Ungeimpfte bleiben draußen

Melsunger Einzelhändler: Schleppendes Geschäft seit 2G-Regel

Wer nicht rein darf, wird bei Kiotronik in Melsungen draußen bedient, beispielsweise von Inhaberin Elke Rudolph.
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Wer nicht rein darf, wird bei Kiotronik in Melsungen draußen bedient, beispielsweise von Inhaberin Elke Rudolph.

Seit Montag gilt in Geschäften, die nicht zur Grundversorgung gehören, die 2G-Regel. Wer weder geimpft noch genesen ist, darf dort nicht mehr einkaufen. Die Händler im Altkreis Melsungen sorgen sich um ihr Weihnachtsgeschäft.

Altkreis Melsungen – „Ja, die Kundenfrequenz ist direkt zurückgegangen“, sagt zum Beispiel Thomas Jung, Inhaber der Modepalette Jung in Felsberg. Dass die Regelung unmittelbar vor Weihnachten greife, sei „schwierig“. „Aber ich versuche dennoch, positiv zu denken.“ Die Kunden zeigten in den ersten Tagen jedoch viel Verständnis dafür, dass sie Impf- und Personalausweis zum Einkaufen vorzeigen müssen, sagt Jung. „Diskussionen hatten wir bisher nicht. Die Kunden sind sehr gut vorbereitet.“

Auch im Schuhhaus Gibhardt in Melsungen habe sich die neue Regelung direkt an der Kundenzahl bemerkbar gemacht, berichtet Inhaber Gunter Gibhardt. „Am Montag lief es schleppend.“ Auf das Weihnachtsgeschäft werde sich das Ganze negativ auswirken, ist sich Gibhardt sicher. Dennoch habe auch er, genau wie die meisten der Kunden, Verständnis für die Maßnahme. „Wir müssen alles versuchen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.“ Dennoch: Es sei unfair, dass einige Branchen von der Regel ausgenommen seien und es wieder den Einzelhandel treffe. Man könne nun wirklich nicht davon sprechen, dass die Läden ein Infektionsherd seien. „Wir halten alle Hygienevorschriften ein.“

Beim Elektromarkt und Kiosk Kiotronik in Melsungen ist es trotz 2G-Regelung auch Ungeimpften möglich, einzukaufen – nämlich vor der Tür. „Ins Geschäft dürfen wir nur Geimpfte und Genesene lassen, deshalb bedienen wir die Ungeimpften draußen“, sagt Geschäftsführer Helmut Rudolph. Wenn jemand beispielsweise einen Toaster kaufen will, aber nicht ins Geschäft darf, dann bringen die Verkäufer verschiedene Modelle zur Auswahl vor die Tür. „Das ist zwar aufwendig, aber wenigstens können wir so alle Kunden erreichen.“

Die Stimmung unter den Kunden sei grundsätzlich gelassen, sagt Rudolph. „Aber tatsächlich mussten wir einige Kunden erst einmal über die Regelung aufklären. Viele wussten gar nicht, dass sie nur mit Impfpass oder Genesenennachweis rein dürfen.“

Teilweise sei man aber auch schon auf Unverständnis bei den Kunden gestoßen. „Dass wir für die Regeln nichts können, interessiert diejenigen dann nicht“, sagt Elke Rudolph.

Aber auch, wenn die Rudolphs weiterhin alle Kunden bedienen, seien die Umsätze zurückgegangen. Das Problem: Spontankäufe, beispielsweise von Weihnachtskarten an der Kasse, blieben gänzlich aus. „Und das merken wir sehr“, sagt der Geschäftsmann.

Positiv überrascht war indes Heike Hofer von der Modeboutique Fysel in Melsungen vom ersten Tag unter 2G-Regelung. Das Geschäft sei zum einen gut besucht gewesen und zum anderen hätten die Kunden auch schon direkt den Impfpass in der Hand gehabt. „Wie sich das jetzt langfristig entwickelt, kann ich nicht sagen, aber es ist erst einmal gut angelaufen.“ Ungeimpfte können bei Fysel über einen Online-Shop einkaufen, den es seit März dieses Jahres gibt. Wer dort bestellt, kann die Kleidung entweder beim Laden abholen oder sich nach Hause schicken lassen. Auch ist es möglich, die Boutique per WhatsApp zu kontaktieren. „Wir schicken auch gern Bilder der Kleidungsstücke zu.“ (Carolin Hartung)

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