortsverband Homberg), vordere Reihe von links Thomas Perleth, Sylvio Hertwig, Jürgen Hachmeyer (alle Melsungen), Axel Storck und Ulrich Franke (beide Homberg).

Nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal war das Technische Hilfswerk Melsungen bislang zu vier Einsätzen dort - und die Helfer werden wohl bald wieder ausrücken.

Melsungen - Das Technische Hilfswerk Melsungen (THW) ist wieder zurück aus dem Ahrtal. Es war der vierte Einsatz, bis Dienstag waren die Melsunger rund um Dernau im Landkreis Ahrweiler im Einsatz, mit Ausrüstung und Fahrzeugen. „Und es wird noch weitere Einsätze geben“, berichtet Alexander Priebe vom THW Melsungen. Denn jede Woche wird das Melsunger THW, das auf Wasserschäden und Pumpen spezialisiert ist, von den Landkreisen im Überflutungsgebiet angefragt. Und Priebe sagt: „Je mehr man aufräumt, desto mehr sieht man die Schäden.“

Neuneinhalb Meter war die Flutwelle, die Mitte Juli nach Starkregen durchs Ahrtal geflossen war und massive Schäden angerichtet hat. Die Schäden musste Niklas Vaupel, der Baufachberater des Melsunger THW, begutachten. Er prüfte die Statik von Häusern auf Schäden und Standfestigkeit. Viele sind nicht mehr zu retten. Beim jüngsten Einsatz musste das Melsunger THW wieder Keller auspumpen. Sie waren nicht immer noch voll, sondern schon wieder, berichtet Alexander Priebe. „Die Kanalisation ist noch so mit Schlamm verstopft, dass ein starker Regen ausreicht, um die Keller volllaufen zu lassen.“ Priebe hat beim Einsatz Ende Juli beispielsweise eine Tiefgarage gesehen, die so voller Schlamm war, dass erst wieder Wasser hineingepumpt werden musste, um den Schlamm rauszuholen. Denn der Schlamm härtet aus. Dabei besteht immer die Gefahr, dass vermisste Personen auftauchen. Laut Alexander Priebe hätten die Melsunger THWler aber noch keinen Toten gefunden.

Bei den vier Einsätzen des Melsunger THW waren bislang 23 Ehrenamtliche im Ahrtal. Ohne das Entgegenkommen ihrer Arbeitgeber wäre die Hilfe der ehrenamtlichen THWler nicht möglich, betont Priebe. Die Einsätze waren körperlich sehr anstrengend, die Ehrenamtlichen hatten Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tage. Untergebracht waren sie in Gruppenzelten, die für die THW-Helfer in der Boxengasse auf dem Nürburgring aufgestellt waren. Sie haben viel Leid gesehen, aber auch große Dankbarkeit der Menschen gespürt.

Den Gestank hat Alexander Priebe immer noch in der Nase, auch wenn sein Einsatz fürs THW im Ahrtal bereits vier Wochen zurückliegt. Denn im Hochwasser-Schlamm steckt eine Mischung aus Treibstoff, Heizöl, Fäkalien, Tierkadavern. Und der Gestank klebt an allem, was mit der Schlammbrühe in Verbindung gekommen ist.

Das Hochwasser hatte nach den langen Starkregen Mitte Juli alles mitgerissen, was ihm im Weg stand: Brücken, Häuser, Transporter. „Selbst Container von Schiffen, die plötzlich in einer Garage feststeckten.“ Priebe und seine Kollegen vom Melsunger THW haben in vier mehrtägigen Einsätzen geholfen, den Schutt von den Straßen zu räumen – und die Experten im Bereich Wasserschaden/Pumpen haben viele, viele Keller leer gepumpt.

Drahtseile gegen die Flut: Das THW Melsungen hat eine Behelfsbrücke für Fußgänger über die Ahr gesichert.

Beim jüngsten Einsatz, der am Dienstag endete, wurden unter anderem die Fußböden und Trockenbauwände einer Schule abgerissen, berichtet Priebe, der beim THW für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Außerdem musste eine Behelfsbrücke für Fußgänger über die Ahr mit Drahtseilen am Ufer gesichert werden, damit ein möglicher weiterer Starkregen sie nicht mitreißt. Und in einem Bürgerhaus mussten die Melsunger THWler Türen für neue Sanitäranlagen ausmessen. Außerdem waren sie für das Freiräumen der Laubkörbe in Gullydeckeln zuständig. Dafür mussten die vier THWler aus Melsungen mit ihrem Einsatzfahrzeug alle Straßen in dem 1700 Einwohner-Dorf Dernau abfahren und jeden Gully kontrollieren, damit das Abwasser wieder ungehindert laufen kann. Auch nach mehr als sechs Wochen sind die Helfer noch damit beschäftigt, den Schutt von den Straßen und Grundstücken zu räumen. „Es ist so unfassbar viel Schutt angefallen“, berichtet Alexander Priebe. Er ist zwar schon etliche Jahre beim THW, aber beim Einsatz im Ahrtal wurde ihm wieder bewusst: „Man kann gegen alles etwas tun, gegen Feuer und Wind. Aber gegen Wasser ist man machtlos.“

Die Zusammenarbeit hat immer gut geklappt, bilanziert Alexander Priebe, insbesondere mit den THW-Kollegen aus anderen Ortsverbänden. „Du hast auch was Blaues an, dann sind wir Freunde“, scherzt Priebe, der beim zweiten Einsatz des Melsunger THW in Rheinland-Pfalz war.

Noch mindestens ein Mal muss das THW wieder ins Krisengebiet. Dann werden die Melsunger zum Beispiel im Bereich Sprechfunkbetrieb unterstützen. Weitere Einsätze werden hinzukommen. Da die Melsunger aber eine Anfrage pro Woche erhalten, „zählen wir die Tage, bis wir zum nächsten Einsatz fahren“. (Claudia Feser)

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