Hitzefrei: Der Vorgesetzte entscheidet, wann es zu heiß ist

Keine Garantie: Ob Schüler Hitzefrei bekommen oder nicht, liegt im Ermessen des Schulleiters. Bei verlässlichen Schulen wird ein alternatives Betreuungsprogramm organisiert. Foto:  dpa

Melsungen. Trotz Hitzewarnstufe zwei und Temperaturen über 38 Grad - dass Schüler im Kreisteil Melsungen Hitzefrei bekommen, ist dennoch nicht garantiert.

Wie Doris Braun-Grimmelbein, stellvertretende Leiterin des Schulamtes für den Schwalm-Eder-Kreis, erklärt, liege es im Ermessen des Schulleiters, ob die Schüler vom Unterricht freigestellt werden.

An Tagen, an denen durch die Hitze im Schulgebäude der Unterricht erheblich beeinträchtigt sei, könnten die Lehrer anstelle des Regelunterrichts alternative Formen wählen, zum Beispiel an anderen Lernorten oder projektbezogen zu unterrichten. Zudem bestehe die Möglichkeit, keine Hausaufgaben aufzugeben oder den Unterricht nach der fünften Stunde zu beenden, sagt Braun-Grimmelbein.

Wenn Schüler nicht vorzeitig nach Hause geschickt werden können, müssten geeignete Beschäftigungs-, Betreuungs- oder Aufenthaltsmöglichkeiten bis zum Ende der regulären Unterrichtszeit zur Verfügung gestellt werden, erläutert Braun-Grimmelbein. Dies sei an Ganztagsschulen, bei pädagogischer Mittagsbetreuung oder an Schulen mit verlässlichen Öffnungszeiten der Fall.

Auch Arbeitnehmer dürfen trotz der Hitzewelle nicht einfach ihren Arbeitsplatz verlassen. „Ab 35 Grad Raumtemperatur muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass die Temperatur gesenkt wird, zum Beispiel durch Ventilatoren“, weiß Hardy Busse, Anwalt für Arbeitsrecht aus Kassel. „Im öffentlichen Dienst kann der Arbeitgeber auch Gleitzeit anbieten, damit die Arbeitszeit in die kühleren Tagesabschnitte verlegt werden kann.“

Außerdem könne die Arbeitszeit reduziert werden. Trage der Arbeitgeber nicht zur Kühlung der Räume bei, könne man auch eigenmächtig den Arbeitsplatz verlassen, sollte gesundheitliche Gefahr bestehen, sagt Busse. „Es ist aber immer sicherer, sich noch einmal bei einem Anwalt abzusichern und sich ein Attest vom Arzt zu holen.“ Verstoße der Arbeitgeber gegen das Arbeitsschutzgesetz, könnten Strafen verhängt werden.

Kinder vor Hitze schützen

Der für Samstag in Neuenbrunslar geplante Stadtkinderfeuerwehrtag wurde wegen der extremen Hitze schon verschoben. Den Verantwortlichen ist die Gefahr zu hoch, dass die Kinder Gesundheitsschäden erleiden, teilte Stadtbrandinspektor Markus Semmler mit.

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