Wanderschäfer mit 700 Tieren bei Heidefest

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Zieht mit seiner Herde am Wochenende in die Vockeröder Heide: Wanderschäfer Frank Plötzer aus Günsterode.

Günsterode/Vockerode. Zum Heidefest am Sonntag sind kommen 700 Schafe nach Vockerode. Besucher können den Tieren bei der Arbeit zuschauen.

Noch ist Schäfer Frank Plötzer mit der Herde in Günsterode. Von dort geht es am Wochenende in zwei Stunden durch den Wald in die Heide. Das und selbst Standortwechsel in Städte wie Kassel sind für den Wanderschäfer kein Problem. Ob Wald, Feldweg, Landstraße oder große Straßenkreuzungen: Die altgedienten Schafe kennen den Weg und zeigen ihn den Jungtieren - und spielt irgend eins nicht mit, zwingen es die ausgebildeten Hütehunde in die Bahn, berichtet Plötzer.

Tiere fressen Büsche kurz 

Seine Schafe sind wie er selbst 365 Tage im Jahr fleißig. In der Landschaftspflege fressen die Tiere Büsche und Gräser kurz, so das unter Naturschutz stehende Pflanzen Platz und Licht bekommen. Beim Wandern tragen sie Pflanzensamen an andere Orten. Und Wiesen verwandeln sie mit ihrem Kot in blühende Landschaften, zählt Plötzer nur ein paar Fähigkeiten seiner Arbeiter auf. Um die Schafe kümmert sich der 57-Jährige Tag für Tag. Arbeit gibt es ohne Ende. Klauen müssen gepflegt, kranke Tiere versorgt, Netze gesteckt und Futter wie Wasser bereit gestellt werden - bei Hitze wie eisiger Kälte.

Leben in der Natur 

Reichtümer sind als Wanderschäfer nicht zu verdienen, plaudert Plötzer aus dem Nähkästchen. Viel wichtiger als Geld ist dem Vater von fünf Kindern allerdings auch das Leben in der Natur.

Hilft seinem Vater mitunter aus: Martin Plötzer mit Hütehund. Fotos: Grugel

In Arnstadt aufgewachsen und zur Schule gegangen, nahm Plötzer mit 14 Jahren eine Ausbildung zum Schäfer auf. Schon früh war er in Thüringen mit Schafherden in Sachen Landschaftspflege unterwegs, seit 1977 hauptberuflich. Heute lebt Plötzer mit seiner Lebensgefährtin in Günsterode und arbeitet für die Kasseler Vollerwerbsschäferei Hubertus Dissen.

Sein Leben lang wollte Plötzer vor allem eins: als Wanderschäfer leben. Urlaub gab’s für ihn praktisch nicht. Einmal ging es an freien Tagen nach Hamburg, „hätte nicht sein müssen“, kommentiert Plötzer den Ausflug. Denn was für ihn zählt, ist die nordhessische Landschaft und das naturverbundene Leben in Günsterode.

Termin

Wanderschäfer Frank Plötzer gibt bei einem Heidefest Auskunft zu seinem Beruf und zur Landschaftspflege mit Schafen. Dazu lädt die Interessengemeinschaft Vockeröder Heide ein, die sich für die Wacholderheide engagiert und auch zu Arbeitseinsätzen in dem Naturschutzgebiet unterwegs ist. Das Fest beginnt am Sonntag, 16. August, um 10 Uhr in der Vockeröder Heide. Auf dem Tagesprogramm stehen unter anderem eine geführte Wanderung sowie Angebote für Kinder. Es gibt Essen und Getränke. Das Fest ist ab Vockerode-Dinkelberg fußläufig zu erreichen - Entfernung etwa ein Kilometer. Ab dem Parkplatz Dinkelberger Straße/Ecke Wickersröder Straße ist alle 30 Minuten ein kostenloser Shuttle-Service unterwegs.

Die Heide 

Die Wacholderheide westlich von Vockerode-Dinkelberg ist im Jahr 2001 der Europäischen Union als Fauna-Flora-Habitat gemeldet worden. Landschaftsprägend ist eine durch Weidenutzung entstandene Bergheide mit Wacholderbestand. Kartenmaterial von 1859 lässt laut Regierungspräsidium eine frühe Nutzung als Hutewald vermuten. Das Naturschutzgebiet ist 15,2 Hektar groß. Es beherbergt viele seltene und gefährdete Pflanzenarten. Dazu gehören Arnika, Rippenfarn, Waldhyazinthe, Sonnentau und Waldläusekraut. Zuständig für das Gebiet sind neben dem Regierungspräsidium das Forstamt Melsungen und der Landkreis Schwalm-Eder.

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