Vierstimmig ins Jubiläum:  Concordia-Liedertafel feiert 190. Geburtstag

Melsungen – Eigentlich feiert der Männerchor Concordia-Liedertafel einen Doppelgeburtstag: die Gründung vor 190 Jahren und die Fusion vor 50 Jahren.

Im Jubiläumsjahr soll ein großes Jubiläumskonzert anstehen. Es ist für Samstag, 21. März, in der Stadthalle geplant. Ob es in Zeiten von Corona wirklich stattfindet, werden die Vorstandsmitglieder nach Mitteilung des Vorsitzenden Peter Reinhardt in den kommenden Tagen entscheiden. Eventuell wird geprüft, ob es zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden kann.

Die Concordia-Liedertafel ist der älteste Gesangverein in Melsungen: Er wurde 1830 vom Lehrer der Stadtschule gegründet, die Sänger waren zumeist Beamte und Lehrer, berichtet Schriftführer Friedhelm Kerst. 28 Jahre später erst wurde die Concordia gegründet, bei der hauptsächlich die Arbeiter sangen. Es folgten die Gründungen von vier weiteren Männergesangvereinen. Aber von den sechs Melsunger MGV haben nur die Liedertafel und die Concordia überlebt – weil sie sich vor 50 Jahren zusammenschlossen.

Andreas HirschBassist

Was viele nicht mehr wissen; bereits Anfang der 1950er-Jahre hatten die Melsungen Männergesangvereine ähnliche Probleme wie heute: „Das Singen im Verein war nicht mehr aktuell, die Zahl der aktiven Sänger sank stetig, und geeignete Chorleiter waren auch nicht zu finden“, so steht es in der Vereinschronik. Dennoch gilt die Fusion als „Initialzündung für den Chorgesang in Melsungen“, heißt es in der Chronik weiter.

In den 1980er-Jahren hatte der Chor sogar 60 Sänger. Mittlerweile ist die Zahl auf 36 gesunken, der Altersdurchschnitt liegt bei 72 Jahren. Unter Leitung von Harald Renner singt der Chor immer noch vierstimmig, auch wenn im zweiten Bass Stimmen fehlen.

„Aber alle Gesangvereine haben die gleichen Probleme“, sagt Vorsitzender Peter Reinhardt. Denn auch die befreundeten Chöre in Ungarn oder Frankreich fehlt den Chören der Nachwuchs. „Es will sich keiner mehr fest binden“, sagt Reinhardt und kritisiert: „Alle sprechen davon, das Kulturgut zu erhalten – und dann werden Gospelchöre gegründet.“

Fürs Jubiläumskonzert im März hat die Concordia-Liedertafel etwas Besonderes vor: Der Chor wird mit einem Solisten aus Wien singen. Es ist Andreas Hirsch, der Bruder des ersten Tenors Hans Hirsch. Andreas Hirsch war früher Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters.

Trotz des Jubiläums soll es „ein Konzert mit wenig Reden und viel Gesang“ geben, wie Vorsitzender Reinhardt betont. Das Repertoire reicht vom Volkslied bis zu Schlager, dank des Wiener Solisten gibt es auch ein bisschen Wiener Schmäh wie „Im Prater blühn wieder die Bäume“ und „Jung sann mer, fesch sann mer“.

Der Melsunger Männerchor hat Notensätze von 250 Liedern, „und 50 können wir sofort aus dem Stand singen“, sagt Friedhelm Kerst. Geprobt wird seit einigen Jahren im DGH Obermelsungen. Ein Theken-Team kümmert sich dort auch immer um die Bewirtung der Sänger. „Der Chor ist eine Wahnsinnsgemeinschaft“, sagt Kerst. Das war auch schon vor 190 Jahren so.

Weitere Termine:

Samstag, 21. März: Jubiläumskonzert, 19.30 Uhr Stadthalle, kein Eintritt, Spenden sind willkommen. Samstag, 12. September: Konzert mit der Harmonie Musik Melsungen, Stadthallengarten. Sonntag, 28. November: Adventskonzert, Stadtkirche.

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