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Ukrainische Kinder kommen an die Schulen im Kreis

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Von: Hannah Köllen

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Neuzugang an der Heiligenbergschule in Gensungen: Polina (9, links) ist aus Nikopol in der Ukraine nach Felsberg gekommen. Melody (9) spricht russisch und hilft ihrer neuen Mitschülerin nun im Unterricht.
Neuzugang an der Heiligenbergschule in Gensungen: Polina (9, links) ist aus Nikopol in der Ukraine nach Felsberg gekommen. Melody (9) spricht russisch und hilft ihrer neuen Mitschülerin nun im Unterricht. © HANNAH KÖLLEN

Der Ukraine-Krieg stellt auch die Schulen im Schwalm-Eder-Kreis vor Herausforderungen. An den Schulen werden immer mehr ukrainische Kinder angemeldet. Kinder, die im Landkreis als Flüchtlinge angekommen sind, und nun zur Schule gehen sollen.

Schwalm-Eder - Unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit und ihrem Geburtsland sind Kinder in Deutschland schulpflichtig, sobald sie eine gültige Aufenthaltserlaubnis haben.

„Bisher sind an 18 Schulen im Schwalm-Eder-Kreis ukrainische Kinder und Jugendliche angemeldet worden“, sagt Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamts in Fritzlar. An den Schulen bestehe eine hohe Bereitschaft, die Kinder aus der Ukraine aufzunehmen. Ziel sei es, sie schnell an den Schulen zu integrieren. „An den Schulen im Schwalm-Eder-Kreis sind bereits 51 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine angemeldet“, sagt Uhde. Das Staatliche Schulamt rechne damit, dass diese Zahl noch steigen werde.

„Im Regelfall werden diese Schüler zunächst in Sprachintensivklassen und Intensivkursen unterrichtet. Dort lernen sie insbesondere Deutsch. Es gibt aber auch Schulen, an denen die ukrainischen Kinder in regulären Klassen aufgenommen werden und in einem Teil der Stunden gesondert Sprachunterricht erhalten“, sagt Uhde. An den Schulen im Schwalm-Eder-Kreis gebe es aktuell insgesamt 32 Intensivklassen und Intensivkurse.

Schulamt geht von erhöhtem Bedarf an Lehrern aus

Uhde geht davon aus, dass es mittlerweile an allen Schulen Lehrer gibt, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten können. In den vergangenen Jahren habe es intensive Qualifizierungsmaßnahmen gegeben. „Ein erhöhter Personalbedarf ist allerdings wahrscheinlich“, sagt Uhde. Er ruft deshalb Menschen mit Qualifikationen im Bereich Deutsch als Zweitsprache beziehungsweise Deutsch als Fremdsprache auf, sich an das Staatliche Schulamt oder aber direkt an die Schulen vor Ort zu wenden.

„Eine große Hilfe sind aktuell auch die Lehrer an den Schulen, die russischsprachig sind“, sagt Uhde. Diese seien in der Betreuung der Kinder aus der Ukraine sehr engagiert.

Bereits 51 ukrainische Kinder an Schulen im Kreis

Ein Aufatmen ist an den Schulen im Schwalm-Eder-Kreis nicht in Sicht: Seit zwei Jahren pandemiegebeutelt, stehen sie nun vor der nächsten Herausforderung: Die ukrainischen Kinder und Jugendlichen, die im Landkreis ankommen, werden an den Schulen angemeldet.

Laut des Staatlichen Schulamts des Schwalm-Eder-Kreises seien bereits an 18 Schulen im Schwalm-Eder-Kreis insgesamt 51 Kinder und Jugendliche angemeldet. Die Schulen gehen davon aus, dass es in der nahen Zukunft noch wesentlich mehr Kinder werden.

Doch sind die Schulen gut genug aufgestellt, um die zusätzlichen Kinder betreuen zu können? Die HNA hat bei einigen Schulen im Kreisteil nachgefragt.

Spangenberg: An der Burgsitzschule seien bisher vier ukrainische Kinder angemeldet worden, berichtet Schulleiterin Sieglinde Strieder. „Ich weiß von zehn weiteren Kindern, die hier angekommen sind. Sie sind bisher aber noch nicht an unserer Schule angemeldet“, sagt Strieder. Die Kinder seien sehr herzlich von der Schulgemeinschaft empfangen worden. „Es wurden 20 Schulranzen gespendet. Alle waren gefüllt mit Süßigkeiten, Stiften und Schreibblöcken. Die Schüler haben den Kindern kleine Geschenke gebastelt und kümmern sich in den Pausen um die Neuankömmlinge. Auch die Schulsozialarbeiterin sei in engem Kontakt mit den Kindern. „Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Spangenberger und stolz auf unsere Schulgemeinde, die so unkompliziert zu helfen bereit ist“, sagt Strieder.

Die ukrainischen Kinder sprechen „kein Wort Deutsch“. Das sei eine „Mammutaufgabe für die Lehrer“, sagt Strieder. Die Kinder würden aktuell in einem Intensivkurs für bis zu zwei Stunden täglich Deutsch lernen. Sobald noch weitere Kinder an der Schule ankommen, wird es auch eine Intensivklasse geben, in der die ukrainischen Kinder unterrichtet werden.

Gensungen: Auch an der Heiligenbergschule sind bereits drei ukrainische Kinder angemeldet. Schulleiter Andreas Hellemann geht davon aus, dass in den kommenden Wochen noch weitere Anmeldungen folgen werden. Ihm sei vor allem wichtig, dass die ukrainischen Kinder einen guten Start an der Schule haben. „Wir schauen, dass sich auch unsere Schüler um die neuen Kinder kümmern. Das gelingt uns bisher gut.“ Die neuen Schüler lernen nun in einem Intensivkurs Deutsch. „Ob Lehrer, Eltern oder Schüler: Ich spüre auf allen Ebenen eine große Solidarität“, sagt Hellemann.

Melsungen: Erste Anmeldungen ukrainischer Kinder gibt es auch an der Gesamtschule Melsungen. Aktuell seien es sechs Kinder, sagt Schulleiter Dr. Matthias Bohn. „Das werden noch deutlich mehr“, ist er sich sicher. An der Schule gibt es bereits zwei Intensivklassen. Nun soll noch eine dritte für die ukrainischen Kinder hinzukommen. „Wir haben ein starkes Team mit Erfahrung in der Betreuung von Kindern aus Einwandererfamilien und Krisengebieten“, sagt Bohn. Doch das seien nicht genügend Lehrkräfte: „Wir sind dabei, neues Personal zu gewinnen.“

Felsberg: Die acht ukrainischen Kinder, die bisher an der Drei-Burgen-Schule in Felsberg angemeldet wurden, erhalten nun pro Woche fünf Stunden Deutschunterricht. „Wir gehen davon aus, dass noch mehr Kinder an unsere Schule kommen werden, sobald die ersten Geflüchteten in der Sporthalle in Felsberg ankommen“, sagt Schulleiter Karl-Werner Reinbold. Für die Zukunft sei auch eine Intensivklasse für die ukrainischen Kinder geplant. Einige Unterrichtsmaterialien habe die Schule jetzt bereits aus eigener Tasche finanziert. „Unser Förderkreis hat 500 Euro zur Verfügung gestellt. Das muss jetzt alles unbürokratisch und schnell gehen“, sagt Reinbold. Viele Schüler hätten auch Dinge von Zuhause für ihre neuen Mitschüler mitgebracht.

Guxhagen: An der IGS in Guxhagen gibt es bereits eine bestehende Intensivklasse und mehrere Intensivkurse. Bis jetzt sei ein ukrainisches Kind an der Schule angemeldet worden, sagt Schulleiter Hans Jürgen Werner. Drei Lehrer an der Schule können Deutsch als Zweitsprache unterrichten. „Wenn wir nun noch eine zweite Intensivklasse eröffnen, müssen wir schauen, wie wir das personell stemmen“, sagt Werner.

Schulanmeldung ukrainischer Kinder

Auf seiner Internetseite informiert das Staatliche Schulamt für den Schwalm-Eder-Kreis über die Aufnahme ukrainischer Kinder an den Schulen in der Region. Um ein Kind an einer Schule anmelden zu können, muss es als Geflüchteter gemeldet werden. Dies muss in der Meldebehörde der Stadt oder des Landkreises, in der das Kind unterkommt, geschehen. Anschließend erfolgt die Anmeldung beim zuständigen Schulamt und das Kind erhält eine Deutschförderung.

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