Unterricht auch mal später

Schulen im Schwalm-Eder-Kreis können über Unterrichtsbeginn entscheiden

Müde und unkonzentriert: Drei Viertel der Schüler sollen später am Morgen leistungsfähiger sein. Auch Schulen im Landkreis wäre ein späterer Unterrichtsbeginn möglich. Foto: picture alliance

Melsungen. Schüler sind später am Morgen leistungsfähiger, das ist wissenschaftlich erwiesen. Ein Gymnasium in Alsdorf bei Aachen (Nordrhein-Westfalen) versucht dem mit einer Gleitzeitregelung Rechnung zu tragen. Ist das ein Modell für den Landkreis?

Der Schulbeginn ist in Hessen nicht gesetzlich geregelt: „Die Schulen seien zwar an das Schulgesetz gebunden, dort gebe es aber keine Vorgaben zum Schulbeginn, sagt Waltraud Credé, Leiterin des Staatlichen Schulamtes in Fritzlar. Das Thema werde aktuell in vielen Schulen diskutiert.

Schulen entscheiden

Die Schulen können also theoretisch selbstständig den Unterrichtsbeginn planen. Die Stundentafeln müssen erfüllt sein - also die Stundenanzahl für die jeweiligen Fächer. Aber auch wie diese zeitlich verteilt werden, ob im Blockunterricht oder über eine Projektarbeit, sei den Schulen freigestellt.

„Wir stehen einem späteren Beginn sehr offen gegenüber. Wissenschaftliche Untersuchungen haben festgestellt, dass die Schüler mit einem späteren Schulbeginn leistungsfähiger sind.“ Natürlich müssten Eltern und Schüler einbezogen werden. Ein flexibler Schulbeginn sei nur nötig, wenn auch ein Bedarf geäußert werde, das Schulamt mische sich nicht ein.

Problem Flächenkreis

In Flächenkreisen gebe es das Problem der weiten Wege, schränkt Credé ein. Die Schulen seien nicht völlig unabhängig was den Beginn angehe, denn die Schülerbeförderung müsse gewährleistet sein. Es sei aber vorstellbar, dass sich dies mit Vorlauf organisieren lasse.

Früher Arbeitsbeginn

Ein späterer Unterrichtsbeginn harmoniere oft nicht mit dem Arbeitsbeginn der Eltern. Bei älteren Schülern sei dies unproblematisch, aber eine frühe Betreuung der Kinder an der Schule müsse dennoch zur Verfügung stehen.

Zu langer Unterricht

Elfriede Stelzig, stellvertretende Schulleiterin der Geschwister-Scholl-Schule in Melsungen, hält einen späteren Unterrichtsbeginn in einer Oberstufe für schlecht umsetzbar. Dagegen spreche beispielsweise die ohnehin schon lange Unterrichtsdauer. Statt bis 16 müssten die Schüler dann bis 17 Uhr an der Schule bleiben. In einer Oberstufe seien die Schüler der Arbeitswelt schon recht nah, auch dort gebe es nicht immer Gleitzeitmodelle.

Modell für die Oberstufe

Dr. Dieter Vaupel, Schulleiter der Felsberger Drei-Burgen-Schule, kann sich einen späteren Unterrichtsbeginn gut vorstellen. Insbesondere für die Oberstufe sei ein solches Modell gut geeignet. Die Schüler seien alt genug, ein Betreuungsproblem stelle sich nicht. Das selbstständige Lernen werde gefördert, was er für gut halte. In einer befragten 6. Klasse habe es die Rückmeldung gegeben, lieber früher zu beginnen und dafür auch früher Schluss zu haben, berichtet Vaupel. Er könne sich ein solches Modell beispielsweise ab der Jahrgangsstufe 8 vorstellen.

Insellösungen möglich

Thomas Wiegand, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Guxhagen hält die Idee für vernünftig. Man müsse dann über andere Schulkonzepte nachdenken. Er glaube aber nicht, dass sich dies an allen Schulen und für alle Schulformen realisieren lassen. Sicher aber an einigen.

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