Amokfahrt

Nach Drama beim Karneval in Volkmarsen: Kliniken sind in Alarmbereitschaft

+
Kliniken in Alarmbereitschaft: Nach Amokfahrt in Volkmarsen werden die Sicherheitskonzepte angepasst.

Die Amokfahrt beim Karneval in Volkmarsen macht die Menschen in der Region fassungslos. Die Kliniken sind in Alarmbereitschaft. 

  • Kliniken sind nach der Amokfahrt beim Karneval in Volkmarsen in Alarmbereitschaft.
  • Ein Opfer aus Volkmarsen wurden stationär in Schwalmstadt aufgenommen.
  • Städte und Gemeinden wollen Sicherheitskonzepte überdenken.

Die Mitarbeiter der Notaufnahmen in den Krankenhäusern im Schwalm-Eder-Kreis waren am Montag nach der Amokfahrt in Volkmarsen alarmiert worden. „Massenanfall von Verletzten“ hieß es von der Leitstelle Waldeck-Frankenberg. Das führte zu einer Alarmierung aller umliegenden Leitstellen. In den Asklepios-Kliniken im Landkreis wurde daraufhin der Krankenhauseinsatzplan aktiviert.

„Wir fahren dann alle Kapazitäten so hoch, dass wir eine maximale Anzahl von Patienten aufnehmen können“, sagt Dr. Tobias Honacker, ärztlicher Leiter der Notaufnahme in Schwalmstadt.

TobiasHonackerOberarzt

Schwalmstadt und Melsungen wären gerüstet gewesen: Zehn Behandlungsplätze nebeneinander, drei Funktionsräume, ein Isolierraum und zwei Schockräume hätten allein in Schwalmstadt zur Verfügung gestanden. 

Gemeinsam mit mehreren Ärzten seien alle Patienten in der Notaufnahme behandelt worden, um frei zu sein für mögliche Opfer aus Volkmarsen. Von dort kam ein Patient, der stationär aufgenommen wurde. Ein Großteil, der mehr als 50 Patienten, waren Kinder. 

Diese seien nach Möglichkeit in Kinderzentren gebracht worden. Die Betroffenheit sei groß gewesen, berichtet Honacker. Und auch die Bereitschaft zu helfen.

Nach Amokfahrt in Volkmarsen sind Kliniken in Alarmbereitschaft

Einige Schwestern seien nach der Amokfahrt in Volkmarsen früher zur Arbeit gekommen. In den Krankenhäusern Melsungen und Fritzlar habe dasselbe Programm stattgefunden. „Der Vorfall zeigt, dass wir auch in ländlichen Regionen auf solche Situationen vorbereitet sein müssen“, sagt Honacker. Natürlich sei ein Unglücksfall das wahrscheinlichere Szenario und er wolle niemanden Bange machen, aber es sei ratsam, das im Hinterkopf zu haben.

Das sieht auch Markus Brettschneider so. Der Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder teilte mit, dass mit Städten und Gemeinden sowie Veranstaltern im Landkreis Gespräche über mögliche Anpassungen der Sicherheitskonzepte geführt werden sollen. Am Dienstag (25.02.2020) seien keine Anpassungen nötig gewesen, da draußen keine Großveranstaltungen mehr geplant gewesen seien.

„Jeder, der große Feste veranstaltet, muss sich nun noch mehr Gedanken machen“, sagt Thomas Pfanzelt. Er organisiert seit Jahren das Spangenberger Reitturnier, bei dem bis zu 20 000 Besucher an den vier Turniertagen kommen. 

ThomasPfanzeltTurnierleiter Spangenberg

Die Vorbereitungen für das Turnier im Juli laufen, „und wir Organisatoren müssen nun noch mehr überlegen, wie wir die Veranstaltung noch besser schützen können“. Betonklötze auf der Straße seien für ihn keine Lösung, denn der Zugang zum Turniergelände müsse für Rettungsfahrzeuge freigehalten werden.

Seit Jahren gebe es aber Sicherheitsleute am einzigen Eingang zum Turnierplatz. „Unser großer Vorteil ist, dass das Veranstaltungsgelände unten im Loch liegt“, sagt Pfanzelt, also unterhalb von Schloss und Stadt und nicht direkt an der Straße.

Nach Amokfahrt in Volkmarsen: Auch Stadt Melsungen denkt über Sicherheitskonzept nach

Auch die Stadt Melsungen wird sich Gedanken machen, was bei künftigen Veranstaltungen sicherheitstechnisch möglich und sinnvoll ist. Das Thema steht auf der nächsten Magistratssitzung am kommenden Mittwoch, teilt die Erste Stadträtin Ulrike Hund mit. Sie sagt: „Alles abzusichern, ist schier unmöglich.“

Die Stadt Melsungen veranstaltet das beliebte Weinfest, bei dem der Marktplatz voller Besucher ist, sowie den vierwöchigen Weihnachtsmarkt mit großen Partys am Abend. Rund ums Rathaus findet auch das Spezialitätenfestival mit tausenden Besuchern statt.

Großveranstaltungen sind zudem das Heimatfest der Schützengilde und die Wiesn auf der Grasrennbahn, die die Wiesn GbR, der Fanclub Bartenwetzer und der Motorsportclub organisieren.

Die Ermittler gehen bei der Tat von Volkmarsen mittlerweile von einer Amokfahrt aus. Der Bürgermeister aus Breuna erlebte die Amokfahrt beim Karneval in Volkmarsen aus nächster Nähe.

Video: Amokfahrt-Tatverdächtiger in Volkmarsen war nicht alkoholisiert

Von Damai Dewert und Claudia Feser

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.