"Ein Sitzplatz ist die absolute Ausnahme"

Stehen von Heinebach bis Kassel: Fahrgäste beklagen sich über volle Cantus-Züge

Kurz hinter Malsfeld-Beiseförth: Vor allem Schüler fahren von dort nach Melsungen. Foto: Beer

Heinebach. Wer dieser Tage um 7.08 Uhr in den Cantus-Zug am Bahnhof in Heinebach zugestiegen ist, der suchte vergeblich nach einem Sitzplatz.

Bereits 40 Minuten bevor der Zug an seinem Ziel, dem Hauptbahnhof in Kassel, einfuhr, waren alle Sitzplätze besetzt, in den Gängen und an den Türen drängten sich die ersten Fahrgäste.

„Ein Sitzplatz ist die absolute Ausnahme, man steht bis nach Kassel“, sagt Jürgen Heußner. Der Finanzbeamte pendelt seit 2014 täglich zwischen Heinebach und Kassel und wendete sich wie auch andere Leser aufgrund der offenbar regelmäßig überfüllten Cantus-Züge an unsere Zeitung.

Vor allem Pendler betroffen

Über Unpünktlichkeit könne er sich nicht beschweren, allerdings sei ihm unerklärlich, warum zusätzliche Zugteile nur selten, und wenn, dann vor allem während der Herbstferien bereitgestellt würden. Die Verbindung wird um diese Uhrzeit vor allem von Schülern, Studenten und Berufspendlern genutzt.

An der Station Malsfeld-Beiseförth füllt sich der Zug auch körperlich spürbar: Gerade im Türbereich stehen die Fahrgäste Schulter an Schulter, auch der Gang bietet kaum mehr Raum zum Ausweichen. Steffen Olschewski steigt unter der Woche täglich an diesem Bahnhof zu, er besucht wie auch Sophia Kellner die Geschwister-Scholl-Schule in Melsungen. „Einen Sitzplatz hat man hier generell nicht, keine Chance“, sagt Olschewski und Kellner berichtet, dass das Problem besonders seit dem Ende der Herbstferien bestehe.

Entlastung meist in Ferien

Zwar steigen an diesem Morgen viele Schüler in Melsungen aus, der Zug bleibt jedoch weiterhin so voll, dass der Gang des Zugteils nur schwer begehbar ist. Dies soll sich dann auch bis Kassel Wilhelmshöhe, wo viele Fahrgäste aussteigen, nicht merklich ändern.

Leerer Bahnhof, voller Zug: Unser Bild zeigt den Bahnhof in Bebra. Foto: Schankweiler-Ziermann

„Es ist ein Unding, auf dieser Strecke mit nur einem Wagen zu fahren“, sagt Hubert Kothe, der zwischen Melsungen und Kassel pendelt. Zugbegleiter sehe man auf dieser Strecke nur selten, er vermute, dass die sich vor Beschimpfungen fürchteten, auch wenn die Angestellten seiner Meinung nach natürlich nicht zu beschuldigen seien. Beim NVV beschweren will sich bald Sabine Döring, die Verwaltungsbeamte steht an diesem Morgen bereits seit Rotenburg.

Die Erfahrung, dass gerade in den Ferien, aber selten während der Schulzeit ein zweiter Zugteil bereitgestellt wird, hat auch Niko Knoch gemacht. Er studiert Architektur in Kassel und wundert sich ob dieser, seiner Ansicht nach schwer verständlichen, Logik. Seien es doch gerade Schüler, die in Richtung Kassel führen.

Ältere Menschen leiden

Jürgen Heußner beklagt, dass vor allem ältere Menschen unter der Situation litten. Anrufe bei Cantus, die dem Unternehmen das Problem näherbringen sollten, hätten bislang nicht zu einer Verbesserung geführt.

Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) ist für den regionalen Schienen- und Busverkehr zuständig und somit auch für die Betreuung der Cantus-Verbindungen. Die Sprecherin, Sabine Herms, teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass es sich in dem hier beschriebenen Fall um eine Ausnahmesituation handele – normalerweise sei die Verbindung zwischen Bad Hersfeld und Kassel mit zwei Fahrzeugen ausgestattet. Auch stünden im Normalfall zwei Ersatzfahrzeuge bereit. Allerdings seien während der vergangenen eineinhalb Wochen drei Fahrzeuge technisch überprüft oder wegen Schäden repariert worden, weshalb es zu einem Engpass auf dieser Strecke gekommen sei und nur ein Fahrzeug eingesetzt wurde. Ab sofort stünden allerdings wieder zwei Fahrzeuge zur Verfügung. Auch stellte Herms in Aussicht, dass in den kommenden Wochen, auch aufgrund sinkender Temperaturen und einem erwartbaren höheren Fahrgastaufkommen, die Auslastung der Verbindung noch einmal geprüft werde. Unabhängig davon bittet sie die Fahrgäste, bei Beschwerden nicht nur die Verbindung, sondern auch exakte Angaben zu Datum und Uhrzeit ihrer Fahrt zu hinterlassen, um somit die Bearbeitung für den NVV zu vereinfachen. Beschwerden können über eine Eingabemaske im Serviceportal der NVV-Homepage eingereicht werden.

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