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Melsunger Helfer berichten von Rettungsfahrt

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Von: Damai Dewert

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In Sicherheit: Ukrainische Geflüchtete in der Nähe von Krakau. Die Melsungerin Ewa Moskal hilft mit ihrem Bruder den Menschen.
In Sicherheit: Ukrainische Geflüchtete in der Nähe von Krakau. Die Melsungerin Ewa Moskal hilft mit ihrem Bruder den Menschen. © Marcin Strzesak

Die Hilfsbereitschaft ist ungebrochen: Irina Vogt (48) aus Wollrode ist mit Josef und Ferdinand Heuß und einem Reisebus an der ungarisch-ukrainischen Grenze.

Melsungen – Sie wollen Freunde und Kollegen von Ferdinand Heuß nach Melsungen holen.

Die Rettungsfahrt

Gut zwölf Stunden warteten sie im ungarischen Barabás auf Ferdinand Heuß. Der Bruder sei direkt nach ihrer Ankunft im Morgengrauen in die Ukraine gelaufen, um seine Freunde einzusammeln. Bis zum frühen Abend hatte er alle beisammen. Auf der ukrainischen Seite spielten sich ständig dramatische Szenen ab, berichtet Irina Vogt. So nähmen sie eine junge Frau und ihr Baby mit.

Die beiden und der Mann hatten nach einer sicheren Mitfahrt nach Deutschland gesucht. Ferdinand Heuß bot ihnen einen Platz an. „Die Frau ist vor Erschöpfung und Erleichterung fast ohnmächtig geworden“, erzählt Irina. Die junge Mutter habe ihr Glück kaum fassen können, gratis mitfahren zu dürfen. „Und dann hatten wir auch noch Essen für sie und ihr Baby“, sagt Irina Vogt.

An der Grenze hat die ungarische Caritas eine kleine Erstaufnahmestelle eingerichtet. Dort hätten sie Buletten an Kinder verteilt und mit ihnen gespielt, erzählt die Wollröderin weiter. In der Einrichtung arbeitet auch die deutsche Anna mit. Die 26-Jährige wollte eigentlich durch Europa reisen, habe sich aber spontan entschieden, zu helfen.

Ständig kämen neue Menschen über die Grenze, berichtet Anna. Aktuell seien etwa 100 vor Ort. Sie würden die Menschen registrieren, ihnen etwas zu Essen geben und die Weiterfahrt organisieren. Die Kommunen leisteten einen super Job. Mit Bussen gehe es in den nächsten Ort, von dort gebe es kostenlose Züge für die Menschen.

Sie selbst könne bei der Kindertagesstätte mitessen und es gebe Unterkünfte für die Helfer. Alles laufe sehr gut organisiert und weitgehend entspannt ab, berichtet Anna.

Während Anna berichtet, bereitet Irina Vogt alles für die Rückfahrt vor. So würden alle, die mitfahren, einen Coronatest machen müssen. „Falls jemand positiv ist, müssen wir eben alle FFP2-Masken tragen. Wir lassen niemanden zurück“, sagt die 48-Jährige.

Rührend fand sie eine Aktion von einigen Ungarn, die gekommen seien und viele kleine Blumentöpfchen gehabt hätten. Für jede Frau habe es zum Weltfrauentag ein kleines Blümchen gegeben. „Hier ist so viel Hoffnung“, sagt Irina Vogt. 40 Sitzplätze gebe es im Bus. „Wir dürfen 48 Personen im Bus mitnehmen und werden das auch.“ Es seien jetzt sehr viele Kinder an Bord.

Essen vorbei gebracht: Irina Vogt und Josef Heuß in Barabás mit Kindern in der Erstaufnahmestelle.
Essen vorbei gebracht: Irina Vogt und Josef Heuß in Barabás mit Kindern in der Erstaufnahmestelle. © Privat

Der Hilfstransport

Gute Nachrichten in schweren Zeiten hat auch Grzegorz Blaz von der Pension Alten Scheune in Melsungen. Seine Mitarbeiterin Ewa Moskal hatte privat einen Hilfstransport nach Krakau organisiert. Ihr Bruder Marcin Strzesak und Freunde hätten dort unter anderem eine Wohnung für geflüchtete Frauen und Kinder aus der Ukraine eingerichtet.

„Die Hilfsgüter seien begeistert in Empfang genommen worden“, sagt Blaz, der für seine Mitarbeiterin dolmetscht. „Alle waren total gerührt und überwältigt von der Hilfsbereitschaft.“ Die Kinder könnten in Polen die Schule besuchen.

Alle versuchten, ein bisschen Normalität einkehren zu lassen. Ewa Moskal sammele aktuell erneut Hilfsgüter für einen Transport am Samstag. Benötigt würden Spielsachen, Decken, Bezüge, Leintücher und Hygieneartikel wie Damenbinden.

Kleidung sei aktuell genügend vorhanden. Beim letzten Mal seien sie von der Menge der gespendeten Sachen schier überwältigt gewesen. Daher habe seine Frau einen Zeitraum für die Abgabe eingerichtet und einen Helfer abgestellt.

Die Rettungsfahrt von Barabás nach Melsungen.
Die Rettungsfahrt von Barabás nach Melsungen. © HNA

Spenden: Wer also Spenden möchte, kann das bei der Pension Alten Scheune in Melsungen von Mittwoch bis Freitag jeweils in der Zeit von 15 bis 18 Uhr. (Von Damai D. Dewert)

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