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Trauernder Schwan blockiert Gleis bei Melsungen - wollte nicht von Seite seines toten Partners weichen

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Von: Damai Dewert

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Auf der Fulda zuhause: In Melsungen sieht man immer Schwanenpaare, die ihre Jungen großziehen. Unser Bild zeigt ein Paar Höckerschwäne 2020 mit ihrem Nachwuchs auf der Fulda in Melsungen.
Auf der Fulda zuhause: In Melsungen sieht man immer Schwanenpaare, die ihre Jungen großziehen. Unser Bild zeigt ein Paar Höckerschwäne 2020 mit ihrem Nachwuchs auf der Fulda in Melsungen. © Carolin Hartung

Die Melsunger Polizei musste einen Schwan einfangen, der seinen getöteten Partner auf Bahngleisen bei Röhrenfurth betrauerte. Es kam in der Folge zu Zugverspätungen.

Melsungen – Ein trauernder Schwan bei Melsungen hat für Zugverspätungen gesorgt. Einer aufmerksamen Passantin ist es nach Angaben der Polizei zu verdanken, dass am vergangenen Dienstag ein Schwan aus einem Gleisbett gerettet werden konnte. Der weibliche Schwan bewachte seinen toten Partner. Dieser muss wohl mit einem Zug zusammengestoßen sein. Am gestrigen Donnerstag wurde die unverletzte, aber noch trauernde Schwandendame in die Freiheit entlassen.

Laut Thekla Pfeiffer von der Wildtierauffangstation in Bad Wildungen wäre die Schwanendame sicher auch von einem Zug erfasst worden. Denn ein trauernder Schwan bleibe schon mal bis zu 24 Stunden bei seinem toten Partner. Die etwa zwei Jahre alte Schwanendame wurde am Dienstag in die Obhut von Thekla Pfeiffer gebracht.

Melsungen: Schwanen-Rettung gestaltet sich schwierig

Wobei es nach Aussage der Polizei alles andere als einfach war, die Schwanendame einzufangen. Die Beamten der Polizeistation Melsungen veranlassten über die zuständige Bundespolizei eine sofortige Streckensperrung der Bahnlinie. Bis zur Sperrung verscheuchte die Polizeistreife den Schwan immer wieder von dem Gleisbett, sodass er nicht überfahren wurde. Es war aber offensichtlich, dass sie zu ihrem toten Partner wollte. Aber es gelang den Beamten, den toten Schwan zu bergen.

Da sich der zweite Schwan allerdings nicht von der Bahnlinie entfernte und scheinbar am Bein verletzt war, entschied sich die Polizeistreife dazu, den zweiten Schwan einzufangen. Der Schwan konnte nicht die nötige Geschwindigkeit aufbringen, um sich in die Luft zu erheben, sich aber erstaunlich gut wehren.

Das Einfangen des Schwans gestaltete sich daher schwierig – schlussendlich gelang es den Beamten mit einer Decke und einem Karton das Tier zu fangen und zu beruhigen. Decke und Karton hatte ein Anwohner zur Verfügung gestellt.

Melsungen: Verletzter Schwan in Tierheim

Anschließend wurde der verletzte Schwan dem Tierheim in Beuern übergeben, das sich bereit erklärt hatte, den Schwan aufzunehmen und medizinisch zu versorgen. Ulrike Schmiedel vom Tierheim Beuern brachte den Schwan dann aber in die Wildtierauffangstation nach Bad Wildungen. „Es war wirklich traurig, zu sehen, wie sehr der Schwan trauert“, sagte Schmiedel. Aber an den Gleisen sei es lebensgefährlich gewesen.

Die Schwanendame sei aber nicht verletzt gewesen, sondern besudelt mit dem Blut ihres Partners, berichtet Thekla Pfeiffer. Nach einer gründlichen Reinigung und etwas zu Essen sei es der Schwanendame schon besser gegangen. Die Trauer habe sie dem Tier aber angemerkt. Sollte das Schwanenpaar Junge gehabt haben, wären diese mittlerweile flügge und selbstständig, sagt Pfeiffer. Sie habe den Schwan an der Eder an einem Teich in die Freiheit entlassen. Dort seien immer auch andere Jungtiere. Es sei durchaus üblich, dass die monogam lebenden Tiere nach einer Zeit der Trauer einen neuen Partner fänden. Sie sei zuversichtlich, handele es sich doch um eine junge Schwanendame.

Höckerschwäne werden bis zu 20 Jahre alt. Mit einem Flügelschlag können die Tiere einem erwachsenen Menschen einen Knochen brechen. (Damai Dewert)

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