Anwohner sind sauer

Schleichweg wird zur Rennstrecke: Anwohner in Melsungen sind genervt

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Nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt: Im Vorderen Eisfeld leiden die Anwohner unter dem Verkehr. 

Melsungen. Viele Anwohner des Vorderen Eisfeld sind sauer: Denn die verkehrsberuhigte Zone, an der sie wohnen, wird von vielen Autofahrern als Schleichweg genutzt.

„Wegen der Sanierung der Schlossstraße fahren hier deutlich mehr Autos durch“, sagt Anwohner Karl-Heinz Graeser. Als wäre das nicht schlimm genug: Kaum ein Autofahrer hielte sich dabei an das Tempolimit von 7 km/h. In der Spielstraße gilt Schrittgeschwindigkeit. Das heißt nun mal: erster Gang und Standgas.

Im Vorderen Eisfeld leben einige Familien und Senioren. „Ob für gehbehinderte Menschen, Fußgänger und spielende Kinder – die Straße ist nicht sicher“, sagt Graeser verärgert. In den vergangenen dreieinhalb Jahren habe die Stadt quasi nichts unternommen. „Geschwindigkeitskontrollen gibt es so gut wie nicht.“ Nur der ruhende Verkehr werde vom Ordnungsamt mehrmals in der Woche kontrolliert, berichtet Graeser.

Kaum Tempokontrollen

Seit 1961 wohnt der Melsunger im Vorderen Eisfeld Nummer fünf. Der 73-Jährige habe wegen der unbefriedigenden Situation sogar Bedenken, wenn ihn seine Enkelin besuchen komme. Das sei doch gefährlich.

Er glaube, dass viele Autofahrer das Schild nicht ernst nähmen, dessen Bedeutung nicht kennen würden oder es schlicht ignorierten.

Von der Fritzlarer Straße kommend, weisen mehrere Hinweisschilder auf die Spielstraße und das Tempolimit hin. Zu übersehen sind sie eigentlich nicht. Trotzdem fahren viele Autofahrer zu schnell. 

Verbesserungsvorschläge da

Es müsse was passieren, und zwar schnell, fordert Graeser. Er und die anderen Anwohner wünschen sich zu allererst, dass die Schilder umgehängt werden. Und zwar so, dass die Autofahrer sie noch früher und deutlicher zur Kenntnis nehmen. Vielleicht sei das eine Möglichkeit, das Problem zu beheben, so die optimistische Einschätzung des 73-Jährigen. Denn, so vermutet Graeser, eventuell würden die Schilder ja einfach nicht rechtzeitig von den Autofahrern erkannt.

Ein weiterer Vorschlag der Anwohner lautet: Die Parkplätze könnten so angeordnete werden, dass abgestellte Autos den Verkehr verlangsamen.

Mittlerweile sind einige Anwohner des Vorderen Eisfelds nur noch frustriert. „Wir haben wiederholt Kontakt mit den Parteien, Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten aufgenommen, aber niemand hat mit uns ein Gespräch gesucht“, sagt Karl-Heinz Graeser.

Er und die anderen Anlieger fühlten sich dadurch mit ihren Problemen nicht ernst genommen und zurückgesetzt. „Wir sind doch keine Menschen zweiter Klasse“, sagt der 73-Jährige.

Das sagt das Ordnungsamt

Das Ordnungsamt Melsungen zählte im vergangenen Jahr erstmalig den Verkehr im Vorderen Eisfeld. Die Zählung ergab, dass einige Autofahrer schneller als die erlaubten 7 km/h waren. „Insgesamt haben wir die Messung seit Mai 2017 noch vier Mal wiederholt und keine Probleme feststellen können“, sagt Frank Werner, Melsungens Ordnungsamtsleiter. Daher wurden keine weiteren Kontrollen angeordnet. Das Ordnungsamt Melsungen kontrolliert stattdessen drei bis vier mal in der Woche im Vorderen Eisfeld den ruhenden Verkehr. „Das Anliegen der Anwohner ist uns bekannt, deshalb werden wir bald ein Zählgerät anbringen. Dieses misst sowohl die Anzahl der Fahrzeuge als auch deren Geschwindigkeit. Dann haben wir Zahlen, die wir auswerten können“, sagt Werner. Der Datenschutz werde gewahrt: Das Gerät speichere weder die Kennzeichen noch fertige es Bilder an. Gemessen werden ausschließlich die Geschwindigkeit. Die Anbringung des Zählgeräts wird voraussichtlich in den nächsten Monaten erfolgen. 

Das sagt die Polizei

„Für die Geschwindigkeitsüberwachung im Vorderen Eisfeld ist die Polizei nicht zuständig“, sagt Markus Brettschneider, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Denn für den innerörtlichen Verkehr ist zumeist die zuständige Ordnungsbehörde verantwortlich. Laut Brettschneider kontrolliert die Polizei prioritätsbedingt. Das bedeutet: Unfallschwerpunkte und bekannte Gefahrenstellen stehen an erster Stelle. „Wir können leider nicht überall die Geschwindigkeit kontrollieren“, sagt Markus Brettschneider. Das Problem der Anwohner des Vorderen Eisfeld sei bei der Polizei bisher nicht bekannt. „Das Anliegen wird von uns an die Ordnungsbehörde Melsungen weitergeleitet.“ Die Polizeistation Melsungen werde zusätzlich in den kommenden Tagen im Vorderen Eisfeld kontrollieren. 

Von Yasmin Höse

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