Verein war zu Gast

Das steckt in unserem Wasser: Umweltmobil untersuchte Brunnenproben auf dem Melsunger Marktplatz

Kiste voller Proben: Diplom-Physiker Harald Gülzow und sein Mitarbeiter Michael Cohausz sammelten auf dem Melsunger Marktplatz Proben mit Brunnenwasser ein, um sie zu untersuchen.
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Kiste voller Proben: Diplom-Physiker Harald Gülzow und sein Mitarbeiter Michael Cohausz sammelten auf dem Melsunger Marktplatz Proben mit Brunnenwasser ein, um sie zu untersuchen.

Nach 15 Minuten war die erste Kiste fast voll: elf Flaschen, bis zum Rand mit Brunnenwasser aus dem Melsunger Land gefüllt. Menschen wie Werner Winzer aus Malsfeld hatten Wasser abgezapft, um es von der Umweltschutzorganisation VSR (Verein zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse) qualitativ untersuchen zu lassen.

Melsungen - Werner Winzer, 79, hat einen elf Meter tiefen Brunnen in seinem Schrebergarten am Stadtrand von Felsberg. Dort verbringt er gerne die Wochenenden. Um das 2500 Quadratmeter-Grundstück zu gießen, hat er vor zehn Jahren den Brunnen auf dem Grundstück bohren lassen.

Fürs Kaffeekochen nimmt er sowieso Trinkwasser von Zuhause mit. Aber mit dem Brunnenwasser hatte er mal einen Pool im Garten gefüllt, den er für die Enkel aufgestellt hatte. Kann er das Wasser unbedenklich hierfür nutzen? Werner Winzer nutzte die Chance der Brunnenwasser-Untersuchung auf dem Melsunger Marktplatz, von der er aus der HNA erfahren hatte. Das Gutachten und die Qualität seiner Brunnenwasser-Probe bekommt der Malsfelder in zwei Wochen per Post zugeschickt.

Von Ostern bis Oktober sind Harald Gülzow und sein Mitarbeiter Michael Cohausz mit ihrem gelben Umweltmobil in Deutschland unterwegs, um die Brunnenwasser-Proben zu untersuchen. Erfahrungsgemäß geht Diplom-Physiker Gülzow davon aus, dass die meisten Melsunger Wasserproben keine erhöhten Nitratwerte haben werden. Im Gegensatz zu denen aus Mecklenburg-Vorpommern oder dem Bereich Cloppenburg in Niedersachsen. „Dort gibt es große landwirtschaftliche Flächen, und im Sandboden geht alles schnell nach unten.“ Damit steigen dann die Werte für Nitrat, Eisen und Chlorid.

Schon beim ersten Blick auf die Kiste mit dem Brunnenwasser ist zu erkennen, dass zwei Proben erhöhte Eisenwerte haben. Das Wasser ist leicht rötlich verfärbt, und ein erhöhter Eisengehalt ist der einzige Wert, der mit bloßem Auge zu erkennen sei, sagt Gülzow. Mancherorts sei das Wasser so stark verfärbt, „dass es aussieht wie Apfelschorle“, sagt Michael Cohausz. Er ist Sozialarbeiter im Ruhestand und absolviert beim Verein VSR einen Bundesfreiwilligendienst.

Natürlich hat er auch das Wasser in seinem Brunnen untersuchen lassen, zuhause auf dem Land in Nordrhein-Westfalen. Ergebnis: überhöhte Nitratwerte. Cohausz kennt auch den Grund: In der direkten Nachbarschaft wird ein Acker drei Mal im Jahr gedüngt. Nutzt er den Brunnen deshalb nicht mehr? Doch, aber er gießt sein Gemüse nur noch von unten.

Auch wenn nach 9.15 Uhr keine Brunnenproben in Melsungen mehr abgegeben wurden, hatten Gülzow und Cohausz doch noch einiges zu tun: Sie führten Gespräche über Umweltthemen mit Passanten, die am gelben Umweltmobil vorbei kamen. (Claudia Feser)

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