Drogenhandel im Visier

Verdeckte Ermittlungen im Drogenmilieu: Ein Blick ins Kommissariat 30

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Marihuana aus der Aservatenkammer: Jörg Teichert, stellvertretender Leiter des Kommissariats K30, zeigt beschlagnahmte Drogen, die im Labor geprüft werden.

Schwalm-Eder. Es war einer der größten Erfolge im Kampf gegen die Drogenkriminalität: Die Polizisten vom Kommissariat 30 ließen einen Dealer auffliegen, der 500 Gramm Amphetamin verkaufte. 

Daran erinnert sich Jörg Teichert, stellvertretender Leiter des Kommissariats 30 der Regionalen Kriminalinspektion in Homberg sofort, wenn er an seine Arbeit denkt. Das Kommissariat ist für Drogendelikte zuständig.

Solche Coups seien aber nur mit speziellen Methoden möglich. „Wir setzen verdeckte Ermittler ein. Das kommt bei der Kripo oft vor“, sagt der 46-Jährige. Es sei schwieriger, die Dealer festzunehmen, als man sich das vorstelle. Es stecke viel Arbeit im Kleinen dahinter, weil es verzweigte Händlerringe gebe. Teichert hält eine Zeichnung hoch, auf der ein weit verzweigtes Netz zu sehen ist. Dort müsse man eintauchen und versuchen, etwas heraus zu finden, sagt er. Einen Dealer zu schnappen, dauere oft sehr lang.

Der Kriminalhauptkommissar ist seit 2015 auf seinem jetzigen Posten, einer der Schwerpunkte seiner Arbeit sind Drogendelikte. Sie gehören zu den Hauptaufgaben des Kommissariates.

Gängig sei es, Ermittler einzusetzen, die Vertrauen zu den Dealern aufbauen. Die Ermittler geben sich als Abhängige aus und kaufen Drogen.

Dabei arbeitet das Kommissariat mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Nach mehreren Probekäufen gebe es im besten Fall einen sogenannten Scheinkauf, bei dem der Dealer festgenommen werde. Das Kommissariat sei auch mit von der Partie, wenn selbst angebaute Marihuanapflanzen gefunden werden. Die Drogen werden in der Asservatenkammer in der Polizeistation sicher gestellt und später vernichtet. Die Drogen werden im hauseigenen Labor bestimmt. Die Zusammensetzung ermittelt das Landeskriminalamt. Das sei für das Strafmaß des Täters wichtig.

Beschaffungskriminalität sei oft das Motiv für Intensivtäter, die von dem Kommissariat betreut werden. Von diesen Mehrfachtätern vermute man, dass sie nicht mehr aus der Kriminalität heraus kommen. Die Beamten wissen, wo diese Menschen leben, suchen sie regelmäßig auf und überwachen sie engmaschig.

Die Betreuung von Intensivtätern ist der weitere Schwerpunkt des K30. „Die Beamten führen Gespräche, um die Lebenssituation die Arbeit oder sozialen Beziehungen zu bewerten“, sagt Teichert. Aus den Beobachtungen schließe man auf das Verhalten. Die Staatsanwaltschaft ordnet das weitere Vorgehen an.

Die Erfahrungen bei den Besuchen nutzen die Beamten bei der Betreuung von auffällig gewordenen Ausländern. Sie werden ebenfalls vom K30 überwacht. Zusammen mit der Staatsanwaltschaft und der Ausländerbehörde werde geprüft, ob diese Menschen abgeschoben werden müssen. Ein ähnliches Programm gebe es für junge Erwachsene unter 21 Jahren, die straffällig geworden sind. Ziel ist, dass sie nicht mehr kriminell werden.

Polizist ist sein Traumberuf

Auch nach vielen Jahren sagt Jörg Teichert: „Polizeibeamter ist mein Traumberuf.“ Er wollte nie eine reine Büroarbeit. „Es bleibt spannend.“ Allerdings räumt er ein, dass er als leitender Beamter viel im Büro sitze. Der Familienvater lebt im Nordkreis, läuft Marathon und trainiert im Verein mit Jugendlichen Leistungsschwimmen, auch mit seinen beiden Kindern. Sport hilft als Prävention gegen Drogen. Teichert war bei der Polizei in Kassel, arbeitete als Polizeitaucher und bei Schutzpolizei und der Mordkommission. Einer seiner Arbeitsfelder in Kassel war das Rauschgiftdezernat. Und das ist noch heute in der leitenden Funktion einer der Arbeitsschwerpunkte. 

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