Melsungen: Unverständnis wegen Ausgangssperre

Bei einer Umfrage kritisieren Passanten in der Melsunger Innenstadt die Corona-Notbremse

Jetzt auch noch eine Ausgangssperre: Sandra Neuenfeldt (41, links) aus Spangenberg und Tanja Kaufhold (46) aus Melsungen finden viele der Maßnahmen unlogisch.
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Jetzt auch noch eine Ausgangssperre: Sandra Neuenfeldt (41, links) aus Spangenberg und Tanja Kaufhold (46) aus Melsungen finden viele der Maßnahmen unlogisch.

Ab Samstag greift die Corona-Notbremse der Bundesregierung. Dies hat Kontaktbeschränkungen zur Folge und heißt auch, dass in den Landkreisen ab einer Inzidenz von 100 ab 22 Uhr Ausgangssperren gelten.

Melsungen – Davon ist auch der Schwalm-Eder-Kreis betroffen. Die meisten Menschen finden diese Maßnahmen allerdings sinnlos und unverständlich, wie wir bei einer Umfrage am Samstagvormittag in der Melsunger Innenstadt erfahren haben.

Regina Dittmar (60) aus Haldorf war an diesem Tag spontan mit ihren Enkelkindern nach Melsungen gekommen. „Ich halte nichts von der Ausgangssperre“, sagt die 60-Jährige. Man könne ja nach 22 Uhr derzeit sowieso nichts draußen unternehmen. Außerdem verbreite sich das Virus in geschlossenen Räumen ja viel schneller als an der frischen Luft, sagt sie.

Sandra Neuenfeldt aus Spangenberg findet viele Corona-Maßnahmen unlogisch. „Es macht keinen Sinn, dass die meisten Geschäfte geschlossen sind, und in den Discountern tummeln sich die Menschen nur so“, sagt die 41-Jährige. Die Ausgangssperre findet die Spangenbergerin „unmöglich“, weil um diese Zeit die meisten Menschen sowieso zu Hause seien. Genauso unverständlich findet Neuenfeldt, dass sie ihre Eltern jetzt nur noch allein besuchen darf und ihr Ehemann zuhause bleiben muss.

Auch Tanja Kaufhold (46) hält von den Maßnahmen nicht viel. „Das Virus ist ja nachts nicht aktiver als tagsüber“, sagt sie. Die Melsungerin wünscht sich stattdessen mehr Kontrollen an bestimmten Treffpunkten, etwa dem Skatepark. Da sei oft „die Hölle los“, und keiner halte sich an Abstandsregeln oder trage einen Mundschutz. Kaufhold befürchtet, dass Melsungen aufgrund der Pandemiemaßnahmen zu einer „toten“ Stadt werde, weil immer mehr Geschäfte für immer schließen müssten, sagt sie.

Frank Hartmann aus Melsungen.

„Wie lange sollen die Leute eigentlich noch eingesperrt werden“, fragt Frank Hartmann (49) aus Melsungen. Von der nächtlichen Ausgangssperre halte er gar nichts, sagt er. Die Regierung habe in seinen Augen versagt: „Die kriegen nichts gebacken. Anstatt an einem Strang zu ziehen, bekämpfen sich die Politiker gegenseitig.“

Dirk Hilgenberg aus Melsungen.

Dirk Hilgenberg (54) aus Melsungen fühlt sich durch die Ausgangssperre nicht eingeschränkt. Nach 22 Uhr sei er sowieso immer zuhause.

Elisabeth Heckroth aus Körle.

Auch Elisabeth Heckroth betrifft diese Maßnahme nicht. „Um diese Zeit liege ich meistens schon im Bett“, sagt die 67-Jährige aus Körle. In größeren Städten seien Ausgangssperren aber sicher sinnvoll, erklärt sie.

Abdi Osman aus Guxhagen.

Abdi Osman stört die Ausgangsbeschränkung nicht. „Wenn es unserer Gesundheit dient, habe ich nichts dagegen“, sagt er. Allerdings sei die Maßnahme nicht sehr logisch, weil die meisten Menschen abends um diese Zeit sowieso zu Hause seien, stellt der 24-jährige Guxhagener fest.

(Tina Hartung)

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