Der Bedeutung auf der Spur

Ungewöhnliche Straßennamen: "Zur Schlade" war Sumpfgebiet der Fulda

+
Fragt sich schon immer, was hinter dem Straßennamen steckt: Thomas Mardorf aus Melsungen wohnt „Zur Schlade“.

Melsungen. In unserer Serie „Straßennamen aufgedeckt“ gehen wir der Bedeutung von ungewöhnlichen Straßennamen im Kreisteil auf die Spur.

Auf unseren Aufruf hat sich der Melsunger Thomas Mardorf gemeldet. Schon seit seiner Kindheit möchte er wissen, woher die Straße „Zur Schlade“ ihre Bedeutung hat. Der 41-Jährige, der als Außendienstmitarbeiter in ganz Deutschland unterwegs ist, wuchs in der Straße auf. „Schon in meiner Schulzeit haben mich meine Freunde oft gefragt, warum die Straße so heißt. Eine Antwort darauf wusste ich nie“, sagt Mardorf.

Geschichtskenner Hans Poth aus Felsberg kann bei der Aufklärung des Rätsels weiterhelfen. „Zur Schlade“ sei ein Straßenname, der häufig in der Region Werra, Weser und Fulda vorkomme und vorgekommen sei. Ähnliche Straßennamen gebe es häufiger in der Region – zum Beispiel in Fritzlar den Schladenweg.

„Abgeleitet wurde der Name von einem sumpfigen Gelände“, sagt Poth. Denn sprachwissenschaftlich leitet sich Schlade vom Wort Slade ab – die Bezeichnung für ein Sumpfgebiet im Mittelalter. „Die Gebiete lagen naturgemäß an Flüssen. Häufig entstanden dort Schiffsanlegestellen“, erklärt Poth. So zum Beispiel auch in Kassel die Schlagd an der Fulda.

Hans Poth

Als Thomas Mardorf die Erklärung für den Straßennamen hörte, zeigte er sich verwundert: „Die Begründung ist für mich überraschend.“ Der 41-Jährige, der in seiner Freizeit gerne segelt, könne sich nicht vorstellen, dass dort mal ein Sumpfgebiet gewesen sein soll. Er sei aber glücklich, nun endlich die Antwort auf seine Kindheitsfrage zu kennen. Der 41-Jährige wohnt seit diesem Jahr erst wieder in Melsungen. Im Mehrfamilienhaus seiner Eltern zusammen mit seiner Frau (40) und seinen zwei Söhnen (8) und (14).

Denn als er 21 Jahre alt war, verließ er das Elternhaus und zog berufsbedingt zehn Mal um. Eigentlich könnte man die Straße „Zur Schlade“ in „Mardorfstraße“ umbenennen, scherzt der Außendienstmitarbeiter. Denn an der Straße „Zur Schlade“ wohnen jetzt drei Familien mit dem Namen Mardorf. Die beiden Onkel von Thomas Mardorf leben gleich nebenan. 

Von Yasmin Höse und Damai Dewert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.